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Hurricane über dem Investmentbanking: UBS will angeblich 60 Prozent ihrer Beschäftigten vor die Tür setzen

Über dem Investmentbanking braut  sich ein Hurricane zusammen.

Über dem Investmentbanking braut sich ein Hurricane zusammen.

Die Zeit der kleinen Zahlen ist passé. Es geht nicht mehr um 10 oder 20 Prozent. In der neuen Realität könnten drei von fünf Kollegen verschwinden und die Vergütungen sich halbieren. Den unrühmlichen Vorreiter scheint dabei die UBS zu spielen, die am morgigen Dienstag (30. Oktober) ihre Quartalszahlen präsentiert.

Den Anfang mit den schlechten Nachrichten machte die englische Financial Times (FT) am Freitagabend. Demnach will die Bank die Axt an 10.000 Jobs legen, wovon das Anleihegeschäft besonders schwer betroffen sein soll. Alle Elemente des Fixed Income-Geschäfts werden nicht länger zum Kerngeschäft gerechnet und zurückgeschraubt. Künftig würden vom Investmentbanking der UBS vor allem das Aktiengeschäft, der Devisenhandel und das Beratungsgeschäft (M&A und Capital Markets) übrigbleiben.

UBS-Chef Sergio Ermotti wollte hierzu keinerlei Kommentar abgeben. Dennoch haben im Verlauf des Wochenendes weitere Details ihren Weg in die Medien gefunden. So soll der Hauptteil der Einsparungen laut dem Wall Street Journal (WSJ) auf das Investmentbanking entfallen. Da die Bank noch Ende Juni in dieser Sparte 16.432 Mitarbeiter beschäftigte, könnte sich der Stellenabbau auf 60 Prozent belaufen. Dies bedeutet jedoch auch, dass weitaus mehr als nur das Fixed Income-Geschäft betroffen sein würde.

Der FT zufolge werden sich die Einsparungen auf die kommenden drei Jahre erstrecken und einen Teil des von Ermotti angekündigten Restrukturierungsprogramms „Accelerate“ darstellen. Die Zeitung prognostiziert, dass vor allem die Standorte in London, Zürich und Stamford (USA) betroffen sein werden, wobei das Schweizer Bankhaus allein in der Londoner City 6500 Mitarbeiter zählt. Gemäß dem WSJ wird sich der Abbau auf drei bis fünf Jahre erstrecken und sich sowohl auf das Front- als auch auf das Backoffice des Investmentbankings erstrecken. Dagegen würde das Frontoffice der Wealthmanagement-Sparten verschont bleiben.

Da schlimmste am Schritt der UBS besteht darin, dass die Analysten mit ihren düsteren Prognosen rechtbehalten könnten und nach einer Phase des Zögerns sich jetzt zu tiefen, schmerzhaften Einschnitten durchringen. Bereits im Juni hatte Bankenanalyst Dirk Hoffman Becking vorhergesagt, dass einige Banken zu einem sukzessiven Rückzug aus dem Geschäft mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen (FICC) gezwungen sein könnten. Dabei betonte er, dass dies ein schwierigerer Rückzug als aus dem Aktiengeschäft sei, da einige Derivate in Fixed Income eine sehr lange Laufzeit aufwiesen.

Die UBS scheint somit das erste Institut zu sein, das Beckings Rat in die Tat umsetzt. Die Schweizer Bank besinnt sich wieder auf ihre Wurzeln und „wird zu einem Equity-Haus mit einer starken Position in Equity-Capital-Markets“,  sagt Bankenanalyst Kian Abbouhossein von JP Morgan.  Die UBS erweist sich so weniger als ein „Flow Monster“ als ein strategischer Tourist im Anleihengeschäft, das vom Investmentbanking-Chef Carsten Kengeter nach 2008 wiederaufgebaut worden ist und laut JP Morgan lediglich einen Marktanteil von 3,9 Prozent im ersten Halbjahr erzielte. Wie die FT ausführt, stellt sich damit die Frage, wie nachhaltig die jüngsten Ausflüge ins Anleihegeschäft waren. So beläuft sich der Marktanteil von Morgan Stanley lediglich auf 4,4 Prozent und  derjenige der Credit Suisse auf 5,1 Prozent. Und bei den beiden französischen Großbanken BNP Paribas und Société Générale dürfte es kaum besser aussehen.

Dennoch bleiben viele Fragen bei der UBS unbeantwortet. Wie will die UBS ihr Fixed Income-Personal an sich binden, während  die Positionen abgebaut werden? Vielleicht stellt dies jedoch kein Problem dar, da kaum jemand derzeit in Fixed Income einstellt. Und welche Auswirkungen haben die Einschnitte auf die Bonuszahlungen für 2012? Wird die UBS versuchen, ihre Mitarbeiter im Aktiengeschäft an sich zu binden?

Die UBS sollte versuchen, Teile des Führungspersonals beizubehalten.  Auch wenn der Prozess gegen Kweku Adoboli von den Nachrichten über die UBS-Restrukturierung überschattet wird,  sollte doch Folgendes beachtet werden: So  warf Adoboli der UBS vor, zu viel Verantwortung auf die Juniorbanker zu übertragen. „John und ich hatten zusammen 30 Monate Berufserfahrung und wir waren für Bücher über 50 Mrd. US-Dollar verantwortlich“, sagte Adoboli. „Unser Buch ist riesig. Und ein kleiner Fehler führt zu einem Riesenverlust und wir waren die beiden Kids, die dies zu managen versuchten“, ergänzte Adoboli.

Falls es wieder zu einem substanziellen Aufschwung kommen sollte, dann muss die UBS über genügend Senior-Personal verfügen. Auch dürfte sich die Bank nicht auf Juniorbanker verlassen, die das Anleihegeschäft abwickeln. Mithin könnte der Ausstieg aus dem Anleihegeschäft der Bank noch teuer zu stehen kommen.

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