Der INSIDER: Warum Fondsmanager underperformen (II) - "Und die Angst siegt doch"

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Ich wollte zuerst noch kurz auf die Kommentare eingehen, die mein erster Beitrag ausgelöst hat: Natürlich ist es kein neues Phänomen, dass Fondsmanager underperformen, aber nichtsdestotrotz ist es eigentlich ein Armutszeugnis. Denn wenn dies für einen Fondsmanager "normal" ist, dann sollte er sich fragen, ob er den richtigen Job hat. Womit rechtfertigt er denn dem Kunden gegenüber, dass dieser eine Verwaltungsgebühr und einen fetten Ausgabeaufschlag bezahlen muss, wenn er dann weniger als die Marktperformance erhält?

Sicherlich spielen Kosten eine gewisse Rolle, aber diese werden mit der Verwaltungsgebühr pauschal abgegolten, und diese beträgt in der Regel ca. 1-1,5 Prozent. Bei den meisten Fonds liegen die Gesamtkosten, also die Total-Expense-Ratio (TER), in dieser Größenordnung. Im übrigen besteht der Gesamtmarkt natürlich nicht nur aus Publikums-Fondsmanagern, sondern auch aus Privatinvestoren und anderen Marktteilnehmern, nicht zu vergessen den Milchmädchen der Investmentbranche, den Versicherungen, die sicherlich zu den schlechtesten Anlegern gehören. Ich werde in einem späteren Artikel noch auf die Versicherungen und deren phänomenale Anlagepolitik eingehen.

Somit gibt es genügend Akteure, zu deren Lasten ein guter Fondsmanager Performance erzielen kann. Deshalb ist das Kostenargument nicht wirklich überzeugend, zumal es nicht erklärt, warum jemand bei Kosten von 1,5 Prozent dann 5 Prozent-Punkte oder mehr hinter der Benchmark liegt. Abschließend noch das Rebalancing-Problem: Dieses tritt bei aktiv gemanagten Fonds nicht auf, sondern nur bei Benchmarkfonds, und dieses Konzept ist ja an sich schon ein Armutszeugnis, denn es attestiert, keine Chancen für eine Outperformance zu sehen. Das einzige ernst zu nehmende Argument betrifft die Restriktionen bei der Anlage, die von vielen Häusern auferlegt werden. Leider ist es oft so, dass nur Aktien aus vorselektierten Listen gekauft werden dürfen, und dies nimmt einem guten Fondsmanager häufig vielversprechende Chancen.

Aber der Hauptgrund, weshalb die meisten underperformen, dürfte darin liegen, dass sie nicht in der Lage sind, antizyklisch zu handeln. Jeder kennt die berühmten Sprüche, man solle kaufen, wenn die Kanonen donnern oder wenn Blut auf der Straße fließt. In einer guten Stimmung kennen die meisten diese Grundsätze und reklamieren für sich, diese auch anzuwenden. Sobald jedoch der Aktienmarkt richtig abstürzt und man die Titel 50, 60 oder sogar 70 Prozent billiger kaufen kann, will sie plötzlich keiner mehr haben. Schnell sind all die guten Vorsätze vergessen, weil es dieses Mal bestimmt ganz anders ist und die anderen schließlich auch verkaufen, und wenn das alle tun, kann es doch nicht falsch sein, oder?

Nein, es wäre auch dieses Mal richtig gewesen zu kaufen, denn die Fakten, Bewertungen und Stimmungsindikatoren sprachen eine eindeutige Sprache. Es war also nicht eine Frage des Wissens sondern der Psyche. Die meisten Menschen (und somit auch Fondsmanager) schaffen es nicht, sich vom Herdentrieb abzukoppeln. Dafür fehlt ihnen die psychische Stärke, zumal viele wohl nicht wirklich von ihrem Ansatz überzeugt sind. Somit macht es absolut keinen Sinn, Fondsmanager danach auszusuchen, ob sie über einen CFA, CTA oder sonstige Mickey Mouse-Titel verfügen, denn im Zweifelsfalls nützt es gar nichts, wenn man dieses Wissen aus Angst nicht anwenden kann.

Fairerweise muss erwähnt werden, dass durch Eingriffe der Vorgesetzten, bzw. der Geschäftsführung, eine antizyklische Politik häufig gar nicht umgesetzt werden kann, aber dies müsste ebenfalls in einem neuen Beitrag erläutert werden.

Der Autor ist ein renommierter Fondsmanager aus Deutschland.

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