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Recruiter-Interview: Wieso eine Station in London gut für jeden Lebenslauf ist

Kürzlich wurde der Global Financial Centres-Index zu der Wettbewerbsfähigkeit der internationalen Finanzplätze veröffentlicht. Demnach teilen sich London und New York den ersten Platz, während Frankfurt nicht einmal unter den ersten zehn zu finden ist. eFinancialCareers geht in einem Interview mit Andreas Weik, Managing Partner bei der Personalberatung Heads, der Frage nach, wieso London Frankfurt aussticht.

eFC: Nach der Finanzkrise sehen wir eine erhebliche Umstrukturierung und auch einen Wettbewerb der Finanzplätze. Wer sind die Gewinner, wer die Verlierer?

Weik: Momentan sehe ich London in der Poleposition vor der Schweiz – sprich Zürich – und Frankfurt.

eFC: Wieso hat London die Nase vorn?

Weik: Schon aus arbeitsrechtlichen Gründen stellt London viel schneller Kapazitäten zur Verfügung. Wenn man ein Geschäft aufbauen möchte und wenn man es wieder schließen möchte, dann ist das dort einfacher. Die Schweizer sind da auch ein wenig flexibler, die Deutschen sind am unflexibelsten. Und viele junge Menschen, viel Intelligenz ist gerne am Finanzplatz Nummer 1 – und das ist in Europa London.

eFC: In Großbritannien gibt es eine Bonussteuer und außerdem wird der Spitzensteuersatz auf 50 Prozent erhöht. Welche Auswirkungen wird das auf die Attraktivität Londons haben?

Weik: Gegenüber Frankfurt wird die steuerliche Situation kein großer Nachteil sein, da Deutschland ein Hochsteuerland ist. Die Schweizer werden sicherlich einen kleinen Vorteil haben. London hat aber auch den Zugang nach Asien und den Mittleren Osten. Da sitzen einfach die Leute, die dorthin die Verbindungen haben. Und es gibt Bestrebungen wie bei der Deutschen Bank, einfach die Bonussteuer zu bezahlen.

eFC: In London gibt es ja eine ganze Community von deutschen Bankern. Was treibt gerade jüngere Banker in die britische Hauptstadt?

Weik: Wenn ein junger Mensch Karriere in einer Investmentbank machen möchte, dann muss er natürlich an den wichtigen Standorten arbeiten. Neben London ist das New York – das sind immer noch die beiden wichtigsten Finanzplätze der Welt. Deshalb wollen diese Personen eine vernünftige Adresse an einem der ersten Finanzplätze im CV haben. Das hilft ihnen in ihrem späteren beruflichen Werdegang auf jeden Fall. Da betet man dann von oben herunter: Goldman, Morgan Stanley etc. sind da wichtige Adressen. Dort wollen die jungen Leute zwei, drei Jahre arbeiten oder sie gehen nach Asien.

eFC: Die asiatischen Finanzplätze außerhalb Japans boomen. Gehen dort die Leute nur von London hin oder auch aus Deutschland?

Weik: Auch aus Deutschland gehen viele dorthin. Ich kenne jemand, der früher bei der Deutschen Bank in Stuttgart gearbeitet hat und jetzt Cohead China ist. Aber es handelt sich nicht um eine so große Zahl wie in London.

eFC: Ist London für junge Banker nur eine Karrierestation für zwei, drei Jahre und anschließend gehen sie nach Deutschland zurück oder bleiben die Leute da? Wie schätzen Sie das ein?

Weik: Ich würde sagen: Für 90 Prozent ist das nur eine Karrierestation und später versuchen sie dann wieder auf ihrem Heimatmarkt Fuß zu fassen – egal wo das ist, in Asien, Amerika oder Europa. Der Rest bleibt dort.

eFC: Ein weiterer Nachteil Londons: Aufgrund des schwachen Pfunds verdienen die Leute dort weniger als im Euroraum. Das Pfund ist in den letzten zwei Jahren um rund 30 Prozent abgestürzt. Damit müsste der Kampf um die besten Köpfe für London schwieriger werden?

Weik: Nein, das ist nicht der Fall. Es ist dort viel einfacher bei einer anderen Adresse anzuheuern, weil sich alles auf einem Platz bewegt und die Menschen kennen sich untereinander. So mancher glaubt vielleicht auch, dass sich die Situation dort wieder ändern wird.

eFC: Wo wird derzeit am meisten gesucht?

Weik: In denke, dass sich im Londoner Markt momentan mehr bewegt als in Frankfurt oder in Zürich. Mit der Finanzkrise wurden in London Arbeitsplätze schneller abgebaut als in Deutschland oder der Schweiz. Beim Aufbau von Geschäftsfeldern ist die schnelle Verfügbarkeit in London eher gewährleistet als im doch sehr regulierten Deutschland.

eFC: In London und der Schweiz rechnen viele damit, dass Leute aufgrund der hohen Steuern aus der City abwandern. Wie sehen Sie das?

Weik: Man darf nicht nur die monetären Aspekte sehen. Durch die wachsende Harmonisierung in der EU wird künftig der ein oder andere steuerliche Nachteil ausgeglichen werden. Die skandinavischen Länder haben auch einen sehr hohen Steuersatz, sie haben aber auch ein sehr gut funktionierendes Bankensystem.

eFC: Wir beobachten auch die umgekehrte Situation: Die Leute gehen nicht nur ins Ausland, sondern auch ausländische Adressen suchen nach Personal in Deutschland. Woran liegt das?

Weik: Das liegt einfach daran, dass Deutschland die größte Volkswirtschaft in Europa ist und man einfach da sein muss. Das heißt aber nicht, dass dort die Produktspezialisten angesiedelt sein müssen. Ich habe den Eindruck, dass viele Produktspezialisten in London bleiben und nur die Vertriebspositionen in Deutschland verstärkt werden.

eFC: Welche ausländischen Adressen sind gegenwärtig in Deutschland auf der Suche?

Weik: Barclays, Société Générale, BNP Paribas und Jefferies. Dann kommen die Spanier dazu: die BBVA und Banco de Santander.

Kommentare (1)

Comments
  1. Tja, dann wollen wir mal sehen, ob die City auch nach der aktuellen Demontage durch die Politik noch der Finanzplatz Nr. 1 in Europa bleibt. Damit würde Großbritannien einen seiner letzten florierenden Wirtschaftszweige einbüßen.

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