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Wie Recruiter zögerlichen Kandidaten einen Jobwechsel schmackhaft machen

Mit der Staatsschuldenkrise sinkt nicht nur das Stellenangebot, sondern auch die Bereitschaft der Kandidaten zu einem Jobwechsel. Sofern sie nicht vollkommen vom neuen Job überzeugt sind, bleiben sie lieber im sicheren Fahrwasser des alten. Unter solchen Umständen stellt es für Headhunter und Hiring Manager eine Herausforderung dar, die nötige zusätzliche Überzeugungsarbeit zu leisten. Wir haben mit Wirtschaftspsychologen und Personalberatern gesprochen und Tipps zusammengestellt, wie Sie einem Kandidaten vermitteln können, dass sich das Risiko lohnt, eine neue Stellung anzutreten.

1. Ängste an der Wurzel packen

Auch wenn schon alle Register gezogen wurden, um den Kandidaten von der neuen Stelle zu überzeugen – etwa Karrierechancen und Gehaltssteigerungen – bleiben oft ganz anders gelagerte, schwer zu erratende Ängste bestehen. Der Psychologe Andreas Klug von Klug Paul und Partner empfiehlt daher, offen nach Hemmnissen zu fragen, die Kandidaten von einem Wechsel abhalten. Gelingt es, eine persönliche und offene Atmosphäre im Gespräch herzustellen, lassen sich die Wurzeln solcher Hemmnisse aufspüren und mit guten Argumenten ausräumen.

 2. Versteckte Motivationen wecken

Grundsätzlich ist es gerade bei zögerlichen Kandidaten wichtig, sie individuell anzusprechen. Denn je persönlicher man mit dem Kandidaten kommuniziert, desto leichter fällt es, Motivationen herauszuarbeiten und freizulegen, die diesem selbst unter Umständen gar nicht bewusst waren oder im Bewerbungsprozess verschüttet wurden. „Wenn man den Kandidaten persönlich kennt und versteht, welche Motivation hinter dem Wechsel steht, kann man sie aufgreifen und als Argumente für das neue Unternehmen verwenden“, erklärt Axel Weber, Director bei Michael Page International in Hamburg. „Neben beruflichen Dingen, wie der Wunsch nach einer anderen Aufgabe, spielen oft auch persönliche Gründe, wie die Familienzusammenführung eine Rolle für den Wunsch nach Veränderung.“

3. Vermeintliche Sicherheiten entzaubern

Nur weil ein Arbeitnehmer schon lange in einem Unternehmen arbeitet, ist er noch lange nicht unkündbar. Restrukturierungsmaßnahmen können schließlich jeden treffen und nicht nur die Mitarbeiter, die nicht so lange dabei sind. Daher rät Weber, die Pros und Cons des alten und neuen Unternehmens zu vergleichen und herauszustellen, warum es lohnenswerter ist, beim neuen Unternehmen zu arbeiten. Doch auch die positive Arbeitsmarktlage in einer Region kann ein Wechselgrund sein. Im Zweifel regt der Frankfurter Wirtschafts-Psychologe Christian Remus an, auch ein „Worst-Case-Modell“ einzubauen: „Falls – wider Erwarten – die Zusammenarbeit doch nicht so gut verlaufen sollte, was wäre innerhalb der ersten sechs Monate alternativ möglich?“

4. Mehr Geld und mehr Verantwortung wirken überzeugend

Nach wie vor ist einer der Hauptanreize für den Jobwechsel der Wunsch nach mehr Gehalt. Denn durch einen Jobwechsel ist ein deutlicher Gehaltssprung eher erzielbar. Jedoch ist der Wunsch nach mehr Verantwortung im Beruf ein weiterer wichtiger Anreiz für eine neue Stelle. Daher rät Carmen Kraushaar, Partnerin der QRC-Group, einen Korb an quantitativen Anreizen, wie eine bessere Bezahlung oder eine Umzugspauschale, sowie qualitative Anreize, also eine verantwortungsvollere Position sowie Weiterentwicklungsmöglichkeiten, in die Waagschale zu geben.

5. Transparenz begeistert den Kandidaten

Wer über das Risiko eines Jobwechsels grübelt, ist froh, wenn möglichst offen mit ihm umgegangen wird. Hier sollte sich der Personaler nicht scheuen, das von ihm vertretene Unternehmen so transparent wie möglich darzustellen. Es erweckt Vertrauen, wenn nicht nur die positiven Aspekte des neuen Unternehmens zur Sprache kommen, sondern auch auf mögliche Problemfelder hingewiesen wird.

„Hat ein Unternehmen im letzten Jahr finanzielle Verluste eingefahren, sollten die Gründe hierfür – und wie diesen aktuell begegnet wird – vom Personalentscheider erläutert werden“, rät Holger Becker, Associate Director bei Robert Half Financial Services.

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