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EXPERTENINTERVIEW zum CFA: Wie können Kandidaten ihre Erfolgschancen erhöhen?

Harald Bareit arbeitet als Asset Manager und hat selbst den Chartered Financial Analyst (CFA) absolviert. Im Vorstand der German CFA Society ist Bareit für Ausbildungsfragen verantwortlich. In einem Interview mit eFinancialCareers.de erläutert der Experte, wie sich die Erfolgschancen auf dem Weg zum CFA deutlich verbessern lassen.

Harald Bareit, CFA

eFC.de: Nach langjährigen internationalen Erfahrungen fallen bei den drei Prüfungen zum CFA durchschnittlich 42 Prozent der Kandidaten durch, womit am Ende nur 20 Prozent der anfänglichen Teilnehmer das gesamte Programm bestehen. Woran liegt das?

Bareit: Die Zahl der Kandidaten, die letztlich ihren Charter erhalten, ist höher als die rechnerische Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent, weil Sie die Prüfungen wiederholen können. Insofern möchte ich diese Zahl relativieren.

Falls Sie einen Level nicht schaffen, können Sie dennoch das ganze Programm absolvieren. Vor einigen Jahren war es noch so, dass das Programm innerhalb eines begrenzten Zeitraums abgeschlossen werden musste. Das ist heute anders. Damit wurde für die Kandidaten eine Erleichterung geschaffen, die doch vielfach im Berufsleben eingespannt sind und es gibt ja auch familiäre Situationen, die das Studieren zeitweise nicht zulassen.

Richtig ist jedoch, dass die CFA-Ausbildung einen hohen Qualitätsanspruch hat. Denn man muss nachweisen, dass man sich auf diese Prüfung vorbereitet hat, dass man die Lerninhalte auch wirklich verstanden hat und diese vor allem auch anwenden kann. Es handelt sich um ein Prüfungsformat, wo das reine Herunterbeten von auswendig Gelerntem nicht wirklich weiterhilft.

eFC.de: Ich habe persönlich nicht nachgerechnet, aber die Zahl von 20 Prozent wurde mir von der German CFA Society genannt.

Bareit: Dies ist eine Näherungsgröße, die sich auf die weltweiten Quoten bezieht und vom CFA Institute regelmäßig und transparent kommuniziert wird.

Zu den Quoten: Ich kann Ihnen leider keine exakten Zahlen geben. Was ich Ihnen aber sagen kann, ist, dass es Unterschiede gibt und wir hier im deutschsprachigen Raum – speziell in Deutschland – ein sehr gutes Stück über dem internationalen Durchschnitt liegen.

eFC.de: Können Sie das beziffern?

Bareit: Ich kenne auch nur eine Range. Doch nach dieser Range ist es so, dass die Erfolgsquote hierzulande deutlich über dem Schnitt liegt. Das gilt generell für den deutschsprachigen Raum – auch für die Schweiz und für Österreich.

eFC.de: Welchen Vorteil bringt es mit sich, dass die Prüfungen unbegrenzt wiederholt werden dürfen?

Bareit: Auch wenn jemand sich vielleicht nicht optimal vorbereitet hat oder sich nicht optimal vorbereitet fühlt, würde ich ihm raten, an den Prüfungen teilzunehmen. Die subjektive Einschätzung des eigenen Lernerfolgs und die tatsächlichen Prüfungsleistungen klaffen manchmal auseinander – zugunsten des Kandidaten.

eFC.de: Was müssen die Kandidaten für das CFA-Programm mitbringen? Wenn Sie keinen wirtschaftswissenschaftlichen oder naturwissenschaftlich-technischen Studienabschluss haben und z.B. Jurist sind, brauchen Sie dann gar nicht erst anzutreten?

Bareit: Es geht einerseits darum, was man mitbringen sollte und andererseits darum, was am Ende dabei herauskommen soll. Es macht wenig Sinn, in ein berufsqualifizierendes Programm zu gehen, bei dem Sie im Voraus schon alles wissen. Dann brauchen Sie da gar nicht hingehen. Ergo sollte es schon so sein, dass Sie noch ein bisschen hinzulernen können. Das ist sicherlich auch für Kandidaten der Fall, die aus einen berufsnahen Umfeld kommen. Dennoch sollte zumindest ein Bachelor mitgebracht werden.

eFC.de: Nach ihren Ausführungen richtet sich der CFA an eine recht breite Zielgruppe. Doch beispielsweise Private Banker sind eigentlich in ihrem Programm fehl am Platze, da dieser Personenkreis sich nicht nur in Finanzmärkten, Produkten und Portfoliotheorie, sondern auch in Steuerrecht und regulatorischen Fragen auskennen muss. Diese unterscheiden sich von Land zu Land und werden von ihrem Programm nicht vermittelt.

Bareit: Ja natürlich. Ich habe nicht behauptet, dass der CFA alles an Wissen abdeckt Beim Private Banking kommt es sehr auf die jeweilige Ausrichtung an. Das Programm umfasst schon buchhalterische und steuerliche Themen, welche auch internationalen Standards genügen. Aber tiefes Fachwissen auf der Steuerseite, das beinhaltet das Programm nicht, aber das ist auch nicht das Ziel des Programmes. Hierfür gibt es andere Zusatzqualifikationen.

Vielmehr geht es darum, einen weltweiten Standard in der Finanzindustrie zu schaffen, bei dem die Weiterbildung auf hohem Niveau und breitem Niveau stattfindet. Wir wollen eine relativ breite Grundlage schaffen – besonders bei ethischen und professionellen Standards, die einen sehr hohen Stellenwert im Programm haben und auch ein wichtiges Aushängeschild sind.

eFC.de: Wenn sich jemand dazu durchgerungen hat, an dem CFA-Programm teilzunehmen. Wie kann dieser Kandidat seine Chancen auf einen erfolgreichen Abschluss erhöhen?

Bareit: Es gibt zwei, drei wichtige Punkte, die hier eine Rolle spielen. Aus meiner persönlichen Sicht ist der Punkt Nummer 1: Disziplin. Auch wenn sich das jetzt sehr deutsch anhört, ist in der Tat eine gewisse Lerndisziplin an den Tag zu legen. Es hilft, sich einen Plan zu machen – wann lerne ich, wie viel – und den auch einzuhalten. Das ist schon einmal eine sehr gute Grundlage.

Aus deutscher Sicht handelt es sich beim CFA um ein Fernstudium. In Deutschland oder generell im deutschen Sprachraum ist man vielleicht ein eher schulisches System gewohnt, wo man an die Hand genommen wird. Insofern ist Disziplin auch ein Knackpunkt. Ich mache das an meinem eigenen Beispiel fest. Ich habe mich noch vor der Arbeit vorbereitet und auch am Wochenende blockweise mehrere Stunden gelernt. Damit kommt man hin, wenn man das über ein halbes Jahr durchhält. Im Regelfall nehmen sich viele Kandidaten auch ein oder zwei Wochen unmittelbar vor den Prüfungen frei. Viele Arbeitgeber fördern das mit freien Zeiten und Sonderurlauben.

Wem das nicht reicht und wer vielleicht ein bisschen mehr an die Hand genommen werden will, für den gibt es diverse Möglichkeiten: Wir kooperieren hier vor Ort beispielsweise mit dem Vorbereitungskursanbieter Stalla. Diese Kurse gibt es in einem wöchentlichen Format, die abends und Samstags stattfinden sowie in einem Kompaktformat, wo innerhalb einer Woche alle Themen abgearbeitet werden und wo herausgearbeitet wird, wo vielleicht Schwerpunkte liegen könnten, worauf man achten muss, etc.

In früheren Fällen haben wir auch klassische Lerngruppen zusammengebracht, wie wir es von der Universität her kennen, wo sich mehrere Studenten kurzschließen, um gemeinsam zu lernen. Damit wird auch eine gewisse Regelmäßigkeit gewährleistet.

eFC.de: Zwar gibt es diese Vorbereitungskurse, doch ich habe gehört, dass lediglich 5 bis 10 Prozent der Kandidaten in Deutschland davon Gebrauch machen. Wie erklären Sie sich das und ist eine Teilnahme ratsam oder nicht?

Bareit: Dazu eine generelle Aussage zu machen, ist schwierig. Ich denke, es hängt schon von jedem persönlich ab. Ich kann da nur aus meiner Erfahrung sprechen. Ich persönlich bin der Meinung, dass es auch ohne Kurse gehen kann – wenn man sich gezielt anhand der vorgegebenen Themen und Materialien vorbereitet. Doch das ist bei jedem verschieden, vielleicht lernt jemand besser, wenn er wöchentlich an die Hand genommen wird, in der Gruppe zusammen Themen erarbeitet, etc. Das ist wirklich von der persönlichen Lernerfahrung abhängig. Ich glaube nicht, dass man da eine klare Aussage machen kann. Deswegen versuchen wir auch als German CFA Society, dass die Kandidaten die Vorbereitungen so weit wie möglich selbst gestalten zu können.

eFC.de: Gibt es die Möglichkeit im Vorfeld, einige Probeklausuren zu schreiben?

Bareit: Ja, das gibt es. Es gibt die Möglichkeit, das in Kooperation mit uns zu machen. Das CFA Institute stellt auf seiner Website mehrere Prüfungen aus den Vorjahren samt Lösungen zur Verfügung, womit man sich auch wunderbar zuhause hinsetzen kann und das durchtesten kann und schaut, wie man damit zurechtkommt.

Gerade für den ersten Level der Prüfung würde ich das empfehlen. Dort mag sich vielleicht der ein oder andere der Illusion hingeben, dass der Multiple Choice-Test auf Level I relativ leicht zu bestehen sei. Das ist eine Täuschung, der so mancher Kandidat erliegt, denn die Fragen sind sehr anspruchsvoll und sie werden in der Regel auch verwinkelt gestellt. Es ist also recht unwahrscheinlich, einen reinen Zufallstreffer zu landen.

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