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„Hungernde Kamele sind größer als Pferde“: Greifen die Chinesen nach der Commerzbank?

Das Hauptquartier der China Construction Bank in Peking (Foto: Wikipedia)

Das Hauptquartier der China Construction Bank in Peking (Foto: Wikipedia)

Europäische Banken sind derzeit so verkäuflich wie Wintermäntel im Hochsommer. Umso erstaunlicher fällt die Ankündigung  der China Construction Bank (CCB) auf, eine europäische Bank ganz oder teilweise übernehmen zu wollen. CCB-Chef Wang Hongzhang sagte der englischen Financial Times, dass dem Institut hierfür 100.000 Mrd. Renminbi (12 Mrd. Euro) zur Verfügung stehen würden.

Attraktiv sind für die Chinesen zum einen die sehr günstigen Preise von Banken in Europa und außerdem die wirtschaftlichen Aussichten einiger Länder. „Die Chancen in Europa sind entscheidend für die Entwicklung der Bank… Wir denken, dass die europäische Wirtschaft immer noch sehr stark ist. Denn ein chinesisches Sprichwort lautet: ‚Ein hungerndes Kamel ist immer noch größer als ein Pferd“, sagte Hongzhang.

Besonders interessant seien Investitionen in Deutschland, Großbritannien und Frankreich. „Sie wurden von der Krise schwächer betroffen. Diese Wirtschaften werden die ganze Region nach vorne ziehen“, ergänzte Hongzhang.

Als interessante Übernahmekandidaten wurden Banken mit Staatsbeteiligung und internationaler Ausrichtung genannt, die die CCB entweder ganz übernehmen oder an der sie sich mit 30 bis 50 Prozent beteiligen könne.

Laut Branchenbeobachtern würde dies namentlich auf die Royal Bank of Scotland (RBS) sowie auf die Commerzbank zutreffen. Die RBS gehört zu 82 Prozent der britischen Regierung und ist an der Börse umgerechnet etwa 21 Mrd. Euro wert. An der Commerzbank ist der Bund mit 25 Prozent beteiligt, während sich die Marktkapitalisierung auf keine 9 Mrd. Euro beläuft.

Da die Chinesen mit der Übernahme vor allem ihre internationale Aufstellung verbessern wollen, ist die internationale Ausrichtung der betreffenden Bank von großer Bedeutung. In diesem Punkt dürfte die RBS deutlich die Nase vor der eher auf Deutschland fokussierten Commerzbank haben.

Andernfalls könnte genau dies der Vorteil des Instituts sein. Denn Deutschland verfügt über die größte Volkswirtschaft Europas und dürfte sich auch in den kommenden Jahren dynamischer als die britische und französische Wirtschaft entwickeln. Obendrein stellt Deutschland den größten Handelspartner Chinas innerhalb der EU dar.

Bislang sind die chinesischen Banken international eher schwach aufgestellt, womit chinesische Unternehmen bislang auf die Dienstleistungen internationaler Banken angewiesen sind. „Unter den chinesischen Unternehmen herrscht Frustration, dass sie sich bei ihrer internationalen Expansion sich nicht auf chinesische Banken verlassen können“, zitiert die FT einen Investmentbanker.

Zweifelhaft dürfte indes sein, ob die Unternehmenskultur der Commerzbank tatsächlich zu dem chinesischen Bankengiganten passt. Bislang hatten die chinesischen Banken mit ihren Beteiligungen im Ausland eher ein unglückliches Händchen.

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