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GASTKOMMENTAR: Wieso Banken von außeruniversitären Aktivitäten besessen sind

Spannende Hobbies können entscheiden, ob Sie den Job bekommen.

Spannende Hobbies können entscheiden, ob Sie den Job bekommen.

Mal ganz ehrlich: Was haben die Tatsachen, dass ich ein universitäres Bootsrennen gewonnen, Bill Clintons Fehlverhalten diskutiert und für die Unizeitung geschrieben habe, mit meiner Eignung zum Trader oder Corporate Banker zu tun?

Als ich mich für eine Absolventenstelle beworben habe, war ich frustriert und verärgert, dass ich alle möglichen außeruniversitären Aktivitäten bei meiner Bewerbung auflisten musste. Denn ich selbst teile die Meinung nicht, dass außeruniversitäre Aktivitäten einen nennenswerten Beitrag zu der Entscheidung liefern, ob ein Bewerber für einen Job im Banking geeignet ist oder nicht. Doch wie alle anderen auch spielte ich mit.

Dagegen befinde ich mich heute auf der anderen Seite des Tisches wieder. Einen Teil meiner Arbeitszeit verbringe ich damit, Bewerbungen danach durchzuforsten, was eine Person von hunderten anderer unterscheidet. Was jemand außerhalb seines Studiums unternimmt, zeugt von zusätzlichen Kompetenzen, Initiative und Geschäftssinn. Eine Wohltätigkeitsorganisation aufzubauen, erfordert den Umgang mit Geld und Grundkenntnisse in Finance.

Allerdings gibt es noch mehr. Ein weiterer Grund, wieso Banker gerne Leute einstellen, die Interessantes neben dem Studium gemacht haben, ist ganz einfach: Banking ist langweilig und Nachwuchsbanker mit sonderbaren Hobbies machen das Leben erträglicher, denn sie können die alltägliche Langweile des Investmentbankings abmildern. Wenn es in einem Handelssaal ruhig zugeht oder im M&A-Geschäft eine Flaute herrscht, dann werden Sie froh darüber sein, dass Sie sich ungewöhnliche Kollegen ausgesucht haben und keine Roboter.

Doch wie holen Sie das Meiste aus Ihren außeruniversitären Interessen heraus? Ich persönlich besitze ein Worddokument, in dem ich auch meine kleinsten Leistungen außerhalb meines Studiums  detailliert in leidenschaftlichen Worten aufgelistet habe. Um die Glaubwürdigkeit zu erhöhen, fügte ich Statistiken hinzu.  Dabei führte ich keine glatten Zahlen, sondern Dezimalzahlen mit mindestens einer Nachkommastelle an. Denn ein „Wachstum der Leserzahl um 51,7 Prozent“ hört sich wirklichkeitsgetreuer an als ein „Wachstum der Leserzahl um 50 Prozent“.

Dieses kleine Konvolut hängte ich an jede einzelne Bewerbung an und ich bin mir ziemlich sicher, dass die meisten meiner Freunde, die ebenfalls einen Job im Banking erhalten haben, es ganz ähnlich gemacht haben.

Der Autor hat in verschiedenen Positionen im Investmentbanking gearbeitet.

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