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Liaison zwischen Katar und Luxemburg: Wie Scheichs europäische Banken zum Vorzugspreis erwerben

Werden die Geschicke des Finanzplatzes Luxemburg künftig von Katar aus mit-gesteuert?

Werden die Geschicke des Finanzplatzes Luxemburg künftig von Katar aus mit-gesteuert?

Seit der Finanzkrise stellt der Verkauf von Banken ein großes Politikum dar. So verstört derzeit eine Meldung der belgischen Wirtschaftszeitung  L’Echo die Finanzcommunity in Luxemburg. Laut der Zeitung soll eine ehemalige Luxemburger Tochter der französisch-belgischen Großbank Dexia zu einem Vorzugspreis an Katar gegangen sein.

So musste Precision Capital, ein Staatsfonds des reichen Scheichtums Katar im Persischen Golf, für die Banque internationale à Luxembourg (BIL) lediglich 657 Mio. Euro für 90 Prozent der Unternehmensanteile auf den Tisch blättern. Die übrigen 10 Prozent gingen an das Großherzogtum selbst.

„Ein Schleuderpreis“, zitiert die belgische Wirtschaftszeitung einen Luxemburger Branchenexperten. Zuvor war von einem Kaufpreis von 1,5 Mio. und später von 900 Mio. Euro die Rede gewesen.

Dabei hätten durchaus mindestens zwei weitere Angebote auf dem Tisch gelegen. Dafür zitiert L’Écho David Rowland von Blackfish Capital. Der Investmentfonds habe ebenfalls erfolglos für BIL geboten. Blackfish Capital hatte bereits in 2009 die Luxemburger Tochter der isländischen Pleitebank Kaupthing übernommen, die heute unter Banque Havilland firmiert.

Darüber hinaus stellt BIL nicht die einzige Luxemburger Bank dar, die kürzlich an Precision Capital veräußert wurde. So ging die KBC European Private Bankers mit immerhin rund  2340 Mitarbeitern ebenfalls an Precision Capital.  Laut L’Echo spielen die Scheichs mit dem Gedanken, beide Banken zusammenzulegen, womit  eine – gemessen am kleinen Großherzogtum – große Bank entstehen würde, zu der u.a. auch die Privatbank Merck Finck & Co. in München gehört.

Precision Capital stellt zwar rechtlich ein Luxemburger Investmentvehikel dar, repräsentiert aber einen großen Investor aus Katar, wobei es sich um niemand geringeren als die dortige Herrscherfamilie handeln dürfte.

Die Geschichte birgt nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische Brisanz. Denn der geplante Verkauf der KBC an die indische Hinduja-Gruppe wurde im letzten Moment von der Luxemburger Finanzaufsicht CSSF blockiert und damit der Weg für Katar freigemacht.

Entsprechend weist L’Écho auf die engen politischen Beziehungen des Großherzogtums zum Scheichtum hin. Angeblich habe der Luxemburger Finanzminister Luc Frieden bei einem Besuch in Dohar, der Hauptstadt Katars, im Februar 2011 den Deal eingefädelt. Dabei hatte sich Frieden reichlich Schützenhilfe mitgebracht, wozu der Luxemburger Großherzog Guillaume höchstpersönlich zählte, ebenso wie der Rechtsanwalt Albert Wildgen, der angeblich über ausgezeichnete Kontakte in den arabischen Kleinstaat verfügt. Unterdessen hat Frieden gegenüber Medien betont, es habe keine andere Lösung und auch keine Regelverstöße gegeben.

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