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GASTKOMMENTAR: Ein Abgesang auf Headhunter

Der Headhunter ist immer und überall – kennt ALLE und JEDEN. Er weiß, wo Personalbewegung herrscht – ist immer informiert über die neuesten personellen Veränderungen – zum Teil schon, bevor der Angestellte es erfährt. Der Headhunter hat gerade wieder einige Leute platziert – rattert sein Filofax an Kontakten im Markt herunter und will sein Gegenüber damit imponieren. Wie arm diese Person tatsächlich dran ist, zeigt sich, wenn man sich das laufende und teilweise auch das vergangene Jahr Revue passieren lässt:

Während im Jahr 2010 noch reichlich Stühle verrückt wurden, sind die Neu- oder Umbesetzungen im laufenden Jahr deutlich zurückgegangen. Dies lässt sich schlicht an der Zahl der verkündeten Entlassungen ablesen.

Damit ist es auch für die Arbeissuchenden nicht einfacher geworden. Erstaunlich ist dabei, dass Personalvermittler immer alle Hände voll zu tun haben. Wenn nicht im Equity Sales, dann halt im ECM oder M&A – oder bei was auch immer…

In meinem Bereich waren durchaus interessante Adressen dabei, die einschlägige Recruiter immer gern als Referenzen anführten – seltsamerweise erhielt ich von den Jägern nur keine Hinweise auf offene Mandate bei diesen Adressen.

Selbst die Arbeitsagentur ist besser als Headhunter

Verlassen Sie sich nicht auf andere. Seien es die im Markt tätigen Headhunter oder die Defacto-Beamten der Arbeitsagentur. Überraschenderweise konnte mir die Arbeitsagentur durchaus interessante Angebote zukommen lassen, wo es tatsächlich zu Vorstellungsgesprächen kam.

Doch bei den von mir selbst versandten Bewerbungen wurde ich immerhin bei 30 Prozent zu ersten Vorstellungsgesprächen und davon nochmals bei 30 Prozent zu Folgegesprächen eingeladen. Dabei musste ich feststellen, dass es einige “Alibi-Interviews” gab, wo der ausgewählte Kandidat bereits im Vorfeld feststand. Diese kann man zumindest als Übung für richtige Vorstellungsgespräche nutzen.

Dagegen haben Headhunter es lediglich zuwege gebracht, dass ich zu einem einzigen (!) Vorstellungsgespräch eingeladen worden bin. Die schlechte Performance trifft auf Headhunter aller Couleur zu: die kleinen Buden, die Deinen CV ohne Mandat herumschicken, kleine Buden zweiter Wahl mit Mandat, die allerdings nur berücksichtigt werden, wenn ein Kandidat wirklich heraussticht, Boutiquen und große Adressen. Bei der einzigen Ausnahme handelte es sich auch noch um eine Zeitarbeitsfirma, die darüber hinaus teilweise Festanstellungen vermittelt.

Verlass Dich auf andere und Du bist verlassen!

Aber auch hier war mir eigentlich schon im Vorgespräch klar, dass ich nicht der geeignete Kandidat bin. In den Gesprächen habe ich indes deutlich herausgestellt, dass ich bereit bin, die Extrameile zu gehen und die Position anzutreten. Dafür sprachen übrigens auch meine Vorkenntnisse. Im Gespräch mit den Verantwortlichen des Zielunternehmens haben wir dies auch offen und ausführlich besprochen. Dies wurde von dem Unternehmen anerkannt: “Weil Ihre Kenntnisse, Flexibilität und schnelle Anpassung an neue Aufgaben unser Interesse an Sie geweckt haben, war es uns sehr wichtig, Sie persönlich kennenzulernen.” Dennoch fiel die Entscheidung zugunsten eines “fertigen” Kandidaten, der aus einem bestehenden Arbeitsverhältnis für teures Geld herausgekauft werden musste.

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist sehr bescheiden und dürfte in absehbarer Zeit nicht besser werden. Daher verlasse Dich auf andere und Du bist verlassen! Jeder ist seines eigenes Glückes Schmied! Das gebe ich allen hier noch einmal mit auf den Weg. Seien Sie kreativ und nutzen Sie die freie Zeit für Ihre Persönlichkeitsentwicklung. Sitzen Sie nicht zu Hause herum und bemitleiden Sie sich nicht selbst. Unternehmen Sie etwas, kommen Sie zur Not auf andere Gedanken, aber bleiben Sie immer am Ball, wenn Sie weiterhin in dieser Branche fortleben wollen. Anderenfalls hätten Sie schon umgeschult – so intelligent sind Sie – schließlich waren Sie in dieser Branche tätig.

Unser Gastkolumnist hat bei verschiedenen Adressen gearbeitet und die “Konsolidierung” des deutschen Bankensektors am eigenen Leib erfahren.

Kommentare (3)

Comments
  1. Sehr geehrter Gastkommentator,

    anhand Ihrer Schilderungen kann ich nachvollziehen, dass Sie von der Zunft der Personalberater und Headhunter enttäuscht sind. Sie lassen meiner Meinung nach jedoch einen wichtigen Punkt außer Acht und stellen sich nicht die Frage “Wer bezahlt eigentlich eine erfolgreiche Vermittlung?”.

    Um Sie zu zitieren: Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist sehr bescheiden und dürfte in absehbarer Zeit nicht besser werden. Da stimme ich Ihnen grundsätzlich zu, obwohl es auch in schlechten Zeiten immer noch Möglichkeiten gibt. Sie sind zwar nicht so zahlreich, aber sie existieren.

    Was also tun Personalberater wenn der Arbeitsmarkt schlecht ist? Sie nutzen die wenigen Möglichkeiten, die sich bieten, versuchen sie erfolgreich zu besetzen und sich damit einen Teil des kleiner gewordenen Kuchens zu sichern. Oder anders formuliert: sie fokussieren sich auf die real existierenden Möglichkeiten, mit denen sich noch Geld verdienen lässt und tun alles dafür, dass sie es sind, die die passende Person finden. Was ist daran falsch?

    Ende Teil 1

  2. Teil 2

    Ich bin überzeugt, dass Sie mit Personalberatern andere Erfahrungen machen würden, wenn Sie diese dafür bezahlen, für Sie eine passende Stelle zu finden. Sie würden bestimmt zig Jobangebote bekomme – mehr oder weniger passende… Aber das tun Kandidaten in der Regel nicht.

    Warum soll ich als Recruiter für einen Kandidat (der vielleicht ein gutes, aber im Augenblick nicht nachgefragtes Profil mitbringt) hundert Unternehmen anrufen, um vielleicht DIE EINE STELLE zu finden, ohne dass ich die Gewissheit habe, dass ich damit erfolgreich sein und dafür bezahlt werde? Dann versuche ich doch eher 4 real existierende Vakanzen zu bearbeiten, für deren erfolgreiche Besetzung ich pro Stelle vielleicht nur 25 verschiedene Kandidaten anrufen muss.

    In beiden Fällen muss ich einhundert Gespräche führen – der Unterschied ist nur, dass ich bei den 4 Vakanzen im Erfolgsfall viermal bezahlt werde.

    Vielleicht würde ich durch meine Aktivität für Sie mit Ihnen einen Freund für’s Leben gewinnen?! Aber im schlimmsten Fall wäre ich aufgrund schlechter Performance, weil auch ich einen Vorgesetzten habe, den Umsatzzahlen interessieren, meinen eigenen Job los.

  3. @BaMargera, danke für den Hinweis, eigentlich naheliegend, aber mir auch noch nicht in den Sinn gekommen.

    Zum Gastbeitrag: Anfangs hielt ich von der Idee des Huntings auch was. De facto sind aber alle bis auf ein Bewerbungsgespräche über meine eigene Suche auf Homepages und Datenbanken zustandegekommen. Dass ich dann doch bei der Stelle vom Jäger gelandet bin, hat ausschließlich mit der Kultur des Mandanten zu tun, denn ich musste selber dem Jäger hinterherrennen und nach dem Status fragen, was das mittlerweile wirklich jämmerliche Bild der Hunting-Branche zementiert.

    Früher waren das gestandene Leute mit Branchenkontakten, heute meint jeder (…), er/sie könne mit wenig Aufwand schnell ein paar Zehntausender einfahren. Mich erinnert das an den Golf-Boom. Genau so zerpflückt wie ein Billig-Golfclub sieht der Markt schon länger aus: Tausende Anfänger ohne Manieren und Können hinterlassen eine Schlaglochpiste…

    P.s. bin Consultant, kenne DUTZENDE freie Jobs mit Financial Services-Hintergrund, BPM-Kenntnissen (ARIS, Avaloq..), SAP und/oder sonstigen IT-Kenntnisse. Wer Interesse hat, soll mich über den Admin irgendwie kontaktieren oder der Admin mich zur Legitimierung oder

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