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Die zehn meistgesuchten Kompetenzen auf dem Schweizer Arbeitsmarkt

„Rien ne va plus“, heißt es beim Roulette, wenn nichts mehr geht. Ganz ähnlich sieht es seit Monaten auf dem Schweizer Arbeitsmarkt für Finanzprofis aus. Doch dies ist nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite suchen Unternehmen verzweifelt nach bestimmten Kompetenzen, heuern Headhunter an und haben dennoch Schwierigkeiten, so manche Vakanz zu besetzen.

Dies belegt auch ein kleiner Blick in die Lebenslauf-Datenbank von eFinancialCareers.ch. Dort können Recruiter gezielt nach Schlüsselwörtern in den Lebensläufen von Kandidaten suchen.  Wir haben die Suchaufträge in unserer Schweizer Datenbank aus den Monaten Juni und Juli analysiert und dabei ermittelt, welches die zehn gesuchtesten Kompetenzen und Profile sind. Dabei scheinen mittlerweile deutsche Bezeichnungen aus der Mode gekommen zu sein. Folglich sollten Sie in Ihrem Lebenslauf zumindest auch bei den Schlüsselbegriffen zu neudeutschen Bezeichnungen greifen.

Hier die zehn derzeit meist gesuchten Kompetenzen:

1. Auditing

Wer sich mit dem Thema Wirtschaftsprüfung bzw. Auditing – namentlich in den Finanzdienstleistungen beschäftigt – dürfte sich über ausbleibende Anrufe von Headhuntern kaum beklagen. Denn die Nachfrage überstieg selbst die zweitplatzierte Kompetenz um das Vielfache.

2. Accounting und Controlling

Wer sich gut mit Accounting auskennt, hat ebenfalls beste Berufsaussichten zwischen Genfer- und Bodensee. Doch schon die genaue Spezifizierung der Suchen zeigt, dass hier Arbeitgeber bzw. Headhunter ein wenig wählerischer sind. So begnügen sich die meisten Suchen nach Auditing mit einem Wort wie Auditing, Auditor oder in der Romandie Auditeur. Die Suchen im Accounting werden indes oft um einen zweiten Begriff ergänzt. Sie lauten also z.B.: „Accountant Insurance“ oder „Accountant German“.

3. Sales

Unter den Frontoffice-Jobs sind derzeit Sales-Positionen der Renner. Auch hier werden die Suchen oftmals mit ergänzenden Begriffen spezifiziert wie „Equity Derivative Sales“ oder „Bonds Sales“.  Allerdings haben sich Sales-Jobs auch in der Vergangenheit als vergleichsweise krisenresistent erwiesen.  Denn weil Sales-Mitarbeiter  bekanntlich Erträge generieren (sollten), sind die Unternehmen auch am ehesten bereit, dort Geld auszugeben.

4. Java, Swing, C# etc.

Trotz wiederholter Ankündigung zur Kostenverringerung in den IT-Abteilungen der Banken oder sogar zum Outsourcing derartiger Tätigkeiten nach Osteuropa oder  Indien sind Programmierkenntnisse in Schweizer Banktempeln immer noch höchst gefragt. Selbst Visual Basic wird regelmäßig gesucht – schließlich zählt Excel zur Bankenbranche wie Käse zum Fondue.

5. Business Analyst

Wie in den Nachrichten regelmäßig nachzulesen ist, überarbeiten die meisten Banken innerhalb (und außerhalb) der Schweiz ihre Geschäftsmodelle. Von daher sind Leute heiß begehrt, die sich hierüber Gedanken machen. Mithin zählt „Business Analyst“ zu den meistgesuchten Begriffen.

6. Sprachkenntnisse aus Schwellenländern

Einschlägige Sprachkenntnisse zählen ebenfalls zu den beliebtesten Suchbegriffen. Nur nach einer Sprache scheint niemals gefragt zu werden: Englisch. Offenbar gehen sämtliche Recruiter davon aus, dass die Sprache von Margaret Thatcher und Monty Python ohnehin beherrscht wird. Ganz anders sieht es dagegen bei in der Schweiz weniger selbstverständlichen Sprachen aus, wobei hier ganz klar die Schwellenländer im Vordergrund stehen. So werden z.B. „Relationship Manager Latin America“ gesucht, womit Spanisch- oder Portugiesisch-Kenntnisse unabdingbar sind. Häufig gefragt wurde nach Spanisch und Chinesisch sowie erstaunlicherweise nach Bulgarisch – kaum hingegen nach Arabisch oder Russisch.

7. Tax

Bei vielen Leuten mögen Steuerfragen nur Emotionen wie Langeweile oder Ärger auslösen. Doch bei den Jobchancen ist es an den Steuerexperten, sich zu freuen. Denn wie Auditing oder Accounting auch zählt Tax zu den Kompetenzen, die ständig gesucht werden. Die hohe Zahl der Suchanfragen in der Lebenslauf-Datenbank bestätigt daher nur einen längeren Trend.

8. Risk Manager, Anti Money Laundering usf.

Mit der Finanzkrise hat namentlich das Risikomanagement nachhaltig an Bedeutung gewonnen. Während es früher eher als Supportfunktion galt, avanciert es zunehmend zu einer strategischen Funktion, die die Unternehmensführung bei ihren Weichenstellungen berücksichtigt. Darüber hinaus obliegt es auch nicht allein der Entscheidung der Unternehmen, ob sie Risk Manager einstellen oder nicht. Vielmehr wird dies heute häufig durch Regulierungsbehörden geradezu erzwungen.

9. Credit

Das traditionelle Kreditgeschäft scheint immer noch zu den Cashcows vieler Schweizer Banken zu gehören. Daher zählen „Credit“ oder dazugehörige Jobbeschreibungen ebenfalls zu den gesuchtesten Begriffen in der Schweiz.

10. Trading

Trotz des aktuellen Kahlschlags im Investmentbanking und gerade auch in kapitalmarktnahen Funktionen zählt Trader immer noch zu den beliebten Suchbegriffen von Recruitern. Allerdings lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht ablesen, was dies en détail bedeutet. Denn die meisten Suchanfragen werden nicht näher erläutert. So werden Trader nicht nur von Banken, sondern auch von den Rohstoffhandelshäusern gesucht, deren Geschäft noch etwas besser zu laufen scheint. Entsprechend finden sich Suchanfragen nach „Trader Oil“, „Agriculture Assistant Trader“ oder sogar „Junior Trader Cocoa“.

Fazit:

Diese kurze Analyse der Suchbegriffe gewährt einige interessante Einblicke auf den Schweizer Arbeitsmarkt für Finanzprofis. Klassische Frontoffice-Positionen wie im Investmentbanking oder als Client Relationship Manager im Wealth-Management werden derzeit wenig gesucht, was sicher auf den pessimistischen Geschäftsausblick der Branche zurückzuführen ist.

Dagegen erstaunt es zumindest auf den ersten Blick, wieso die meisten Suchaufträge Middle- oder Backoffice-Tätigkeiten gelten, weil buchstäblich jede Bank verkündet, die Kosten in diesen Bereichen senken zu wollen. Da die Erträge zumeist im Frontoffice generiert werden, setzen die Unternehmen ihren Rotstift gerne unterhalb des Frontoffice an. Doch die Ansätze zur Krisenbewältigung scheinen sich auch hier auszuwirken: Die Banken sind schlicht gezwungen, in Bereichen wie Auditing, Accounting, Controlling und Risk Management Personal aufzubauen. Nicht zuletzt belegt die rege Nachfrage nach „Business Analysts“, dass derzeit viel über Geschäftsmodelle nachgedacht wird.

Interessant ist auch, was kaum gesucht wird. So sehen viele Finanzprofis während der Krise ihr Heil in Fortbildungen wie dem CFA. Doch nach derartigen Fortbildungen wird eher selten gefragt. CFA und dergleichen mögen dabei helfen, einen Job zu behalten, einen neuen Job verschaffen sie indes selten.

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