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GASTKOMMENTAR: Wie Nachwuchsbanker die Frontoffice-Hölle überleben

Sleep deprivation

Kürzlich habe ich einen Bekannten in einer Kneipe getroffen. Er war wild endschlossen, ins M&A zu gelangen.  Dabei absolvierte er ein Praktikum im Bereich Operations einer mittelgroßen europäischen Bank, was er – wenig überraschend – hasste. Denn die Arbeit in Operations ist eine undankbare Aufgabe. Glücklicherweise ging dies an mir vorüber. Die meisten Leute aus Operations wollen Trader werden, aber dieser Mann hatte sich in den Kopf gesetzt, in Corporate Finance zu gelangen, obgleich er offensichtlich nichts darüber wusste. Dagegen habe ich für einige Jahre nach meinem Studium in M&A gearbeitet und ich warnte ihn, wie hart dieser Job ist.

Denn dabei verhält es sich wie mit den Lebensjahren von Hunden: Jedes Kalenderjahr in M&A zählt siebenfach. „Ja, aber es wird gut bezahlt. Wie schlimm kann es schon sein?“, war seine Antwort. „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“, heißt es bekanntlich. Bei Recruitment-Events machen die Banken keinen Hehl aus den langen Arbeitszeiten. „Die sind rigoros“, sagen sie. „Höllisch“, würden es Ex-Banker eher beschreiben, die nichts mehr zu verlieren und zu verbergen haben.

Es handelt sich geradezu um einen Test in Ausdauer, Schlafentzug, die Aufgabe zwischenmenschlicher Beziehungen, sowie um die Fähigkeit gut ausgebildeter, kluger Menschen, todlangweilige Aufgaben während endloser Arbeitszeiten und von Tag zu Tag zu erledigen.

Sie werden Ihr Privatleben opfern, weil Sie jederzeit mit einem Anruf rechnen müssen, Ihre Emails auf Ihren Smartphone checken und nach kurzer Ankündigung in der Lage sein müssen, ins nächste Taxi zu springen, um an Ihren Arbeitsplatz zu gelangen. Und es wurde schon oftmals bemerkt, dass auf diese Weise die Stundenlöhne geradezu gering ausfallen.

Wie kann das der Fall sein, wenn selbst die jüngsten Frontoffice-Banker Höchstgehälter einstreichen? Ganz einfach: Wenn die Einstiegsgehälter doppelt so hoch wie die landesweiten Durchschnittsgehälter ausfallen, aber die Banker dreimal so viel arbeiten, dann ergibt sich eine ganz einfache Rechnung.  Falls Sie also immer noch entschlossen sind, in M&A zu gelangen, dann kann ich Ihnen aufgrund meiner Erfahrung nur folgende Ratschläge geben:

1. Schlaf

Sie müssen akzeptieren, dass Sie nur wenig Schlaf erhalten, weshalb Sie sich mit den Schlafzyklen beschäftigen sollten. So ist die Qualität des Schlafes weitaus wichtiger als die Länge des Schlafes. Denn die Art Ihres Schlafes bestimmt, wie erholt Sie sich fühlen. Dabei ist entscheidend wie lange Sie sich in Tiefschlaf- und in REM-Phasen (Rapid Eye Movement-Phasen) befinden. Sobald Sie aus einer Tiefschlafphase aufwachen, fühlen Sie sich schrecklich. Doch falls Sie aus einer REM-Phase aufwachen, fühlen Sie sich erholt. Wenn Sie also ein wenig lernen, wie Sie Ihre Schlafphasen kontrollieren können, wird sich dies deutlich auszahlen. Einer meiner Freunde hat sogar versucht, mit weniger Schlaf auszukommen, bevor er seine Graduiertenstelle angetreten hat. Allerdings würde ich diese Taktik nicht unbedingt weiterempfehlen.

2. Diät

Achten Sie auf Ihre Ernährung. Die endlosen Arbeitszeiten verführen zu schlechten Angewohnheiten und zum Missbrauch der Spesen. So gibt es ein bewährtes Geschäftsmodell, das darin besteht, teures Fastfood an Banker zu liefern, die bis tief in die Nacht vor ihren Computern sitzen. Vielmehr sollten Sie wissen, welche schweren Mahlzeiten Sie nicht zu sich nehmen sollten, und dass dieses Essen bei einem Schlafmangel eine Menge von Botenstoffen in Ihrem Gehirn freisetzt, die Ihnen den Mangel an Schlaf nur noch unangenehmer gestalten.

3. Freunde und Familie

Sie müssen akzeptieren, dass hierbei einige Opfer erbracht werden müssen.  Die ungesund langen Arbeitszeiten führen dazu, dass Sie auch einige enge Bekanntschaften verlieren werden. Alles, was Sie unternehmen können, ist sie vorab zu warnen, dass Sie zumindest die ersten Monate in dem „Trainingslager“ nicht verfügbar sein werden. So lange Sie sich noch nicht mit Ihrem neuen Leben zurechtgefunden haben, werden Sie kaum ein paar Stunden außerhalb Ihres Office verbringen. Einige Freunde, Partner und Familienangehörige werden das nicht mögen und einige Beziehungen werden in die Brüche gehen, womit Sie zurechtkommen müssen. Diejenigen, die Ihnen hingegen beistehen werden, können von Ihrem künftigen Erfolg profitieren, auch wenn Sie das kaum trösten dürfte.

4. Sport

Sie sollten keine Gelegenheit zu sportlichen Aktivitäten verstreichen lassen, so klein sie auch ist. Die dabei ausgestoßenen Endorphine tragen zu Ihrer Gesundheit bei. Das Gleiche gilt für die Zeit, die Sie dabei außerhalb des Offices mit normalen Leuten  verbringen. Ihre mentale Gesundheit wird durch all die eben genannten Punkte gefördert.

Der Autor hat selbst in M&A gearbeitet, bis ihm der Ausstieg in einen gesünderen Bereich der Finanzdienstleistungen gelang.

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