☰ Menu eFinancialCareers

GASTKOMMENTAR: Ich habe Sital Ruparelias Rat angenommen und acht Einladungen zu Vorstellungsgesprächen erhalten

Mehr als skeptisch habe ich die Aufgabe von Sital Ruparelia auf dieser Website betrachtet. Demnach sollten Leute, die nach einem neuen Job suchen, 21 Kontakte in 21 Tagen ansprechen.

Da ich Vollzeit arbeite, verbleibt mir nur wenig Zeit, um mein Netzwerk zu pflegen. Dennoch habe ich mein Bestes getan, um der Herausforderung gerecht zu werden. Und da ich in meiner gegenwärtigen Stelle definitiv nicht glücklich bin, habe ich mich entschieden, die Herausforderung anzunehmen.

Kurz gesagt: Dabei sind für mich acht Vorstellungsgespräche herausgesprungen. Dennoch war es keinesfalls leicht und ich bin mir nicht sicher, ob jeder, der diese Zeilen liest, über genügend Hartnäckigkeit, Hingabe und über die Sozialkompetenzen verfügt, die hierfür erforderlich sind.

Wieso diese Taktik funktioniert

Wenn Sie sich die Zeit nehmen, um nahezu täglich Leute zu treffen, und aufmerksam, freundlich und flexibel sind, dann werden Sie unausgeschriebene (oder nur teilweise publike) Chancen ausfindig machen, die zu Vorstellungsgesprächen führen werden.

Bereiten Sie sich gut vor

Es gibt einige Punkt, die ich zu Ruparelias Rat hinzufügen möchte.

Erstens, können Sie nicht einfach in die Aufgabe hineinspringen. So kommt der Vorbereitung und dem am Ball bleiben Schlüsselbedeutung zu.

So mancher hält die Idee für sonderbar, alle seine Kontakte in eine Excel-Datei einzutragen. Doch bei Ihren Freunden, Bekannten, gegenwärtigen und ehemaligen Kollegen handelt es sich gewissermaßen um ein Kapital, das zu Geld gemacht werden kann. Dabei stellt die Excel-Datei lediglich ein Instrument dar. Falls Ihnen Excel-Dateien nicht zusagen, dann sind Sie – offen gesagt – in den Finanzdienstleistungen fehl am Platz.

Der einfachste Weg, eine solche Excel-Datei zusammenzustellen, besteht im Datenexport. Dazu bieten Linkedin, Xing, Microsoft Outlook, Gmail, Hotmail etc. Funktionen an. Und wiederum gilt: Falls Ihnen dieses IT-Wissen abgehen sollte, dann haben Sie ebenfalls nichts in den Finanzdienstleistungen verloren.

Befolgen sie die 80:20-Regel

Im meiner Excel-Tabelle fanden sich mehr als 1000 Kontakte. Doch nach einer Prüfung von fünf Minuten stellte ich fest, dass realistischerweise nur eine Minderheit infrage kommen würde. Es kann nicht allzu viele Leute geben, die – wie Sital Ruparelia sagt – Sie “mögen, vertrauen und respektieren”. Eben mit diesen sollten Sie anfangen.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand mehr als 20 Leute kennt, auf die all dies zutrifft. Wenn Sie also dies hinter sich haben, dann sollten Sie die verbleibenden Kontakte nach folgenden Kriterien ordnen:

– Wie weit haben Sie es die Karriereleiter hinaufgeschafft?

– Wie gut kennen Sie sie?

– Wie nahe sind sie Ihrem speziellen Interessengebiet?

Diese Ordnung sollten sie umsetzen, da Leute, die mehr senior sind, auch über mehr Macht und ein entwickelteres Netzwerk verfügen als Nachwuchskräfte. Denn ganz oben ist die Welt besonders klein.

Betreiben Sie Networking

Kürzlich hätte ich beinahe die Einladung zu einem Abendessen mit den Freunden meiner besseren Hälfte ausgeschlagen. Da ich nicht gern auf dem Sofa übernachte, habe ich schließlich eingelenkt und erwartete ein reichlich langweiliges Abendessen. Nach einer fünfminütigen Begrüßung musste ich feststellen, dass wahrscheinlich keiner der Gäste mir bei meiner Jobsuche hilfreich sein könnte.

Doch nachdem die Hälfte des Abends vorbei war, entschlüpfte einem der Gäste – nennen wir ihn Bob – wie aus heiterem Himmel, dass der Finanzdienstleister, für den er einmal gearbeitet hat, einer der ersten Investoren eines Fonds ist, für den ich einen Arm hergeben würde, um für ihn zu arbeiten. Bob traf sich gern mit mir auf einen Kaffee und empfahl mich dem Personalchef des Fonds.

Ein andernmal habe ich eine Einladung meines Vorgesetzten zu einem feuchtfröhlichen “Team meeting” am Donnerstagabend angenommen. Dabei wurde er von einigen seiner Kumpels begleitet, wozu auch jemand von einem Unternehmen auf meiner Zielliste kam. Ich habe ihn am nächsten Tag über die Telefonvermittlung des Unternehmens angerufen und er war bereit, sich mit mir zu treffen und meine Situation zu besprechen.

Ein weiteres Mal traf ich “Jim”, eine berüchtigte Gestalt aus der Hedgefondsszene des Londonder Westends, der lediglich eine Bedingung stellte: Wir sollten uns an einem Ort wiedertreffen, an dem Kamerahandys verboten sind und sich Damen leicht bekleidet um Stangen schlängeln. Sein Hintergedanke bestand in Folgendem: Wenn ich mich ich einer solchen Umgebung konzentrieren könnte, dann würde ich auch in seinen Hedgefonds passen und er würde das Vorstellungsgespräch in jedem Fall genießen – ganz gleich was dabei herauskommen sollte.

Lange hegte ich die Angst, dass Informationen über meine Jobsuche zu meinen Vorgesetzten durchsickern könnten. Ich muss jedoch feststellen, dass dies reichlich naiv ist. Denn wenn Sie in Ihrem Job halbwegs kompetent sind, dann erwarten Ihre Vorgesetzten geradezu, dass Sie den Markt testen. Falls Sie das unterlassen, dann sinken Sie in ihrer Wertschätzung.

Haben Sie eine langfristige Perspektive

Sie bringen gewissermaßen eine Saat aus. Erwarten Sie nicht von jedem Meeting, sofort in Ergebnisse zu münden. Doch Sie werden möglicherweise erstaunt sein, was letztendlich dabei für Sie herausspringen kann.

So wurde ich einer Frau empfohlen, die die Analyse-Abteilung einer Fondsgesellschaft leitete. Ich hatte gehört, dass Sie sehr gescheit ist und dass sie ein wenig wie Cruella De Vil aussehe. Das Meeting lief zunächst nicht sehr gut. Sie schien einen schlechten Tag gehabt zu haben und begnügte sich mit 15 Minuten. Ich ging davon aus, von ihr nichts mehr zu hören. Doch drei Wochen später erhielt ich einen Anruf eines ihrer Freunde bezüglich eines Jobs. Die Moral von der Geschichte lautet: Unterschätzen Sie niemanden und senden Sie immer eine Dankesemail zurück. Geben Sie immer ihren vollständigen Namen, Ihre Handynummer und Ihre Emailadresse an, damit Sie nicht ihre Emailbox nach ihren Kontaktdaten durchforsten müssen.

Schließlich handelt es sich bei einem guten Networking nur um einen ersten Schritt auf einem langen Weg und wenn Sie sich anstrengen, Ihr Netzwerk in denjenigen Phasen zu kultivieren, in denen Sie keine Hilfe nötig haben, dann dürfte es Ihnen weit leichter fallen.

Der Autor arbeitet heute in einem Hedgefonds und war in der Vergangenheit in einer Investmentbank beschäftigt.

Kommentare (0)

Comments

Ihr Kommentar wird gerade geprüft. Nach erfolgreicher Prüfung wird es live gestellt.

Antworten

Pseudonym

E-Mail

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier