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Acht Schlüsse und Empfehlungen zur Zukunft des Investmentbankings

Das Verfassen riesiger Analysen über die Zukunft des Investmentbankings scheint in diesem Jahr gang groß in Mode zu sein. Nachdem bereits JP Morgan und Société Générale derartige Untersuchungen veröffentlicht haben, folgt jetzt Berenberg mit einem 128seitigen Konvolut.

Der Bericht wurde hauptsächlich von James Chappell verfasst, der bei Goldman Sachs arbeitete, bevor er bei Berenberg als Analyst angefangen hat. Demnach stehen die europäischen Investmentbanken vor einem strukturellen Wandel ihrer Geschäftsmodelle. Hier die wichtigsten Ergebnisse:

1. Investmentbanken müssen vom übrigen Geschäft getrennt werden oder schrumpfen, aber davor schrecken sie zurück

Investmentbanken haben sich in riesige Unternehmen verwandelt, die zu groß sind, um sie pleite gehen zu lassen. Sie decken heute so viele Produktgebiete wie möglich ab. Doch dabei handelt es sich um einen Fehler. Der Ansatz, alle Produkte und Dienstleistungen für jedwede Bedürfnisse anzubieten, scheint die Banken geradezu zu paralysieren. Idealerweise müssten derartige Investmentbanken, die Teil einer größeren Finanzgruppe sind, abgetrennt werden, während sich andere auf ihre Kernkompetenzen beschränken.  Doch leider sei keines von beidem wahrscheinlich.

„Sie fürchten, dass das gegenwärtige Umfeld konjunkturell und nicht strukturell geprägt ist. Daher will niemand der erste sein, der sein Geschäft zusammenstreicht und damit riskiert zurückzubleiben. Die Investmentbanken rechtfertigen ihren allumfassenden Strategieansatz, indem sie sagen, dass die Kunden dazu tendieren, den Hauptteil ihres Geschäfts an ihre Hausbank zu vergeben, weshalb diese folglich ein umfassendes Angebot an Dienstleistungen bieten muss, um die Erträge zu erhalten. Dies führt zu einer ‚The winner takes it all‘-Mentalität“, sagt James Chappell.

2. Die Erträge werden sich auf dem Niveau von 2005 einpendeln

Die Investmentbanken haben mit drei Gegenwinden zu kämpfen, die ein Wachstum blockieren: zu hohe Schulden, sich abschwächende Kundenaufträge und langfristig niedrige Zinsen. Als Folge davon würden sich die Erträge laut Berenberg auf dem Niveau von 2005 einpendeln, wobei die Gefahr besteht, dass diese aufgrund wachsender Regulierung eher noch geringer ausfallen.

3. Der Drang zu den Marktführern zu zählen, wird die Vergütungen auf hohem Niveau halten

Die Investmentbanken leisten sich einen harten Konkurrenzkampf, um es in die Spitzengruppe der Branche zu schaffen. Dabei handelt es sich immer noch um ein Hauptkriterium, mit dem die Banken ihre Situation im Wettbewerb einschätzen. Alle Banken wollen zur Spitzengruppe zählen und falls sie in den Rankings schlecht abschneiden, dann sehen sie sich gezwungen, ins Personal zu investieren, um ihren Rückstand wieder aufzuholen. Falls eine Bank ihre Vergütungen erhöht, müssen es auch die anderen, um im Wettbewerb bestehen zu können.

„Das kann als Premier League-Syndrom bezeichnet werden, da die Fußballvereine der englischen Premier League ein ganz ähnliches Verhalten zeigen. Sie bezahlen ihre Topspieler übermäßig, um ihre Spitzenrolle zu behalten“, heißt es in dem Report.

4. Die Mitarbeiter der Investmentbanken haben von dem Trend am meisten profitiert

Sicher sind die Boni in den zurückliegenden Jahren sukzessive gesunken. Doch wie der Chart unten zeigt, hat die Bezahlung langfristig kräftig zugelegt. „Das einzige, was die Investmentbanken mit der Verfolgung ihrer Wachstumsstrategie in den zurückliegenden 15 Jahren erreicht haben, besteht in überhöhten Lohnkosten“, heißt es in dem Report weiter.

5. Die Boni sollten im Falle von Verlusten als erster Puffer verwendet werden

Falls Handelsverluste eintreten oder ein (weiteres) Bußgeld für einen Skandal erhoben wird, dann sollten zuerst die Boni gestrichen werden, um das Eigenkapital abzupolstern. Falls auf diese Weise in 2007 bereits Bonuszahlungen über fünf Jahre  angesammelt worden wären, dann wären die Eigenkapitalquoten doppelt so hoch ausgefallen, als es damals der Fall gewesen ist.

6. Eine Reform des Geschäfts mit OTC-Derivaten könnte zu einem Ertragseinbruch von 25 Prozent führen

Sämtliche Reformprogramme wie Dodd-Frank, EMIR und MiFiD scheinen das Geschäft mit OTC-Derivaten zu beeinflussen. Davon könnten auch die Investmentbanken empfindlich getroffen werden, da 45 Prozent ihrer FICC-Erträge auf OTC-Derivate entfällt. „Händler bei den größten Banken erwarten: (1.) dass die Handelsvolumen abnehmen, (2) dass zusätzliche Kosten im Trading anfallen (wie z.B. für das Clearing, die technischen Plattformen und das Kapital) und dass diese nur teilweise an die Kunden weitergegeben werden können. Das wird sowohl die Erträge als auch die Margen belasten“, heißt es im Report. Die Mindererträge könnten sich auf 25 Prozent summieren.

7. Es gibt drei Optionen, die Kosten um 30 Prozent zu verringern, doch keine von ihnen dürfte den Mitarbeitern gefallen

Demzufolge scheinen die Banken immer noch ihren Mitarbeitern zu viel zu zahlen und Berenberg empfiehlt, die Kosten weiter um 30 Prozent zu senken. Die erste Option könnte darin bestehen, zu dem alten Model zurückzukehren: also geringe Festgehälter zu zahlen und die Boni in den mageren Zeiten zusammenzustreichen. Doch dies würde bedeuten, dass eine Investmentbank den ersten Schritt wagt, was wohl kaum ein Institut wagen wird.

Zweitens könnten die Investmentbanken zusätzliche Stellen im zweiten Halbjahr 2012 abbauen. Laut dem Bericht handelt es sich hierbei um die wahrscheinlichste Lösung. Diese Entwicklungen scheint bereits eingesetzt zu haben, wie die Nachrichten von Kürzungen bei der Deutschen Bank, Credit Suisse, Citi und Morgan Stanley aus der vergangenen Woche belegen.

Die dritte Option bestehe darin, sich aus ganzen Geschäftsbereichen zurückzuziehen, was offenkundig ebenfalls auf einen Personalabbau hinauslaufen würde. Ein Beispiel hierfür stellt die Hypo Vereinsbank dar, die sich im vergangenen Jahr teilweise vom Aktiengeschäft verabschiedet hat.

8. Deutsche Bank und JP Morgan besitzen die produktivsten Mitarbeiter

Ein Schlüssel, um einen anstehenden Kahlschlag zu vermeiden, besteht offensichtlich in einer verbesserten Produktivität der Mitarbeiter. In dieser Hinsicht weisen die Deutsche Bank, JP Morgan und Barclays den Weg. Doch der jüngst durchgesickerte Abbau von 1000 Stellen im Investmentbanking des deutschen Branchenprimus belegt, dass auch dieser Weg nicht immer zum Erfolg führt.

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