☰ Menu eFinancialCareers

GASTKOMMENTAR: Wieso ich gerne unter Bob Diamond für Barclays gearbeitet habe

Kindly

Kindly

Als ehemaliger Barclays-Mitarbeiter und im Sog der jüngsten Ereignisse, bin ich der Meinung, dass ich sowohl zur Verteidigung meines früheren Arbeitgebers als auch meines Ex-Chefs Bob Diamond das Wort ergreifen sollte. Die Taten von denjenigen, die in den Libor-Skandal verwickelt sind, sind schockierend, aber es handelt sich um nicht mehr als ein Symptom der turbulenten Zeit der Gier und Furcht, die sowohl die Bankbranche als auch die gesamte Gesellschaft erfasst haben. Dennoch werden jetzt alle Barclays-Mitarbeiter über den gleichen Kamm geschoren und die Investmentbank wird unfairerweise als korruptes Casino portraitiert, das voller Champagner schlürfender Banker ist.

Insiderwissen

Meiner Erfahrung nach und entgegen all der sensationsheischenden Geschichten handelte es sich bei Barclays Capital um einen großartigen Arbeitsplatz. Die Angestellten wurden gut behandelt – vielleicht in einigen Fällen auch ein wenig zu gut – und ich hielt es für eine exzellente Bank, um meine Karriere weiterzuentwickeln. Natürlich herrschte ein beständiger Leistungsdruck und es gab eine Menge von skrupellosen Charakteren – aber das erwarten Sie von jeder Investmentbank. Dennoch hat die Mehrheit der Angestellten nicht in einer Atmosphäre der Angst gearbeitet und meine ehemaligen Kollegen tendierten dazu, Softdrinks oder Bier einer Flasche Champagner vorzuziehen.

Einer von uns

Diamond verlangte eine gewisse Loyalität von seinen Angestellten, nachdem er die Investmentbank durch die unruhigen Wasser der Kreditkrise relativ unbeschädigt hindurchgesteuert hatte. Unter seiner Leitung blieb die Investmentbank von den peitschenden Jobverlusten verschont, die die Wettbewerber heimsuchten, und die Beschäftigten wurden auch weiterhin aus einem großzügigen Bonuspool entlohnt. Als angekündigt wurde, dass er die Stelle als Vorstandschef von Barclays übernehmen werde,  herrschte eine beträchtliche Erleichterung unter den Barclays Capital-Mitarbeitern, dass es einer von uns geschafft hatte.

Die Verteidigung des längst Verlorenen

Diamonds Problem bestand darin, dass er zu den ersten und wenigen Bankern zählte, die sich allzu sehr hinauslehnten. Dabei repräsentierte er nicht nur Barclays, sondern er schwang sich auch noch zum wortgewaltigen Verteidiger des gesamten Investmentbanking-Modells auf. So wurde er zum Blitzableiter für all den Hass gegenüber Bankern in Großbritannien und es war unvermeidbar, dass wenn Barclays einen Fehltritt begehen würde, dies Diamond mitreißen würde.

Was die Beschuldigungen der Gier betrifft: Ja, Diamonds Bezahlung war exzessiv, aber verblasste doch im Vergleich zu vielen anderen Vorstandsvorsetzenden der Unternehmen aus dem britischen Leitindex FTSE wie etwa Bart Becht von Reckit Benckiser.

Darüber hinaus hat er eine bestimmte Menge an Ehre gezeigt, indem er auf seinen jüngsten Bonus verzichtete – vor allem im Vergleich zu dem widerspenstigen Ex-RBS-Chef Fred Goodwin und dem zögerlichen aktuellen RBS-Chef Stephen Hester.

Diamonds weren’t forever

Die Geschichte wird Diamond schonungslos  beurteilen, dennoch sollte er meiner Meinung nach als Mann in Erinnerung bleiben, der einen aufrichtigen Stolz sowohl für seinen Beruf als auch als Arbeitgeber hatte und der es geschafft hat, Barclays Capital zu einer erstrangigen Investmentbank auszubauen. Letztlich ging sein Absturz auf seine fehlgeleiteten und allzu lautstark formulierten Überzeugungen zurück.

Kommentare (0)

Comments

Ihr Kommentar wird gerade geprüft. Nach erfolgreicher Prüfung wird es live gestellt.

Antworten

Pseudonym

E-Mail

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier