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LBBW muss Investmentbanking abstoßen – und Freistaat will Bayern LB loswerden

Die größte deutsche Landesbank LBBW muss sich auf Druck der EU-Kommission in eine Aktiengesellschaft umwandeln und ihr riskantes Investmentbanking aufgeben.

Die EU hat jetzt die Kapitalerhöhung von fünf Mrd. Euro, den Risikoschirm von 12,7 Mrd. Euro und den Umstrukturierungsplan der LBBW genehmigt. “Dieser Beschluss zeigt, dass deutsche Landesbanken die Rentabilitätskriterien der Kommission erfüllen können, wenn sie das richtige Geschäftsmodell wählen”, sagte die zuständige Brüsseler Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes.

Die Zustimmung verband Kroes mit harten Auflagen, die jedoch deutlich glimpflicher ausfallen als bei anderen Landesbanken. So muss sich die LBBW aus dem riskanten Investmentbanking zurückziehen, Beteiligungen verkaufen und ihr Auslandsnetz straffen.

Ihr Geschäftsvolumen soll bis zum Jahr 2013 um 40 Prozent sinken. Gleichzeitig sollen die Kosten um jährlich 700 Millionen Euro reduziert und 2.500 Personalstellen abgebaut werden. Ebenfalls bis 2013 soll die Bank in eine Aktiengesellschaft nach deutschem oder europäischem Recht umgewandelt werden.

Auf Geheiß von Brüssel muss die LBBW außerdem die 24.000 Wohnungen ihrer Immobilientochter verkaufen. Dafür habe man jedoch mehrere Jahre Zeit, was für den zu erzielenden Preis wichtig sei, sagte Vorstandschef Hans-Jörg Vetter. Insgesamt sprach Vetter von einem guten Tag: “Jetzt kann die Bank mit klarer Perspektive nach vorne schauen.”

Derweil hat die bayerische Staatsregierung angekündigt, sich möglichst rasch von ihrem Milliardengrab, der Bayern LB, trennen zu wollen. “Wir wollen so bald wie möglich und sobald es die Marktlage zulässt die Trägerschaft bei der Landesbank beenden”, sagte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) in einer Regierungserklärung im Landtag in München. Auch eine Fusion des Instituts sei denkbar, zum Beispiel mit der LBBW, sagte der Politiker.

Anfang der Woche war in letzter Minute die Verstaatlichung der schwer angeschlagenen BayernLB-Tochter Hypo Group Alpe Adria besiegelt worden. Die Problem-Bank hat die Steuerzahler schon 3,7 Mrd. Euro gekostet. Als Konsequenz aus dem neuen Finanz-Desaster räumte BayernLB-Chef Michael Kemmer seinen Posten und kam so seinem Rauswurf zuvor. Sein Abschied wird ihm mit einer Abfindung von 1,5 Mio. Euro versüßt.

Kommissarischer neuer Chef wird der bisherige stellvertretende Vorstandsvorsitzende Stefan Ermisch.

Bekannt wurde Ermisch Ende der neunziger Jahre, als er als Analyst der WestLB einer Fusion von Hypobank und Vereinsbank das Wort redete. Die Fusion kam – und geriet zum Debakel. Ermisch selbst leitete bei der neuen HypoVereinsbank die Kapitalmarktkommunikation, später die Konzernstrategie.

In jene Jahre fällt die Abspaltung der Hypo Real Estate und der Beginn der Mär von der “Schrottbank” – nach der Abspaltung sah die HVB plötzlich attraktiv aus. Ermisch stieg auf, arbeitete schon bei der HVB mit Kemmer zusammen, und wurde bei der BayernLB sein Stellvertreter.

Die Debatte um die Zukunft der Landesbanken hat wegen der Probleme bei den beiden süddeutschen Staatsinstituten neue Nahrung bekommen. “Deutschland braucht nur eine starke Landesbank, die wichtige Aufgaben für die Sparkassengruppe erfüllen muss”, sagte Hans-Peter Burghof, Bankenprofessor an der Universität Hohenheim.

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