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GASTKOMMENTAR: Wie beim CFA-Exam geschummelt wird

Cheating (Photo credit: Wikipedia)

Cheating (Photo credit: Wikipedia)

Kürzlich musste ich feststellen, dass es zahllose Artikel über die CFA-Qualifikation und die Prüfungsvorbereitungen hierfür gibt, doch nur sehr wenige über das Schummeln bei den CFA-Examen. Tatsächlich habe ich bislang keinen einzigen gefunden, sondern nur ein paar Links zu müden Kandidaten, die sich fragen, ob beim Examen geschummelt wird.

Ich kann Ihnen versichern, dass dies vorkommt. Denn mit dem Schummeln bei Examen verhält es sich wie mit dem Unkraut im Garten: Es stellt sich nicht die Frage, ob es das gibt, sondern nur wann. In den zurückliegenden Jahren habe ich mit Kandidaten und Aufsichtspersonen über ihre Erfahrungen von Examenstagen gesprochen und dabei habe ich eine Reihe von CFA-Schummeleien aus dem wirklichen Leben mitbekommen, die interessantesten will ich Ihnen nicht vorenthalten. Doch zunächst möchte ich warnen:

Schummeln ist unehrlich und diskreditiert den Zweck, für den der CFA-Charter steht. Falls Sie bei einem Level schummeln und damit davonkommen, dann werden Sie aus eigener Kraft nicht den folgenden Level bestehen, da die Kenntnisse aus dem vorhergehenden Level vorausgesetzt werden. Und falls Sie die Qualifikation beruflich nutzen: Welchen Nutzen hat ein CFA, wenn Sie nicht über das entsprechende Wissen verfügen? Schließlich (und am wichtigsten) werden Sie auffliegen. Genau dies ist bei allen unten genannten Fällen eingetreten.

Kaugummi und Süßigkeiten sind nicht das, wonach sie aussehen

Rick (Name geändert) war über drei Jahre als Aufsichtsperson tätig und hat mich mit den am weitesten verbreiteten Methode – nicht nur in den CFA-Examen – bekannt gemacht. Dazu werden die Originalverpackungen und das gedruckte Material von allem genutzt, was mitgebracht werden darf. Diese werden durch wohlpräpariertes Material ausgetauscht, das zwar genauso aussieht, aber prüfungsrelevante Notizen statt Informationen zu den Inhaltsstoffen enthält. Beim CFA zählen hierzu Kaugummi- und Bonbon-Verpackungen. Ein ähnlicher Trick besteht darin, mit gefalteten Notizen einen Kaugummi zu umwickeln und diese beim Auspacken zu lesen. Um sich des Beweismittels zu entledigen, wird einfach der Kaugummi mit der „Verpackung“ in eine klebrige Masse verknetet.

Doch dies scheint für eine erfolgreiche Schummelei ein wenig dumm zu sein, denn die kampferprobten CFA-Aufsichtspersonen versuchen jede Verpackung einzukassieren, die bedrucktes Material enthält (obgleich gelegentlich die Verpackungen von Kaugummis und Bonbon-Papier erlaubt werden). Doch angesichts des extremen Aufwands für die Photoshop-Bearbeitung stellt sich die Frage, welchen Vorteil dies tatsächlich mit sich bringt? Falls Sie sorgfältig vorgehen und winzige Notizen auf ebenso winzige Verpackungen drucken, wieso können Sie sich diese Informationen nicht für die Prüfungsdauer merken?

Der iPod im Ärmel-Trick

Die CFA-Kandidatin Gina (Name geändert) erzählte mir, dass Sie über eine ganz besondere Schummel-Methode verfüge, indem Sie einen iPod oder irgendein anderes Musikabspielgerät einsetzt.  Zunächst hat sie das wichtigste und am schwersten zu merkende Material ermittelt. Anschließend hat sie in 15minütigen Abschnitten aufgezeichnet, wie sie laut die Notizen und Formeln vorlas.  So verfügte sie über eine ganze ‚Playlist‘ von Examens-Notizen auf ihrem iPod, den sie in ihrer Tasche verschwinden ließ. Da es sich um einen iPod Nano handelte, zeichnet er sich in der Kleidung nicht ab. Dann führte sie die Ohrhörer durch ein Loch in ihrer Tasche unter der Jeans, Ihrer Bluse und ihrem linken Ärmel entlang. Die Fernbedienung befand sich etwa auf der Höhe ihres Ellenbogens. Um die Notizen anzuhören, stützte sie ihre Schläfe in Hörreichweite auf ihren Unterarm. Die Fernbedienung bediente sie einfach mit ihrer rechten Hand. Im Examenskontext macht dies einen völlig natürlichen Eindruck – ganz so als ob Sie in einen Moment lang scharf nachdenken. „Um dies vorzubereiten, müssen Sie das Material lesen, so dass ich am Examenstag eigentlich schon wusste, was ich hören würde. So lohnte sich das Risiko am Ende nicht. Darüber stresste das Risiko, ertappt zu werden, sehr, was bei der übrigen Prüfung nicht gerade hilfreich war“, sagt Gina.

Es dreht sich alles um die Toiletten

Laut dem Aufsichtspersonal drehen sich die meisten Geschichten von Schummeleien um die Toiletten. Davon gibt es endlose Variationen: die Weitergabe von Notizen in den Toiletten, das Verstecken von Notizen in den Toiletten, das Verstecken von Notizen am Körper, um diese in der Toilette zu lesen usf. Daher können Sie dem CFA Institute nicht vorwerfen, bei der Toilettenbenutzung während der Prüfungen überzogen zu reagieren.

Ein Kandidat wechselte sogar den gesamten Toilettenpapierhalter aus, um dahinter Notizen zu verstecken. Allerdings flog er auf, als er bei der Herausnahme Geräusche produzierte. Dabei hat er nicht etwa großen Lärm verursacht, aber es war genug, dass die Aufsichtsperson an die Tür klopfte, worauf er den Halter gänzlich fallen ließ.

Der Trick mit den unterschiedlichen Zeitzonen

Eine ganz eigene Kategorie stellt die angebliche Praxis von Kandidaten dar, anderen Prüfungsteilnehmern zu helfen, die das Examen in einer anderen Zeitzone später am Tag ablegen. Ich verstehe, dass dies nicht aus Nettigkeit, sondern gegen Cash geschieht.

Um zu wiederholen: Ja,  ich gehe davon aus, dass bei den CFA Exams geschummelt wird. Aber nein, ich verteidige dies nicht. Es scheint sich vielmehr um vergebene Mühe zu handeln, die keinen wirklichen Vorteil mit sich bringt, bei dem aber das Risiko groß ist, ertappt werden.

Eine ältere Version dieses Artikels erschien auf dem Blog 300 Hours, der von einem CFA-Charterholder in Großbritannien geschrieben wird.

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