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Wie Sie sich selbst um Ihre Chancen bringen: Die acht verbreitetsten Fehler in Schweizer Vorstellungsgesprächen

InterviewSchweiz

Ein Vorstellungsgespräch stellt die entscheidende Hürde auf dem Weg zu einem neuen Job dar. Daher sollten sich alle Bewerber möglichst  von ihrer Schokoladenseite zeigen. Doch ungewollt begeht so mancher Kandidat den einen oder anderen Fauxpas und bringt sich damit selbst um vielversprechende Karrierechancen. Wir haben bei Zürcher Headhuntern nachgefragt, welches die verbreitetsten Fehler Financial Services Interviews in der Schweiz darstellen und wie Sie es besser machen können.

1. Unpünktlichkeit

„Unpünktlichkeit geht gar nicht – gerade in der Schweiz“, betont Emanuel Kessler von kessler.vogler capital management in Zürich. Doch damit meint der Experte nicht nur das klassische Zuspätkommen. Auch 20 Minuten zu früh zu erscheinen, kann einen schlechten Eindruck hinterlassen. „Es gilt: Fünf Minuten zu früh und keine Minute zu spät bei einem Vorstellungsgespräch einzutreffen“, ergänzt der Experte.

2. Unvorbereitet zu sein

Eigentlich klar, aber immer gerne falsch gemacht: Bewerber erscheinen unvorbereitet bei einem Vorstellungsgespräch. „Was gar nicht geht, ist, die Homepage des Arbeitgebers nicht angeschaut zu haben oder die Stellenbeschreibung nicht genau gelesen zu haben“, sagt Kessler.

Laut Jonas Neff von Biermann Partners in Zürich bestehe heutzutage ein Vorstellungsprozess oftmals aus diversen Einzelgesprächen. Daher müsste jedes einzelne gut vorbereitet werden. „Man muss sich auf jeden Gesprächspartner wieder genau einstellen“, betont Neff. Kandidaten sollten darauf achten, was den jeweiligen Gesprächspartner womöglich interessieren könne.

3. Mangelnder Umgang mit Social Media und schlechtes Networking

Stephan Surber von Michael Page Schweiz empfiehlt ein gutes Research. So seien Social Media und Berufsnetzwerke wie LinkedIn geeignet, um etwas über die Gesprächspartner in einem Interview in Erfahrung zu bringen.  Alte Bekannte und ehemalige Kollegen könnten kontaktiert werden. Wenn man z.B. bei dem Unternehmen einen Mitarbeiter und ehemaligen Kollegen als Referenz vorweisen könne, sei dies ein grosses Plus in der Bewerbung.  Während viele Banker ihr Kundennetzwerk pflegten, würden sie ihr persönliches Netzwerk von ehemaligen Kollegen und ähnlichen Kontakten gelegentlich vernachlässigen.

„Wenn der Markt schwierig ist, dann spielt das Netzwerk eine grössere Rolle“, gibt Surber zu bedenken. Viele Stellen würden derzeit ohne Ausschreibung und Auftrag an einen Headhunter vergeben.

4. Zu schnell in die Details zu gehen…

„In Interviews gehen Kandidaten manchmal zu schnell ins Detail“, beobachtet Neff. Gehaltsfragen oder der eigene Parkplatz gehörten einfach nicht ins erste Vorstellungsgespräch. „Das erste Gespräch ist oftmals eher ein Kennenlernen“, erläutert Neff. In den zurückliegenden Jahren hätten sich die Bewerbungsprozesse in die Länge gezogen. Fünf und mehr Gespräche seien mittlerweile Normalität. Gehaltsverhandlungen stünden eher am Ende als am Anfang dieses Prozesses. „Dennoch muss man vorbereitet sein, wenn der Kunde dies von sich aus anspricht“, sagt Neff.

5. … oder zu allgemein zu sein

Doch auch umgekehrt kann es falsch sein. „Viele Kandidaten sind sehr allgemein in ihren Ausführungen“, ergänzt Neff. Bewerber müssten in der Lage sein, ihren eigenen Beitrag am Erfolg eines Unternehmens detailliert darzulegen.

6. Zu hohe Gehaltsansprüche

Nach Surbers Beobachtung würden angesichts des umfassenden Stellenabbaus im Schweizer Investmentbanking viele Freigesetzte versuchen, im Asset Management unterzukommen, wo es noch Stellen gebe. Dies betreffe vor allem viele Sales-Mitarbeiter vom Vice President-Level aufwärts. „Dort werden häufig zu hohe Gehaltvorstellungen erhoben“, sagt Surber. Die Vergütungen fielen im Asset Management jedoch empfindlich niedriger als im Investmentbanking aus. Garantieboni seien derzeit kaum durchsetzbar.

7. Zu forsch Arbeitslosigkeit zu beichten

So mancher Kandidat signalisiert in einem Vorstellungsgespräch zu früh, arbeitslos zu sein. Laut Surber erwähnen beispielsweise viele, dass sie sich bei der Regionalen Arbeitsvermittlung  gemeldet hätten oder „sofort verfügbar“  seien. „Das kann ganz schnell einen negativen Eindruck hinterlassen“, bemerkt Surber.

Dabei gehe es nicht darum, die Unwahrheit zu sagen, sondern sich richtig zu verkaufen. So könnten arbeitslose Bewerber sagen, dass sie sich in einem Sabbatjahr befänden. Dies sei flexibel gestaltbar und lasse sich nach 15 Jahren ununterbrochener Berufstätigkeit nach der Uni durchaus rechtfertigen.  Auch Auslandsreisen und Sprachkurse in fernen Ländern ließen sich gut verkaufen.

Falls eine längere Arbeitslosigkeit drohe, dann rät der Personalexperte Betroffenen, sich nach Interimslösungen umzuschauen, die in einem Vorstellungsgespräch einen positiven Eindruck hinterließen. So lasse sich gerade in Bereichen wie Controlling, Risk Management oder Compliance eine längere Arbeitslosigkeit als Contractor – mit kurzzeitigen Beschäftigungen – gut und sinnvoll überbrücken. „Dies stellt natürlich für Relationship Manager keinen Ausweg dar“, ergänzt Surber. Denn im Wealth Management zähle die langfristige Kundenbeziehung.

Ein klassischer Lückenfüller stellen Fortbildungen dar. So könnten Betroffene einen CFA oder eine andere Fortbildung beginnen. Damit lasse sich so manches Loch im Lebenslauf elegant flicken und es verbessere das Profil.

8. Zu wenig oder zu viel Interesse zu zeigen

„Wenn Arbeitgeber nach einem Gespräch fragen: ‚Ist die Person überhaupt interessiert?‘, dann ist das ein schlechtes Zeichen“, sagt Neff. Um dies sicherzustellen, sollten Kandidaten einfach relevante Fragen stellen wie z.B.: „Wie ist das Team organisiert? Mit wem arbeite ich im Tagesgeschäft zusammen? Zu welchen Bereichen bestehen Schnittstellen? Welche Skills sind gefragt? Was wird von mir erwartet?“ Welche Fragen angebracht sind, könne indes je nach Stelle und Arbeitgeber recht unterschiedlich ausfallen.

Laut Neff gehe es dabei nicht nur um fachliche Aspekte, sondern auch um den „cultural fit“. Der Kandidat müsse zur Unternehmenskultur passen. Dies gewinne zunehmend an Bedeutung. So brächten im gegenwärtigen Marktumfeld oftmals viele Kandidaten die erforderlichen hard skills mit, weshalb die soft skills um so wichtiger seien.

Doch zu viel Interesse kann ebenfalls zu einem Problem werden. So betont Kessler: „Auch Übereifer ist nicht gut, da das oft nicht authentisch wirkt. Ausserdem besteht dann die Gefahr, dass man zu viel spricht und keine Nachfragen zulässt.“

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