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GASTKOMMENTAR: Wie Sie eine Initiativbewerbung mit 90prozentiger Erfolgschance verfassen

Nur wenige Dinge im Leben sind sicher: Tod, Steuern und die Tatsache, dass eine Inititiativbewerbung fast immer eine schallende Absage nach sich zieht.

Denn es handelt sich um einen Fakt, dass das Umsichwerfen mit Lebensläufen ein wenig einem Spendensammler gleicht, der in bunten Hosen wahllos an Haustüren klopft. Und ich kenne niemanden, der Spendensammler mag.

Falls Sie nicht vorsichtig sind, dann wirkt Ihre Bewerbung aufdringlich und irritierend. Wir haben alle Hände voll zu tun und unsere Emailbox quillt regelmäßig über. Viele denken, dass Recruitmentfragen allein die Personalabteilung angehen und es sich dabei um nichts handelt, mit dem sich Finanzprofis die Hände schmutzig machen möchten.

Ob eine Email gelöscht wird oder nicht, hängt ganz erheblich davon ab, was für einen Tag der Empfänger hat und wie auffällig (oder umgekehrt, wie unmöglich) das Anschreiben ausfällt.

Da Sie den ersten Faktor kaum kontrollieren können, möchte ich mich darauf konzentrieren, wie Sie mit Ihrem Anschreiben die Aufmerksamkeit des Lesers erheischen können.

Ich bin kein Karrierecoach, Recruiter oder HR-Mitarbeiter. Vielmehr habe ich durchweg in Frontoffice-Positionen gearbeitet und ich glaube fest daran, dass – abgesehen vom Networking – Initiativemails den besten Weg darstellen, um einen neuen Job zu finden. Tatsächlich handelt es sich um den einzigen Weg, auf dem ich einen Job erhalten habe – von der Einstiegsposition bis zu meiner derzeitigen Stelle als erfahrener Investmentprofi.

Dafür gibt es zwei ganz einfache Gründe: Dieses Vorgehen legt die Einflussmöglichkeiten in Ihre eigenen Hände und nicht in diejenigen von Headhuntern oder irgend jemand anderen und es verschafft Ihnen einen Vorsprung. Denn die Direktansprache von Arbeitgebern gibt Ihnen einen Vorsprung gegenüber anderen Kandidaten, die sich mittels Recruitern bewerben. Schließlich muss der Arbeitgeber in spe keine Vermittlungsgebühren bestreiten.

Zeigen Sie mir einen Banker oder Investor, der gerne irgendwelche Transaktionskosten bezahlt, dann esse ich meine Ferragamo-Schuhe.

Hier einige einleitende Bemerkungen

1. Seien Sie kurz und höflich – vergessen Sie niemals, dass die Person, die Ihre Email liest, Ihnen einen Gefallen leistet. Und niemand möchte mit jemanden zusammenarbeiten, der nicht einmal eine respektvolle Email verfassen kann.

2. Wählen Sie die richtige Zielperson aus: Ihre Kollegen sind nicht Ihre Alliierten. Wenn Sie im gegenwärtigen Umfeld eine Person ansprechen, die nicht wenigstens eine Karrierestufe über Ihnen steht, dann ziehen Sie wahrscheinlich eine Niete. Anders sieht es aus, wenn Sie einen Angestellten aus einem ganz anderen Bereich oder einem ganz anderen Unternehmen angehen. Das Risiko, dass Sie möglicherweise für ihre Position darstellen, wiegt schwerer als die denkbaren Vorteile. “Was passiert, wenn sie oder er klüger als ich ist, oder wenn sie oder er besser beim Golf gegen meinen Chef verlieren kann als ich?”, darüber sorgen sich Betroffene.

Die Hauptsache

1. Bringen Sie den Leser dazu, Sie ernst zu nehmen. Zeigen Sie, dass Sie über einen Kontakt in der Firma verfügen oder irgendeine andere Art einer Verbindung. So ist ein beiderseitiger Freund ideal, aber nicht immer erforderlich. Es kann sich auch um einen Bekannten oder einen ehemaligen Kollegen handeln. In diesem Fall sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Ihre Email ignoriert wird.

2. Seien Sie konkret und gut informiert. Wir befinden uns im Zeitalter von Xing, Linkedin, dem FSA-Register und vielen anderen Quellen für Brancheninformationen. Daher sollten Sie in der Lage sein, die passenden Ansprechpartner in dem Unternehmen ausfindig zu machen. Diese sollten nicht zu senior, aber auch nicht zu junior sein, um keinen Einfluss auf die Einstellungen auszuüben.

3. Zeigen Sie, dass Sie das Geschäftsmodell verstanden haben, und zwar jenseits der Angaben auf der Unternehmenswebsite. Doch verfallen Sie nicht der Versuchung, sich einzuschleimen. Die Schlüsselkompetenzen und Erfolgsfaktoren zu skizzieren, stellt keine blinde Schmeichelei dar.

4. Skizzieren Sie Ihre eigenen Kompetenzen. Führen Sie Ihre Kompetenzen stichwortartig an, so dass Ihr Gesprächspartner die Liste durchgehen kann, auch wenn Sie mit Ihm reden.

5. Bitten Sie nicht, zurückgerufen zu werden. Teilen Sie Ihnen lieber mit, wann Sie wieder anrufen wollen. Viele Leute denken, es würde genügen, auf den Anruf zu warten. Denn dies bedeutet, dass sie Ihren Lebenslauf bereits gelesen und für gut befunden haben. Doch im Arbeitsalltag kommt dies immer seltener vor, da die Leute dafür einfach zu beschäftigt sind – es sei denn, sie versuchen jemanden verzweifelt einzustellen.

6. Haken Sie einige Werktage später nach. Falls Sie indes länger warten, dann wird der Empfänger Sie vergessen. Denken Sie schon vorher darüber nach, wie Sie Ihre Email kurz mündlich zusammenfassen können. Stehen Sie auf, falls Ihnen das helfen sollte, dynamisch und energisch zu klingen.

7. Meiden Sie Montagvormittage. Selbst Arbeitssuchende mit dem gesunden Ego eines Bankers werden verstehen, dass Sie in den geschäftigsten Zeiten der Woche bei Führungskräften nicht an erster Stelle kommen.

Viel Glück dabei! Sie werden es wahrscheinlich beim ersten Mal nicht fehlerfrei hinbekommen. Daher sollten Sie – und dabei handelt es sich um meinen letzten Rat – mit einem Unternehmen beginnen, von dem Sie eine Absage verschmerzen können.

Der Auto arbeitet im Investment-Management.

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