☰ Menu eFinancialCareers

GASTKOMMENTAR: Was bringt ein CFA wirklich? Verhilft er Ihnen zu einem Job im Investmentbanking?

Girl Banker

Girl Banker

Als ich im September 2006 Analyst im zweiten Jahr bei Goldman Sachs war, schickte einer meiner Associates mir eine Email, um ein wenig anzugeben: Er hatte  gerade den Level 3 des Chartered Financial Analyst (CFA) bestanden. Ich muss zugeben, dass ich neidisch war. Denn ich wusste, dass er ein Plus im Lebenslauf und eine extreme Herausforderung darstellt. Ich dachte: Wenn er die Zeit findet, sich auf den CFA vorzubereiten, dann könnte ich es auch schaffen! Obgleich es schon September war, meldete ich mich für die Prüfung zum Level 1 im Dezember 2006 an. Ich bestand das Examen. Die beiden folgenden Prüfungen zu den nächsten beiden Leveln bestand ich ebenfalls im Juni 2007 und im Juni 2008. Wenn ich vom CFA spreche, dann aus eigener Erfahrung.

Um was dreht es sich beim CFA?

Darin findet sich von allem etwas, soweit es sich um Finance dreht. Das Schöne an Level 1 besteht darin, dass er ziemlich breit angelegt, ungeheuer interessant und nicht wirklich schwierig ist. Erst durch den Level 1 begann ich mich, für Derivate zu interessieren. Ich versuchte einige Monate nachdem ich das Examen bestanden hatte, von der Investment Banking Division (IBD) zu Capital Markets zu wechseln, wobei die besseren Arbeitszeiten ebenfalls einen großen Reiz auf mich ausübten.

Level 2 wird allgemein als die schwierigste Prüfung angesehen. Und für mich war er überdies der langweiligste. Dort wird so viel Grundlagenwissen über Rechnungslegung vermittelt, was nicht zu meinen Lieblingsthemen zählt. Level 3 konzentriert sich sehr auf Asset bzw. Portfolio Management. Dort dreht es sich um tiefergehende Kenntnisse, wie Asset Portfolios aussehen sollten, wie man zwischen den verschiedenen Asset Klassen auswählt und wie man das Geld anderer Leute verwaltet.

Wie kann ein CFA Ihnen weiterhelfen?

1. Es wird in Ihrem Lebenslauf hervorstechen

Die CFA-Qualifikation ist hochangesehen, weil seine Module höchst relevant für verschiedene Bereiche des Bankings sind und weil das CFA Institute nur 35 bis 45 Prozent aller Teilnehmer erlaubt, eine der Prüfungen zu bestehen.

2. Ihre Chancen zu Vorstellungsgesprächen können steigen

Hier ein Beispiel: Einer meiner Kollegen erwarb  seinen Bachelor im Libanon und schloss einen Master an einer guten britischen Uni ab. Als er später einen Job suchte, erhielt er angeblich keine einzige Antwort und so beschloss er, sich für den CFA-Level 1 anzumelden. Als er sich nun abermals bewarb, wurde er zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. Dabei ist er einer der besten Derivative-Sales, die ich kenne. Dies zeigt, welche Schwierigkeiten die Banken haben, die vielen Bewerbungen zu sichten.

3. Es kann Ihnen dabei helfen herauszufinden, wo Sie in einer Investmentbank am besten hinpassen

Viele Banker glauben, dass ein CFA um einiges besser ausschaut, wenn Sie ihn neben der Arbeit absolvieren als während Ihrer Zeit an der Uni oder während Sie auf der Jobsuche sind. Dennoch würde ich sagen, dass ein CFA in Ihrem Lebenslauf einen wichtigen Mehrwert darstellt – gleich wann Sie ihn absolvieren. Denn er ist nicht leicht zu haben.

4. Ihr Risiko, arbeitslos zu werden, sinkt offensichtlich

Von den weltweit 100.000 Charterholdern (die alle drei Level bestanden haben) sind nach den Angaben des CFA-Institutes lediglich 4 Prozent irgendwann einmal arbeitslos.

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, einen Vorbereitungskurs für den CFA zu absolvieren?

Ich habe dies nicht und ich bestand alle drei Level beim ersten Anlauf. Für mich wäre es eine große Geldverschwendung, jemanden zu bezahlen, um mich zu unterrichten. Wenn ich mit anderen Leuten zusammen bin, dann möchte ich mich üblicherweise mit Ihnen unterhalten. Aus dem gleichen Grund habe ich auch an keinen Studiengruppen teilgenommen.

Wie sah meine Strategie aus?

Die Zeit war begrenzt. So las ich nicht das eigene Lernmaterial des CFA, denn diese sind einfach zu dick. Ich bestellte Material zum Selbststudium (fünf Bücher, Audio CDs, QuickSheets und Übungsprüfungen) von Schweser. Ich studierte intensiv an beiden Tagen des Wochenendes und in der Woche hörte ich die Audio CDs auf meinem Weg zur Arbeit. Nach der Arbeit war ich immer zu Müde, um noch etwas zu wiederholen.

Vor jeder Prüfung nahm ich mir exakt eine Woche frei. In dieser Zeit bin ich das gesamte Studienmaterial noch einmal durchgegangen. Dazu legte ich mir jedes Mal einen Zeitplan an, um sicher zu gehen, dass ich dies schaffte. Also was machte ich in dieser Woche? Ich übte die Prüfungen, indem ich jeden Tag eine Testprüfung absolvierte. Wenn ich diese durcharbeitete, sprangen mir die Gebiete ins Auge, an denen ich noch arbeiten musste und so wiederholte ich nur diese Module.

Wie sah mein Privatleben aus?

Wie ging es mit meinem Privatleben weiter? Ich gab es auf. Nur einige Male im Monat ging ich zum Abendessen aus. Doch als der CFA zu Ende war, fühlte sich die „Freiheit“ umso süßer an. Ich bewältigte das letzte Examen im Juni 2008. Dennoch lässt mich auch vier Jahre später die Vorstellung, einen Vollzeitjob mit einem CFA zu verbinden, erzittern.

Dieser Gastbeitrag erschien zuerst auf Girl Banker‘s Blog, den Sie hier finden.

Kommentare (0)

Comments

Ihr Kommentar wird gerade geprüft. Nach erfolgreicher Prüfung wird es live gestellt.

Antworten

Pseudonym

E-Mail

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier