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10 Jahre Joe: Wie die Bilanz der Ära Ackermann aus Mitarbeitersicht ausfällt

Ackermann

So manchem Aktionär der Deutschen Bank dürften nach zehn Jahren Josef Ackermann an der Spitze der Deutschen Bank die Tränen in die Augen schießen – allerdings nicht vor Freude. Denn am 28. Mai 2002 notierte die Aktie des deutschen Branchenprimus noch bei stolzen 69,07 Euro. Exakt zehn Jahre später sind es nur noch magere 29,17 Euro. Die Ära Ackermann hat die Aktionäre also 57,8 Prozent gekostet.

Doch aus Mitarbeitersicht ergibt sich ein anderes Bild, obgleich zumindest viele der üppig bezahlten Investmentbanker und Manager auf einem großen Paket von Unternehmens-Aktien oder anderen aktienbasierten Papieren sitzen und damit von dem Kurseinbruch ebenfalls betroffen sind.  Doch bei den anderen Kriterien sieht es etwas besser aus:

Die Mitarbeiterzahl steigt kräftigt – trotz kräftigen Personalabbaus

Quelle: Geschäftsberichte Deutsche Bank

Beim Personal ist Ackermann das Kunststück gelungen, die Mitarbeiterzahl kräftig zu steigern und dennoch die Stellen ebenso kräftig zusammenzustreichen. So beschäftigte die Bank in 2002 lediglich gut 77.400 Mitarbeiter, während es zehn Jahre später fast 101.000 waren, ein Plus von immerhin 30 Prozent.

Doch dieses Wachstum geht auf keine Einstellungen, sondern auf die großangelegte Übernahme anderer Banken zurück. So hat die Deutsche Bank in den zurückliegenden Jahren Teile des Firmenkundengeschäfts von ABM Amro übernommen, sich die angeschlagene Privatbanken-Gruppe Sal. Oppenheim einverleibt und die Postbank gekauft. Allein letztere beschäftigt mehr als 20.000 Mitarbeiter. Unter dem Strich dürfte ein dickes Minus stehen, wobei weitere Einsparungen abzusehen sind.

Gewinne steigen zunächst kräftig an, um dann rasant einzubrechen

Quelle: Geschäftsberichte Deutsche Bank

Zunächst gelang es Ackermann sehr gut, den deutschen Branchenprimus auf Gewinn zu trimmen. Von einem Vorsteuerergebnis von 3,5 Mrd. Euro in 2003 konnte der Schweizer den Gewinn auf stolze 8,7 Mrd. in 2007 steigern. Es handelte sich um die Zeit, als Joe das Ziel einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent ausgab. Doch dann wurde auch das so stolze Institut  voll von der Finanzkrise getroffen. In 2008 musste die Deutsche Bank einen Verlust von 5,7 Mrd. Euro verkraften. Seither oszilliert das Ergebnis zwischen 4 und 5,4 Mrd. Euro.

Personalaufwand pendelt sich auf niedrigerem Niveau ein

Quelle: Geschäftsberichte Deutsche Bank

Als Ackermann das Ruder in 2002 übernahm, ließ die Bank noch für jeden ihrer Mitarbeiter durchschnittlich fast 147.000 Euro springen. Bis 2006 stieg dieser Wert analog zu den Gewinnen um 24 Prozent auf über 181.000 Euro an. Doch dann ging es rasant bergab und in 2011 belief sich der durchschnittliche Personalaufwand auf rund 130.000 Euro. Die Integration der Postbank verzerrt hier indes das Bild erheblich.

Kostenertragsquote bei 80 Prozent

Quelle: Geschäftsberichte Deutsche Bank

Die Kostenertragsquote pendelte in den zurückliegenden zwei Jahren um 80 Prozent und damit auf ziemlich genau dem gleichen Wert wie vor zehn Jahren. Allerdings hat diese Ratio eine wahre Achterbahnfahrt hinter sich. So ging es bis 2007 auf 69,6 Prozent bergab, anschließend rasant auf 134,3 Prozent in 2008 hinauf, um dann wieder auf 72 Prozent in 2009 abzutauchen.  Derzeit fällt die Kostenertragsquote mit 80 Prozent recht opulent aus, was aus Mitarbeitersicht sicherlich nicht schlecht ist. Bedeuten hohe Kosten doch auch üppige Gehälter, da das Personal bei Banken traditionell den größten Kostenblock ausmacht.

Im Investmentbanking wächst die Mitarbeiterzahl

Quelle: Geschäftsberichte Deutsche Bank

Ackermann hat in den zurückliegenden zehn Jahren das Investmentbanking stark ausgebaut, was unter dem designierten Nachfolger und Investmentbanking-Chef Anshu Jain weitergehen dürfte. So hat die Bank trotz der Finanzkrise in diesem Bereich über 1000 Stellen neu geschaffen. Dass die Deutsche Bank gegenwärtig – anders als andere auf einen Personalabbau in dieser Sparte verzichtet, bedeutet, dass die Deutsche Bank in Zukunft ein größeres Stück vom kleiner werdenden Investmentbanking-Kuchen abbekommen will. Da kann man nur hoffen, dass sich Jain daran nicht verschluckt.

Auf Gedeih und Verderb dem Investmentbanking ausgeliefert

Quelle: Geschäftsberichte Deutsche Bank

Keine Frage: Die Deutsche Bank zählt heute zu dem erlauchten Kreis der sogenannten „Tier 1“-Investmentbanken und damit neben US-Häusern wie Goldman Sachs zu den bedeutendsten Spielern in der Branche. Doch dieser Erfolg hat einen hohen Preis: Die Gewinnentwicklung der Gesamtbank ist stark von dem volatilen Investmentbanking-Geschäft abhängig. Von daher verwundert es auch nicht, dass die Ergebnisentwicklung im Investmentbanking dem der Gesamtbank ähnelt: Erst geht es bergauf, dann erfolgt der Absturz und schließlich pendelt sich der Gewinn auf niedrigerem Niveau ein.

Auch nach der Krise verdienen Investmentbanker prächtig

Quelle: Geschäftsberichte Deutsche Bank

Interessanterweise entwickeln sich die Personalaufwendungen umgelegt auf die Mitarbeiterzahl längst nicht so volatil wie das Investmentbanking-Geschäft. Selbst im Krisenjahr 2008, als die Sparte für einen Verlust von 7,4 Mrd. Euro sorgte, strichen die Investmentbanker durchschnittlich pro Kopf mehr als eine viertel Million Euro ein. Mittlerweile hat der Personalaufwand pro Kopf wieder 333.000 Euro erreicht. Dennoch scheint die Deutsche Bank gemessen am Verhältnis Gewinn und Personalaufwand etwas weniger großzügig als in der Vorkrisenzeit zu sein.

Kostenbewusstsein wächst

Quelle: Geschäftsberichte Deutsche Bank

Abgesehen von dem Verlustjahr 2008 bewegte sich die Kostenertragsquote im Investmentbanking unter Ackermann zwischen 67 und 79 Prozent. Dabei scheint das Kostenbewusstsein leicht gestiegen zu sein, denn zwei der drei Jahre mit einer Quote von unter 70 Prozent fallen in die Zeit nach der Krise. Dennoch arbeitet die Deutsche Bank mit  durchschnittlich über 70 Prozent mit einer im Branchenvergleich recht hohen Kostenertragsquote. Anscheinend lässt es sich die Deutsche Bank einiges Kosten, zu den führenden Playern in dem Sektor zu zählen.

Fazit

Unter Ackermann ist die Deutsche Bank zu einer führenden Investmentbank der Welt avanciert und mit dem designierten Co-Nachfolger Anshu Jain wird das Institut auch weiterhin versuchen, Marktanteile in diesem Geschäftsbereich zu gewinnen und ihre Position als Tier 1-Bank auszubauen. Von den hohen Kosten dieser Strategie können zumindest die Investmentbanker und andere international ausgerichtete Bereiche des Hauses profitieren – denn dort will die Deutsche Bank die besten Talente haben und greift entsprechend tief in die Tasche. Allerdings dürften die Topjobs zumeist in London beheimatet sein. Vor diesem Hintergrund  hat Frankfurt das Nachsehen.

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