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Die Bankenkonsolidierung fällt vorerst aus – zum Glück!

Wochen-, nein monatelang spekuliert Deutschland über eine Konsolidierung seiner ach so zersplitterten Bankenwelt. Und was passiert? Die Franzosen – ausgerechnet die – schnappen unserem Branchenprimus Deutsche Bank die bereits sicher geglaubte Citibank für beachtliche 4,9 Mrd Euro vor der Nase weg.

“Bien joué!” – werden nicht nur die Mitarbeiter von Deutscher Bank und Citibank rufen. Schließlich hätten viele von ihnen, vermutlich einige tausend, ihren Arbeitsplatz verloren, wenn es zu einer deutschen Lösung gekommen wäre.

Auch die Verbraucher dürfen sich freuen. Sie, also eigentlich wir alle, würden nämlich irgendwann die von “Experten” seit Jahren gewünschte Fusionswelle bezahlen: mit schlechteren Konditionen bei Zinsen und Krediten – und einem schlechteren Kundendienst.

Tatsächlich zeigt der Verkauf der Citibank Deutschland an einen “Ausländer” vor allem eines: Das Privatkundengeschäft ist hierzulande trotz niedriger Margen für Außenstehende immer noch attraktiv genug, um für einen Markteintritt richtig viel Geld auf den Tisch zu legen.

In Wahrheit ist es mehr als peinlich, wenn Vorstände der drei führenden deutschen Privatbanken der staunenden Bevölkerung eine angeblich notwendige nationale Schrumpfkur als Beleg für unternehmerischen Biss und visionäres Handeln verkaufen wollen.

Für die deutschen Bankmanager kommt der Verkauf der Citibank (D) an Crédit Mutuel einer kräftigen Ohrfeige gleich. Quasi eine Strafe für jahrelanges Lamentieren. Deutsche, Dresdner und Commerzbank sind nämlich vor allem gut in einer Disziplin: im Nörgeln über zu niedrige Marktanteile auf dem Heimatmarkt, über zu viele Filialen, über zu hohe Kosten, über zu sparsame Kunden.

Wenn gar nichts mehr geht, wettern sie noch gegen das historisch gewachsene und politisch gewollte dreigliedrige Bankensystem. Wie ein Schuljunge, der eine schlechte Zensur mit zu langem Fernsehen zu entschuldigen versucht.

Irgendwie erinnert das Verhalten der drei Frankfurter Großbanken an die jüngsten Auftritte von DFB-Auswahlmannschaften bei Europameisterschaften: Entweder die hochbezahlten Profis scheitern – wie die vom Abstieg bedroht Dresdner Bank und die seit Jahren im Mittelmaß dümpelnde Commerzbank – bereits in der Vorrunde.

Oder sie rumpeln sich wie die Deutsche Bank durchs Turnier, schaffen es mit einer “Leistung ohne Leidenschaft” ins Endspiel, investieren ausgerechnet dann, wenn es darauf ankommt erneut zu wenig – und stehen am Ende mit leeren Händen da.

Nun ja, die Deutsche Bank wird die Niederlage verschmerzen können. Schließlich steht der Branchenprimus dank frühzeitiger Expansion nach Großbritannien und Amerika nicht so unter Druck wie Dresdner und Commerzbank.

Leider haben es Generationen von Managern nicht geschafft, die beiden Banken im Ausland zu verankern und damit die Schwäche auf dem Heimatmarkt auszugleichen. Ein nationaler Zusammenschluss wäre deshalb vermutlich die einzige Chance, um auf Dauer eigenständig zu bleiben.

Man darf gespannt sein, wer beim Rennen um die Dresdner Bank und die ebenfalls zum Verkauf stehende Postbank das Rennen machen wird. Versetzt die Deutsche Bank der Commerzbank den endgültigen Todesschoß und schnappt sich gleich beide Institute?

Oder schafft die Commerzbank das von Politikern wie Bundesfinanzminister Peer Steinbrück gewünschte industriepolitische Kunststück, einen zweiten “nationalen Champion” zu schmieden?

Oder kommt doch alles ganz anders, und ein weiterer Ausländer tritt auf den Markt und verdirbt den Fusionitis-Apologeten die herbeigesehnte Marktbereinigung.

Für die meisten Banker und vor allem die Kunden wäre es jedenfalls nicht das schlechteste, wenn sich erneut ein Ausländer durchsetzen würde. Konkurrenz belebt schließlich das Geschäft. Und sorgt ganz nebenbei für günstige Preise und eine größere Auswahl.

Eine spanische Santander oder eine britische Lloyds TSB – wie in der Presse kolportiert – würden dem deutschen Bankenmarkt jedenfalls gut zu Gesicht stehen.

Kommentare (2)

Comments
  1. Super-Kommentar! Hoffe Ackermann und die anderen Bonzen lesen das!

  2. Was ist an Industriepolitik denn so schlecht? Die Franzosen zeigen uns doch seit Jahren in anderen Industrien – Luftfahrt, Energie, Pharma – wie man seinen Einfluss systematisch ausbauen kann. Und jetzt geht es wohl auch im Bankensektor los. Wenn die Deutschen nicht aufpassen, dann heißt es bald vielleicht schon “Gute Nacht, Bankenplatz Deutschland”.

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