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Bonus-Runde 2005: “Gewinner und Gewinner”

Nachdem die wichtigsten Investmentbanken die Bonuszahlungen für ihre Angestellten in Frankfurt festgelegt haben, zeichnen sich steigende Zahlungen ab. Vom absoluten Gehaltsniveau der Wall Street ist man aber noch weit entfernt.

Die Meldungen aus New York und London überschlugen sich in Superlativen: Auf 21,5 Mrd. US-Dollar (17,8 Mrd. Euro) wird das Gesamtvolumen der an die Investmentbanker der Wall Street ausgeschütteten Bonifikationen für das Geschäftsjahr 2005 geschätzt. Das ist so viel noch nie zuvor, selbst in den absoluten Börsen-Boomjahren 1999/2000 wurde weniger gezahlt. Genauso in London: Die Bonuszahlungen der Banker in der City dürften rund 7,5 Mrd. britische Pfund (10,9 Mrd. Euro) betragen, rund 16 % mehr als im Vorjahr und ebenfalls absoluter Rekord.

Die Rekordergebnisse der Investmentbanken und der Investmentbanking-Abteilungen der Großbanken in Deutschland, die in den letzten Wochen reihenweise vermeldet wurden, ließen auch die Frankfurter Banker auf deutliche Prämiensteigerungen hoffen. Zwar gibt es aus Frankfurt keine “offiziellen” Schätzungen, doch nachdem die wichtigsten Institute ihren Mitarbeitern die Höhe der Prämien mitgeteilt haben, können die Personalberater der Main-Metropole sehr genau abschätzen, wie die Zahlungen ausgefallen sind.

Leichte Steigerungen in Frankfurt

“Es zeichnet sich ab, dass sowohl im Bereich Fixed Income als auch im Bereich Equities die Bonifikationen gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen sind,” fasst Tim Zühlke, Partner der auf den Kapitalmarkt spezialisierten Personalberatung Smith & Jessen, den Trend zusammen.

Damit findet sich ein Teil der rekordverdächtigen Ergebnisse der Investmentbanken in den Taschen Frankfurter Banker wieder. Während einige Banker moderate Steigerungen ihrer Bonifikationen registrieren, finden manche doch spürbar mehr Geld als im vergangenen Jahr in ihren Lohntüten.

“Es gibt hier keine Verlierer und Gewinner, es gibt nur Gewinner und Gewinner,” interpretiert Andreas Halin, Consultant in der Frankfurter Niederlassung der Executive-Search-Beratung Spencer Stuart, die Entwicklung positiv. “In Bereichen wie Debt Capital Markets sind die Steigerungen moderat zu nennen, was aber am hohen Ausgangsniveau des Vorjahres liegt. Im Mergers & Acquisitions-Geschäft dagegen sehen wir doch erhebliche Anstiege im Bereich zwischen 30 und 40%. Auch der Bereich Derivative zählt zu den Sektoren mit höheren Steigerungsraten.”

“Natürlich gibt es Bereiche, in denen die Bonifikationen merkbar gestiegen sind, z.B. im Bereich Aktienderivate,” bestätigt auch Zühlke. “Hier können die Banker durchschnittlich einen Anstieg von 15 % verzeichnen. In der Spitze bedeutet das durchaus Bonus-Steigerungen von 30 bis 40 %, während andere – entsprechend ihren Leistungen – natürlich auch leer ausgegangen sind.”

Die Unterschiede in der Höhe der Bonuszahlungen erklären sich nämlich nicht nur mit der unterschiedlichen Ertragslage der Abteilungen, sondern auch mit den individuellen Leistungen der Teams und jedes einzelnen Bankers. Hinzu kommt ein oft wenig transparentes Bewertungssystem, in dem die Leistungen der Investmentbanker von ihren Vorgesetzten, Kollegen und Mitarbeitern bewertet werden.

Geringeres Niveau am Main

Mit den Geschichten und Legenden, die aus New York und London nach Deutschland schwappen, hat die Bonus-Realität in Frankfurt aber nur wenig zu tun. Gern erzählt wird derzeit die Geschichte des Londoner Hedgefonds-Managers, der seine millionenschwere Bonuszahlung mit Champagner im Wert von umgerechnet 50.000 Euro feierte und anschließend der Bedienung noch rund 4.000 Euro Trinkgeld spendierte.

Ebenfalls oft zu lesen ist derzeit vom Lieferengpass, unter dem in New York City die Autohändler der Luxusmarken, allen voran Ferrari und Lamborghini, derzeit “leiden”. Dieser scheint den Frankfurter Autohäusern erspart zu bleiben. “In den USA wird viel mehr gezahlt, da gibt es auch eine ganz andere Struktur. Wer erwartet hat, dass jetzt in Frankfurt nur noch die 100 Euro teuren Flaschen Wein bestellt werden und die Porsche-Händler ihr Geld jetzt im Schlaf verdienen, der hat sich geirrt,” spielt Zühlke auf solche Geschichten an.

Andreas Halin weiß, dass für einzelne Banker in Frankfurt der individuelle Bonus ebenfalls bereits wieder über dem Niveau des Jahres 2000 liegt. “Die Volumina der Bonifikationen sind weltweit durchschnittlich um 20% gegenüber dem Vorjahr gestiegen,” schätzt er. “Das Volumen wird dabei auf wesentlich weniger Köpfe verteilt als es noch 2000 der Fall war – da muss es zwangsläufig auch in Frankfurt einige sehr glückliche Banker geben!”

Positive Aussichten

Für das Jahr 2006 können die Investmentbanker vom Main durchaus optimistisch sein. Weiterhin lebhafter Handel an den Aktienmärkten, insbesondere im Derivatesektor, gepaart mit einem weiterhin regen M&A-Bereich und einer Wiederbelebung des IPO-Marktes lassen die Aussichten für die Gewinnentwicklung bei den Investmentbanken weiterhin rosig erscheinen – und damit auch für die Entwicklung der Bonuszahlungen der Banker.

“Es wird mit größter Wahrscheinlichkeit wieder ein gutes Jahr,” formuliert Halin seine Erwartungen an die Entwicklung der Bonifikationen für das Geschäftsjahr 2006. Besonders gute Aussichten sieht er für Banker in den Bereichen M&A und Equities.

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