Weshalb keine der 100 besten Business Schools der Welt aus Deutschland stammt

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Ist Deutschland eine Managementwüste? Einen entsprechenden Schluss legen die Ergebnisse des jüngsten Rankings der englischen Financial Times zu den hundert besten Business Schools der Welt nah. Denn unter den 100 Topinstituten findet sich kein einziges zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen.

An der Spitze rangieren wie schon im Vorjahr die London Business School und die Wharton Business School an der Universität Pennsylvania - gefolgt von der Harvard Business School sowie Insead aus Frankreich. Mehr als die Hälfte der Business Schools stammen aus den Vereinigten Staaten (53). Auf den Plätzen zwei und drei folgen Großbritannien (15) und Kanada (5). Doch selbst in Südafrika, Costa Rica, Mexiko, Belgien und Dubai finden sich Topadressen.

Noch großer Nachholbedarf in Deutschland

Für Sina Schahram-Nia von Montalbetti Associates handelt es sich dabei um einen "virtual circle". Der Frankfurter Executive Search-Experte kann selbst einen Bachelor von Berkeley und einen Master von der London School of Economics vorweisen. Demnach locken die besten Universitäten die besten Professoren an, die besten Professoren ziehen die besten Studenten an und die besten Absolventen bekämen die besten Jobs.

Darüber hinaus seien die besten Business Schools meist an den besten Universitäten angesiedelt. Von den 99 Top Unis der Welt stammen laut einem chinesischen Ranking die meisten ebenfalls aus dem angelsächsischen Raum und lediglich fünf aus Deutschland. Dabei landet die bestplatzierte deutsche Hochschule, die Münchner Ludwig-Maximilians-Universität, gerade einmal auf dem 52. Platz.

Aufgrund der langen Historie der Eliteförderung hätten die angelsächsischen Universitäten einen sehr großen Vorsprung. Dagegen bestehen die meisten MBA-Programme in Deutschland erst seit wenigen Jahren und müssten sich einen Namen noch hart erarbeiten. "Spitzenklasse lässt sich nicht verordnen, wie es die Bundesregierung mit ihren Eliteuniversitäten' versucht", meint Schahram-Nia.

"Wenn Sie in der Champions League Fußball spielen wollen, gehen Sie ja auch nicht in die dritte Bundesliga, sondern z.B. zu Bayern München", ergänzt Schahram-Nia. Entsprechend schwierig sei es einen Professor von einer US-Eliteuni nach Deutschland zu locken, wo er vielleicht nicht einmal die Landessprache beherrsche.

Vollzeit-MBAs haben in Deutschland keine Tradition

Laut Peter Augustin von der WHU - Otto Beisheim School of Management in Vallendar richtet sich das Financial Times-Ranking stark an angelsächsischen Gegebenheiten aus. So werden nur Vollzeitprogramme berücksichtigt, während die in Deutschland beliebten Executive MBAs außen vor blieben. Bei den Rankings zu Executive MBAs schneide die WHU indes deutlich besser ab

So sei es in den USA üblich, dass Bachelor-Absolventen einige Jahre arbeiten und sich erst später für ein oder zwei Jahre aus dem Berufsleben verabschieden, um an einem Full-Time-MBA teilzunehmen. "Dagegen besteht in Deutschland immer noch der gängige Weg in einem Bachelor und einem direkt anschließenden Master of Science", sagt Augustin.

Ein Master of Science sei wissenschaftsorientierter und vermittle Fachkenntnisse, während ein MBA fachübergreifend Führungskenntnisse vermittele. "Da erlernt man wirklich das Managementhandwerk", ergänzt Augustin.

Doch für junge Bachelor-Absolventen, die eine Karriere in den Finanzdienstleistungen anstreben, spricht viel für einen Master of Finance. Denn besonders am Karrierebeginn stehen solide Fachkenntnisse im Vordergrund.

Anders als in den angelsächsischen Ländern bringt der klassische MBA-Teilnehmer in Deutschland bereits rund zehn Jahre Berufs- und fünf Jahre Führungserfahrung mit. In einer solchen Lebenssituation biete sich ein Executive MBA an. "Ein Herausgehen aus dem Job hat in Deutschland keine Tradition", betont Augustin.

Quelle: Financial Times

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