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Job-Mangel bei Aktien-Analysten

Senior-Positionen sind schwer zu finden, weil die Banken mit den Entlassungen fortfahren.

Das Investmentbanking ist bekannt dafür, zwischen Mangel und Überfluss zu schwanken. In der Realität gibt es allerdings auch Zwischentöne: Auch wenn die meisten Banker im Überfluss schwelgen, werden einige immer am Hungertuch nagen. Aktien-Analysten sind die neueste Gruppe, die unfreiwillig auf Nulldiät gesetzt wurde.

Letzte Weihnachten kam rund ein Drittel aller entlassenen Angestellten, die beim Outplacement-Berater Rialto Consultancy vorstellig wurden, aus dem Bereich Aktien-Analyse. Wie andere Bereiche des Bankings zuvor kommt nun der Research-Bereich in die Bedrouille. Die Wahl, die Analysten wie auch andere leidende Banker nun haben, ist ein Branchenwechsel oder abzuwarten, bis der Engpass vorbei ist.

Outplacement-Berater berichten, Researcher erleiden das selbe Schicksal wie 2000 die Unternehmensfinanzierer oder 2002 die Spezialisten für High-Yield-Bonds. Philip Beddows, Direktor bei Rialto: “Es gibt immer eine Tendenz zu Entlassungswellen in einem einzigen Sektor. Hat einmal eine Bank Leute freigesetzt, meinen die anderen, sie müssten das gleiche tun.” Das kann sehr kurzlebig sein: Nach Entlassungen im Jahr 2002 haben High-Yield-Abteilungen bereits 2003 wieder Leute eingestellt.

Beddows zufolge ebbt der Strom bei den Aktien-Analysten leicht ab. Aber es könnte wieder schlimmer kommen: Die Commerzbank verkündete letzten November Entlassungen im Aktien-Research, Goldman Sachs, Citigroup und die Deutsche Bank machen zusätzliche Einschnitte.

Die Entlassungswelle folgt einer Periode des langsamen Dahinvegetierens. Beddows berichtet, dass Aktien-Analysten seit 2001 stetig an Outplacement-Berater verwiesen wurden. Starmine, einem Rating-Service für Analysten, zufolge, fiel die Zahl der Analysten im Jahr 2004 um 13 %. Brad Hintz, Bankenanalyst bei Sanford C. Bernstein, der Aktien-Research-Abteilung von Alliance Capital, beobachtete, dass die Budgets für das Aktien-Research in den letzten beiden Jahren um 30 % gefallen sind. Bei Goldmann Sachs betrug die Kürzung Hintz zufolge sogar 40 %.

Das sind schlechte Nachrichten für die in diesem Bereich Arbeitenden. Recruiter befürchten, dass entlassene Analysten es schwer haben werden, adäquate Jobs zu finden, besonders wenn sie in Senior-Positionen sind und zudem auf schwächelnde Industrie-Sektoren wie Öl und Gas oder Zellstoffe und Papier spezialisiert sind. HSBC stellt zwar rund 100 neue Analysten ein, die meisten davon allerdings im mittleren und Junior-Bereich. Der Chef der Researchabteilung einer internationalen Investment-Bank befürchtet, dass erfahrene Kräfte schwer zu vermitteln sind: “Diese Leute sind nicht scharf darauf, den Bereich zu wechseln und sich neue Dinge anzutrainieren. Sie wissen, dass ihr Marktwert dann rapide abnehmen würde.”

Monima Siddique, Leiter von City Analytics, einem auf Analysten spezialisierten Headhunter, erklärt, dass sich Aktien-Analysten mehrere Möglichkeiten bieten, darunter der Wechsel in die Investor Relations eines Unternehmens, der Wechsel in die Kreditanalyse oder der Wechsel auf die Käuferseite.

Laut Tim Zühlke, Recruiter bei Smith & Jessen in Frankfurt, können Analysten auch zu Hedgefonds wechseln oder als sog. Desk-Researcher arbeiten und als solche die Eigenhändler zu beraten.

Keine dieser Optionen erscheint leicht. Laut Zühlke sind Positionen bei Hedgefonds oder im Desk Research schwierig zu finden. Siddique berichtet, Fondsmanager seien immer weniger bereit, ehemals für die Verkäuferseite arbeitende Analysten einzustellen, und Aktien-Analysten, die in den Kreditbereich wechseln, müssten umgeschult werden und erst die Zinsstrukturkurve lernen. Nicht alle sind wohl dazu bereit.

“Wenn sich die Leute Risikomodellierung beibringen, oder lernen, Derivate zu bepreisen, sind sie leichter zu vermitteln”, so Siddique.

Ihrem Unwillen zur Umschulung zum Trotz erwarten die meisten Aktien-Analysten, dass die Schlappe anhält. Einer, der erst vor kurzem seinen Job verloren hat, befürchtet, dass der Sektor für mindestens weitere fünf Jahre am Boden bleiben wird. Er erklärt, dass das Research durch eine Kombination aus sinkenden Provisionen und steigenden Compliance-Kosten bedroht wird. “Für den Moment bedeutet dies das Ende des Researchs, wie wir es kennen. Aber irgendwann werden die Fondsmanager feststellen, dass die Performance ohne das Research von Spezialisten unter Druck gerät. An diesem Punkt werden sie wieder beginnen, dafür zu zahlen”, sagt er.

Nur wenige Analysten werden das so lange aussitzen. Laut Siddique beginnt die Uhr für die Arbeitsfähigkeit zu ticken, sobald die Analysten die Papiere erhalten. Michael Moran, Managing Director bei Fairplace Consulting, einem Outplacement-Berater in der Londoner City, erklärt, entlassene Bankangestellte hätten maximal 12 Monate, um eine neue Anstellung zu finden. In dieser Zeit sollten sie idealerweise branchenbezogene Beratungsarbeit leisten.

“Nach 12 Monaten ist man den Leuten zu weit vom Markt entfernt”, sagt Moran.

Aktuelle Beispiele zeigen jedoch, dass ein verlängertes Sabbatical oder eine Periode mit Beratungsarbeit nicht immer gleichbedeutend mit einem Karriere-Selbstmord sein muss. Im Januar heuerte Greg Mazur als Managing Director und Chef der M&A-Abteilung für Asien bei Merrill Lynch an, nachdem er ein zweijähriges Sabbatical bei der Citigroup genommen hatte. Jin Khang, ehemaliger Eigenhändler bei Kidder Peabody, handelte sechs Jahre lang selbstständig auf eigene Rechnung, bevor er letzten Oktober den Hedgefonds Opus Prime Capital gründete.

Piers Hartland-Swann, ehemals auf Telekommunikationsunternehmen spezialisierter Banker bei Bear Stearns, verbrachte seine Zeit außerhalb der Branche als selbstständiger Berater. Er rät Bankern, sich nicht auf zyklische Industriesektoren zu spezialisieren, in denen Entlassungen in Zeiten des Abschwungs wahrscheinlich sind.

Wie Hartland-Swann beschreibt, ist dies aber nicht immer möglich. Nachdem er sich zunächst auf den Öl- und Gassektor spezialisiert hatte, wandte er sich dem Telekommunikationsbereich zu in der Annahme, das dieser als ein Teil der Versorgungsindustrie relativ konstant bleiben würde. “Ich hatte keine Ahnung, dass gerade der Telekom-Boom begann.”

Zwei Jahre nachdem er Bear Stearns während des Crashs des Telekommunikationsmarkts verlassen hat, ist er nun zurück bei MacArthur & Co, einem Londoner Corporate-Finance-Haus. Diesmal jedoch will er Generalist sein. Leidende Aktien-Analysten mögen die selbe Schlussfolgerung ziehen.

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