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Eine wahre Achterbahnfahrt der Branche: Die Gewinner & Verlierer 2011 in Deutschland

Rollercoaster

Actually, this looks like the upturn

Das Jahr 2011 glich in der Finanzdienstleistungsbranche einer Achterbahnfahrt: Zunächst ging es steil bergauf, um anschließend rasant nach unten zu sausen. Konkret:

Zunächst hielt die Erholung des Finanzdienstleistungsbranche aus 2010 an: Der DAX erreichte mit 7600 Punkten ein ganz beachtliches Jahreshoch, die Bankgewinne sprudelten und auf dem Arbeitsmarkt warteten reichlich Chancen.

Doch das Glück sollte nicht allzu lange währen. Die schwelende Staatsschuldenkrise sollte im Spätsommer zu einem Börsenabsturz führen und langsam die Realwirtschaft ausbremsen. Kaum verwunderlich, dass auch die Bankenbranche und der dazugehörige Arbeitsmarkt in neue Turbulenzen geriet.

Daher besteht in unserem Jahresrückblick „Die Gewinner und Verlierer in 2011“ kein Mangel an Verlieren, sondern an Gewinnern:

Die Verlierer sind…

Die WestLB-Mitarbeiter

Für die noch 4300 Mitarbeiter der WestLB dürfte dies das letzte Weihnachtsfest bei der drittgrößten deutschen Landesbank sein. Denn pünktlich zum Jahresende hat EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia einen Schlussstrich unter das 1969 gegründet Kreditinstitut gezogen.

Das Urteil über die Düsseldorfer Geldvernichtungsmaschine seitens der EU-Kommission fällt denn auch vernichtend aus: „Ihr Niedergang ist auf die Umstellung ihres Geschäftsmodells von einer Regionalbank, die Serviceleistungen für die Sparkassen erbringt, zu einer Investmentbank, die übermäßige Risiken eingeht, zurückzuführen.“

Den Plänen zufolge soll die sogenannte Verbundbank mit dem Dienstleistungsgeschäft für die nordrhein-westfälischen Sparkassen samt 400 Beschäftigten ausgegliedert werden. Was darüber hinaus nicht bis Ende Juni 2012 verkauft ist, wird entweder in die Bad Bank „Erste Abwicklungsanstalt“ oder in eine Serviceplattform überführt und aufgelöst.

Doch nachdem der Verkauf der Westimmo an den Finanzinvestor Apollo vor einigen Tagen gescheitert ist und HSBC Trinkaus sich aus dem Bieterverfahren für das Mittelstandsgeschäft verabschiedet hat, sind Interessenten an Teilen der WestLB nicht in Sichtweite. Allenfalls die Helaba käme noch für die Übernahme von Teilen des Firmenkundengeschäfts der WestLB in Betracht. Doch selbst im besten Fall dürften deutlich mehr als 3000 Stellen dem Rotstift zum Opfer fallen.

Die BHF Bank-Mitarbeiter

Die Mitarbeiter der BHF Bank erlebten in 2011 ein Wechselbad der Gefühle. Ebenfalls pünktlich zu Weihnachten 2010 verkündete die Deutsche Bank, die durch die Übernahme von Sal. Oppenheim in den Besitz der BHF Bank geraten war, exklusive Verkaufsverhandlungen mit der LGT Bank. Die Liechtensteiner wollten über die BHF Bank einen Fuß in die Tür des lukrativen deutschen Wealth Management-Geschäfts bekommen.

Bis zum April waren sich Deutsche Bank und LGT einig und die Verträge lagen unterschriftsreif auf dem Tisch. Doch noch bevor Tinte das Vertragswerk benetzte, blies die Finanzaufsicht BaFin die ganze Angelegenheit ab. Obgleich die Gründe offiziell nie dargelegt wurden, dürfte der Investor aus dem ehemaligen Steuerparadies den deutschen Behörden dubios vorgekommen sein. Damit steht die Zukunft der noch über 1000 Mitarbeiter in Frage und auch hier stehen Investoren nicht Schlange. Die LGT Gruppe hat sich zwischenzeitlich von ihren übrigen Aktivitäten in Deutschland getrennt.

Die Investmentbanker im Fixed Income-Geschäft

Das Akronym FICC steht im Investmentbanking für das Geschäft mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen (Fixed Income, Currencies and Commodities). Doch zumindest die ersten beiden Buchstaben des Akronyms verbreiten bei Investmentbankern neuerdings Angst und Schrecken. Denn die Zentralbanken weltweit haben es auf das lukrative Geschäft mit strukturierten Fixed Income-Produkten abgesehen, die in 2008/9 maßgeblich zur Finanzkrise beigetragen hatten. Dazu haben die Zentralbanken offenkundig das richtige Instrument gefunden: Basel III.

Demnach werden die Eigenkapitalanforderungen der Banken für viele Fixed Income-Geschäfte kräftig angehoben. Die Folge: die Kosten für das Eigenkapital für derartige Geschäfte schnellen derart in die Höhe, dass diese für die Banken unattraktiv werden. Somit haben diverse Banken rund um den Globus angekündigt, entsprechende Bilanzpositionen abzubauen und die dazugehörigen Mitarbeiter vor die Tür zu setzen. Wer einen Job in diesem Bereich sucht, dürfte für lange Zeit nicht viel Freude haben.

… und die Gewinner sind

HSBC Trinkaus & die Auslandsbanken

Das Leid der einen ist die Chance der anderen. So eröffnet der Niedergang der deutschen Landesbanken das Firmenkundengeschäft für ausländische Wettbewerber. Diese haben in der vergleichsweise stabilen wirtschaftlichen Situation Deutschlands eine Möglichkeit zur Diversifikation ihres Geschäftes erkannt und so in 2011 Personal aufgebaut.

Das beste Beispiel für diesen Trend ist HSBC Trinkaus in Düsseldorf, die eine Tochter der britischen Großbank HSBC mit rund 300.000 Mitarbeitern weltweit ist. Während nahezu alle anderen Banken ihren Mitarbeiterstamm seit Jahren mehr oder weniger schnell abbauen, wurden bei HSBC Trinkaus neue Stellen geschaffen. Die Zahl der Mitarbeiter stieg binnen Jahresfrist bis zum 30. September um 9,2 Prozent auf 2566 Beschäftigte. Doch ob der Wachstumsprozess so weitergeht, ist nach der misslungenen Übernahme des WestLB-Mittelstandsgeschäftes zweifelhaft.

Global Transaction Banking

Auch der zweite Gewinner hängt eng mit der erfolgreichen deutschen Realwirtschaft zusammen. Denn Deutschland exportierte im 2011 erstmals Waren und Dienstleistungen im Wert von über 1 Billion Euro. Diese Handels- und Geldströme müssen natürlich finanziert werden, was üblicherweise als Global Transaction Banking bezeichnet wird. Dieser Sektor generiert zwar relativ niedrige aber stetige Erträge, weshalb die Banken das Geschäft seit der Finanzkrise zu schätzen gelernt haben.

Bestes Beispiel hierfür ist die Deutsche Bank, wo die Mitarbeiterzahl im Global Transaction Banking seit 2009 um 25 Prozent auf 4417 Beschäftigte zugelegt hat. Obgleich ein erklecklicher Teil des Zuwachses auf die Akquisition von Geschäftsbereichen ABN Amros zurückgeht, rechnen Headhunter damit, dass internationale Großbanken diesen Bereich auch weiterhin ausbauen werden.

Consulting

Die Zahl der Baustellen in der deutschen Bankenbranche hat in 2011 keinesfalls abgenommen. So geht die Konsolidierung des deutschen Landesbankensektors nur schleppend voran, die Commerzbank hat eine neue riesige Eigenkapitallücke aufgetan und die Deutsche Bank muss die Postbank integrieren und die BHF Bank loswerden – um nur einige zu nennen.

Doch jede Baustelle benötigt Bauarbeiter. Übertragen auf die Banken bedeutet dies, dass ein immenser Beratungsbedarf in jeglicher Hinsicht besteht. Somit machte die Consulting-Branche mit den Banken glänzende Geschäfte und Consultants mit einem entsprechenden Background hatten in 2011 beste Berufschancen in Deutschland. Denn das schöne an einer Achterbahnfahrt ist, dass es nach einer rasanten Abfahrt immer auch wieder aufwärts geht.

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