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GASTKOMMENTAR: Die traurige Geschichte von der Jobsuche eines Freundes

On the road, searching

Ich habe einen Freund Ken. Ken arbeitete früher im Eigenhandel einer Großbank, später wurde er jedoch an den Flow-Desk versetzt. Ken ist auf der Suche nach einem neuen Job, doch damit hat er schwer zu kämpfen. Hier die Geschichte von Ken:

Ken erhielt im April ein Angebot von einer zweitrangigen Adresse. Doch er lehnte das Angebot ab, weil er sich mit dem Team nicht anfreunden konnte. Denn der Chef des Team neigte zum Trinken und war ein Frauenheld, während Ken das ruhige Leben bevorzugt und Einladungen zu einem Kneipenzug mit seinen Kollegen regelmäßig ausschlägt. Ihn störte auch, einen zweitklassigen Namen in seinem Lebenslauf zu haben und dass die Bank lediglich seine aufgeschobene Bonuszahlungen übernehmen wollte. „Wenn Sie mir ein besseres Vergütungspaket mit höheren Barzahlungen angeboten hätten, dann hätte ich das angenommen“, wie er damals arrogant erklärte.

Rückblickend hat der arme Ken damit seine Chance verpasst. Seither hat er nichts auch nur annähernd gleichwertiges finden können. Dabei musste er viele Vorstellungsgespräche mit anderen zweitrangigen Banken erdulden. Doch die Prozesse zogen sich derart in die Länge, dass er von denselben Leute immer wieder befragt wurde. Seit dem ersten Vorstellungsgespräch ist bereits so viel Zeit vergangenen, dass sie nicht einmal mehr wissen, von welchem Headhunter er vorgestellt wurde.

Immer wenn Ken schon dachte, dass er den Job habe, sind die HR-Manager im letzten Moment abgesprungen. Er würde auch gerne auf eigene Rechnung handeln und er hat in der Vergangenheit bereits auf der Buyside gearbeitet, weshalb er den Druck kennt, sein eigenes Portfolio zu verwalten. Allerdings stört ihn dabei, über kein geregeltes Einkommen zu verfügen.

Da er an einem Flow-Desk ohne Spielraum für eigene Trades arbeitet, verfügt er auch nicht über einen aktuellen Track-Record. Damit befindet er sich in einer Sackgasse, denn um auf die Buyside zu wechseln, muss man belegen können, dass man in der Lage ist, Geld zu generieren.

Ken stört sich nicht daran, mit einem niedrigen Basisgehalt anzufangen. Doch seine Anforderungen an die Infrastruktur und die Höhe der Gewinnbeteiligung, bevor er bereit ist, von einer Großbank zu einem kleinen Hedgefonds zu wechseln, sind so unrealistisch, als wenn Libyen zu mediterranem Reiseziel des Jahres 2011 gewählt würde.

Im derzeitigen Umfeld steckt er fest. Entweder bessert sich die Lage oder Ken muss seine Erwartungen herabschrauben. Ich rechne persönlich nicht damit, dass eines von beidem demnächst eintreten wird.

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