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Sorgen Sie schon jetzt für die Hundstage vor

Nach einem viel versprechenden Jahresbeginn haben die Personaler im Finanzbereich einen Gang zurückgeschaltet. Zwar wird nach Angaben von Headhuntern keins der Institute im Ruin enden, jedoch ist auch niemand komplett ausgelastet. Eine Umfrage der Vereinigung der Executive Search Berater (Association of Executive Search Consultants) belegt, dass die Aufträge in der Finanzdienstleistungsbranche im ersten Quartal um 5,1 Prozent zurückgegangen sind.

Guy Davies vergleicht die Arbeitsmarktsituation mit der des Jahres 1997 und bezeichnet sie als etwas “ereignisarm”. Als Managing Director ist er bei Hogarth Davies Lloyd für die Geschäftsfelder Aktienmärkte, Investment Banking und Asset Management zuständig.

“Der Markt hat sich zu Beginn des Jahres entgegen unserer Erwartungen entwickelt. Es hat sich nicht wirklich ein bestimmtes Thema herauskristallisiert. Wir haben viel zu tun, aber die Aufgaben verteilen sich über eine breite Palette von Produktengebieten, von denen nur ein paar Neueinstellungen sind, einige strategischer Natur und andere Personalaufstockungen sind”, meinte Davies.

“Es ist recht ruhig, obwohl wir in allen Bereichen kontinuierlich damit beschäftigt sind, das Personal aufzustocken”, sagt Simon Vaughan Edwards, Recruiter im Bereich Aktienmärkte bei Alexander Mann.

Was ist schief gelaufen? Nach Angaben der Boston Consulting Group war das erste Quartal 2005 das beste im Aktienhandel seit 2001 mit im Vergleich zum vierten Quartal 2004 um 24 Prozent gestiegenen Erlösen. Die HSBC äußerte bereits Pläne, bis zu 100 neue Stellen im Bereich Aktienresearch zu schaffen und stellte Paddy Burrows, Banker der Deutschen Bank, als Global Head des Aktienkonsortiums ein.

Seitdem ist den Aktienmärkte jedoch die Puste ausgegangen. Recruiter berichten, dass Banken wie die HSBC vorsichtiger geworden seien. In einer Umfrage aus dem letzten Monat sagten Analysten der Credit Suisse First Boston, dass das europäische Handelsvolumen im April gefallen sei und äußerten die Befürchtung, dass für die Aktienabteilungen die Zeiten noch schlechter werden könnten, da die geschwächten Hedge Fonds geringere Gebühren einbringen würden.

Der Einstellungsrückgang beschränkt sich jedoch nicht nur auf den Bereich Aktienmärkte. Trotz einiger Wechsel von Bankern wie Michael Vereker und Giuseppe Bivon von Morgan Stanley und Nick Wiles von JP Morgan Cazenove, glauben Recruitingexperten, dass sich der Einstellungsstand im Bereich Corporate Finance auf dem Niveau des vergangenen Jahres befindet. Jonathan Baines, Director bei Whitehead Mann, meint, dass bei den meisten Neueinstellungen lediglich Lücken gefüllt worden seien. “Es hat nur wenig grundlegendes Wachstum gegeben”, berichtet Baines. Whitehead Mann hat erst in der vergangenen Woche einen Vorsteuerverlust von 29 Millionen Euro (19,6 Millionen britische Pfund) bekannt gegeben.

Sogar Junior-Financiers, die im vergangenen Jahr noch hoch im Kurs standen, scheinen aus dem Rennen zu sein: Die einschlägigen Stellenteile quellen längst nicht mehr mit Jobangeboten für erfahrene Associates über.

“Die Branche ist zur Ruhe gekommen”, meint auch James Heath, Managing Director bei Greenwich Partners, einem auf Junior-Positionen spezialisierten Headhunter. “Es besteht immer noch ein Bedarf an hoch qualifizierten Junior-Beratern, aber die Nachfrage steigt längst nicht mehr so vehement wie im vergangenen Jahr an.”

Vasco Moren, Leiter der Researchabteilung bei Keefe Bruyette and Woods, einer auf Finanzdienstleistungen spezialisierten Investmentbank, erklärt, dass die schwächlichen Rentenmärkte nur die Glasur auf dem allgemein glanzlosen Einstellungskuchens seien. Die festverzinslichen Märkte gingen zurück; die Aktienmärkte und der Bereich Corporate Finance würden im Gegenzug jedoch auch nicht anziehen.

Ellen Yaffe ist Gehaltsspezialistin und Head of Markets bei Rose Partnership, einem Londoner Headhunter. Sie meint, dass der Großteil des Pensionsgeschäfts bereits verteilt sei: “Die meisten Unternehmen ergreifen die Gelegenheit, um die bestehenden Teams zu stützen und ihre Lücken zu füllen.” Aus diesem Grund waren die Royal Bank of Scotland und Barclays Capital, die beide im vergangenen Jahr Neueinstellungen im Fixed-income-Bereich angekündigt hatten, im letzten halben Jahr deutlich weniger in den Medien präsent.

Innerhalb des Rentenmarkts konzentrierten sich Angaben Yaffes zufolge die Aktivitäten auf komplexe Derivate.

“Der Wechsel zu Derivaten ist weiterhin ein wichtiges Thema: Die meisten Banken stellen Berater ein, die Produkte mit hohem Mehrwert und hohen Margen entwerfen können”, meint sie.

Dennoch glaubt Russell Clarke, Director beim Headhunter Mantis Partner, dass sich der Einstellungsschwerpunkt auch im Bereich Derivate geändert hat: Während die Banken im vergangenen Jahr an Experten im Bereich Structured Finance interessiert waren, stehen in diesem Jahr Fachkräfte für hybride Produkte hoch im Kurs.

Nichtsdestotrotz ist Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Vaughan Edwards glaubt zum Beispiel, dass die Bank of America ein Aktienderivate-Team aufbauen möchte. Nachdem die Citigroup erst kürzlich ein Team von Corporate Brokers bei der ABN Amro Hoare Govett abgeworben hat, seien Gegenmaßnahmen unvermeidlich.

Einige britische Headhunter im Bereich Corporate Finance sehen sogar Deutschland als möglichen Kernmarkt, auch wenn ihre deutschen Kollegen das bezweifeln. Andreas Weik von Hofmann Heads glaubt, dass der Frankfurter Markt brach liege. Jürgen Merken von MB Consulting erzählt, dass die Banken vereinzelt im M&A-Sektor das Personal aufstocken würden, da sie von einem Aufschwung des Marktes ausgingen.

Wenn die Banken nicht schon eingestellt hätten, sei es nach Ansicht der Headhunter unwahrscheinlich, dass in den nächsten Monaten die Zahl der Neueinstellungen noch signifikant ansteigen würde. Das erste Halbjahr ist die wichtigste Zeit für Neueinstellungen, sagt Vaughan Edwards von Alexander Mann. Anschließend hätten die Berater umfangreichere Prämien angesammelt, weshalb die Bereitschaft der Banken, die Berater auszuzahlen, zurückginge.

Im Jahr 2004 war das allerdings nicht ganz richtig, denn Unternehmen wie Barclays Capital und Nomura haben bis in den Dezember hinein Personal eingestellt. Allerdings erwarten nur wenige auch in diesem Jahr einen goldenen Herbst. Analysten von Credit Suisse First Boston beschreiben den Investment-Banking-Markt als ” Schwachstelle”. JP Morgan und Morgan Stanley haben bereits vor einem Gewinnrückgang gewarnt, der über dem Erwarteten liegen soll.

Für Europas Finanz-Headhunter scheint damit der ideale Zeitpunkt für einen besonders langen Urlaub gekommen zu sein.

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