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KOMMENTAR – Verwirrende Meinungsvielfalt von der Deutschen Bank

In der Krise brauchen Bankmitarbeiter vor allem eins: eine klare Ansage zur Lage und eine gute Führung. Nimmt man das als Maßstab, ist das, was sich derzeit bei der Deutschen Bank abspielt, eigentlich unglaublich.

“Die Finanzkrise ist weit davon entfernt, vorüber zu sein”, warnte Risiko-Vorstand Hugo Bänziger am Montagabend auf einer Veranstaltung in Frankfurt. “Das Finanzsystem hat den Vertrag mit der Gesellschaft gebrochen”, stellte er in einem Anflug von Pathos fest. Schlimmer noch: Kurzfristig ist keine Besserung in Sicht. Es werde Jahre brauchen, um diesen Vertrag wieder herzustellen, so der Schweizer.

Zwölf Stunden später und achthundert Kilometer weiter nordwestlich scheint sein Chef und Landsmann Josef Ackermann diesen mehrjährigen Zeitsprung schon hinter sich zu haben. Während einer Bankenkonferenz in London sprach der Reservegeneral am Dienstagmorgen nämlich von einer “gewissen Stabilisierung der Marktbedingungen”. Bereits in den vergangenen Wochen hatte Ackermann von einem erfreulichen Jahresstart mit Erträgen deutlich über denen im Vorjahr gesprochen.

Zufall oder nicht: Erst vor wenigen Wochen hat ein dritter Deutsch-Banker mit großem Ego, Chefvolkswirt Norbert Walter, ebenfalls die Schlagzeilen beherrscht, als er seine bis dato optimistische Weltsicht widerrief und für das laufende Jahr einen Wachstumseinbruch von fünf Prozent vorhersagte.

Was eint die drei: Sie haben (vermutlich) ihr letztes Jahr in ihrer jetzigen Position vor sich. Walter geht bald in den Ruhestand, Ackermann nach Ablauf seines Vertrages im kommenden Jahr wohl zurück in die Schweiz – und Bänziger? Der würde Ackermann gerne beerben und will deshalb vor allem öffentlich in kein Fettnäpfchen treten.

Dabei gehört das doch eigentlich zum Jobprofil eines Deutsche-Bank-Chefs dazu wie Peanuts in die Butter. Es ist schließlich erst ein Jahr her, als sein Noch-Chef den optimistischen Propheten gab und salbungsvoll den “Anfang vom Ende der Krise” kommen sah.

Fragt sich bloß, wie am Ende der größte Konzernverlust der Nachkriegsgeschichte zu Buche stehen konnte.

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