600 WestLB-Mitarbeitern droht Abwicklung: Sparkassen booten HSBC Trinkaus aus

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Die Sparkassen haben es wieder einmal geschafft, den Einbruch einer Geschäftsbank in den öffentlichen Bankensektor abzuwehren. So hat sich die HSBC Trinkaus jetzt aus dem Bieterverfahren für das lukrative Mittelstandsgeschäft der WestLB zurückgezogen.

In der Unternehmensmitteilung macht die Düsseldorfer Tochter der britischen HSBC kaum verklausuliert die Sparkassen für das Scheitern der Übernahme verantwortlich. Dort heißt es wörtlich:

"Mit der Helaba hat sich zudem ein Bieter im Bieterprozess etabliert, der Interesse an dem Portfolio der gehobenen Mittelstandsfirmenkunden der WestLB AG deklariert. Auf der Basis der von HSBC Trinkaus verwendeten Modellrechnungen zeigt sich bereits in dieser Phase, dass ein großer Teil aus diesem Portfolio sowohl für HSBC Trinkaus als auch für die Helaba von Interesse ist. Mit dem Eintreten eines Mitbieters mit Nähe zum Gesellschafterkreis der WestLB AG sieht HSBC Trinkaus die Möglichkeit, ein den eigenen Zielen entsprechendes Portfolio erwerben zu können, als gering an."

Mit dem "Mitbieter mit Nähe zum Gesellschafterkreis" spielt HSBC Trinkaus auf Rolle der Sparkassen an. Diese halten an der WestLB 50 und an der Helaba sogar 85 Prozent und wollen die sogenannte Verbundbank aus der WestLB herauslösen und in einem zweiten Schritt an die Helaba andocken.

Dabei bemüht sich die Helaba mit den Sparkassen im Rücken offenkundig darum, auch die lukrativen Teile des Mittelstandsgeschäfts der WestLB nicht in die Hände einer Geschäftsbank fallen zu lassen. Jedenfalls trat die Helaba als konkurrierender Bieter um das Mittelstandsgeschäft auf.

Entsprechend klagt HSBC-Trinkaus: "Trotz intensiver Gespräche auch mit den Eigentümern der WestLB AG konnte bislang keine Einigung zur Exklusivität erzielt werden."

Dabei dürfte im Laufe der Zeit die Attraktivität des Mittelstandsgeschäft sinken. Denn zum einen schauen sich gerade die Leistungsträger unter den Mitarbeitern nach einem neuen Job um und zum anderen drohen die Kunden aufgrund der ungewissen Zukunft abzuspringen.

"Angesichts dessen und der inzwischen nachhaltigen Verzögerung im Ablauf kann nicht mehr gewährleistet werden, die Transaktion in einem für HSBC Trinkaus akzeptablen Zeitrahmen abzuschließen", kritisiert die Düsseldorfer HSBC-Tochter.

Die Verlierer bei dem Poker um das WestLB-Mittelstandsgeschäft stehen dabei auch schon fest. Denn mit einer Akquisition des Geschäftsportfolios wären rund 600 der noch rund 4400 Arbeitsplätze bei der WestLB gesichert gewesen.

WestLB-Chef Dietrich Voigtländer warnt schon einmal vorsorglich: "Der Vorstand bedauert den Rückzug von HSBC Trinkaus & Burkhardt aus dem Bieterprozess. Damit steht eine aussichtsreiche Option, anerkannte Kompetenzen und zahlreiche Arbeitsplätze der WestLB - insbesondere in Düsseldorf - nachhaltig zu sichern, nicht mehr zur Verfügung." Die betroffenen Mitarbeiter können nur noch hoffen, bei der Helaba unterzukommen. Doch dies ist keinesfalls gewiss. Ansonsten droht die Abwicklung.

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