Der große Geheimniskrämer: Wer ist Ivan Glasenberg?

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Dort wo richtig Geld verdient wird, herrscht Diskretion. So ist über den Mann an der Spitze eines der größten Unternehmen der Schweiz nur wenig bekannt und auch Fotos sind kaum erhältlich. Es handelt sich um Ivan Glasenberg, der den Schweizer Rohstoffhändler und Minenbetreiber Glencore leitet. Das Unternehmen hat in 2009 einen Umsatz von immerhin gut 106 Mrd. US-Dollar verbucht.

Dagegen ist der deutsche Chemiegigant BASF mit rund 105.000 Mitarbeitern und 50,7 Mrd. Euro Umsatz geradezu ein Zwerg. Selbst der Schweizer Lebensmittelriese Nestlé kann mit einem Umsatz von 105,6 Mrd. Franken nur knapp mithalten.

Glencore gehört seinem Management

Doch anders als die beiden Blue Chips befinden sich die Aktien nicht im Streubesitz. Vielmehr gehört Glencore seinen leitenden Mitarbeitern wie z.B. Ivan Glasenberg. Und diese Mitarbeiter dürften in den zurückliegenden Jahren gut Kasse gemacht haben.

So hat das Unternehmen mit gerade einmal gut 2000 Mitarbeitern nach eigenen Angaben im Krisenjahr 2009 einen Nettogewinn von 2,7 Mrd. US-Dollar verbucht, nach 4,7 Mrd. Dollar im Vorjahr.

Doch der Weg zu dieser höchst einträglichen Beschäftigung scheint bevorzugt über den internen Aufstieg zu führen, wie das Beispiel Glasenberg zeigt. Daher dürfte es wenig Sinn machen, den Lebenslauf hervorzuholen und nach Baar zu schicken, wo Glencore im Niedrigsteuerkanton Zug residiert.

Glasenberg wurde 1958 in Südafrika geboren - mithin wurde ihm der Umgang mit Rohstoffen quasi in die Wiege gelegt. Der studierte Controller mit einem australischen Pass stieg bereits 1984 bei Glencore ein - das damals allerdings noch unter einem anderen Namen firmierte.

Glasenberg arbeitete als Manager bei einer südafrikanischen Tochter und organisierte Käufer für Kohle - was zu Zeiten des Apartheidsregimes und eines Uno-Embargos eine heikle Aufgabe darstellte, die der geborene Südafrikaner offenbar zur Zufriedenheit erfüllte. Denn Glasenberg drang unter Unternehmensgründer Marc Rich - nomen est omen - in erlauchten Kreis der Miteigentümer von Glencore vor. Später arbeitete Glasenberg für das Unternehmen in Hongkong und Peking.

"Ivan ist sehr geschickt"

"Ivan ist sehr geschickt und versteht das Rohstoffgeschäft besser als jeder andere", urteilte der ehemalige Morgan Stanley-Chef John Mack einmal. Und dieses Wissen ist für die geschäftlichen Aktivitäten von Glencore unabdinglich.

"Metalle, Mineralien und Energieprodukte sind die Hauptgeschäftsbereiche, aber es handelt sich auch um einen großen Händler von Agrarprodukten. In 2009 entfielen 57 Prozent des Geschäfts auf Energieprodukte, 32 Prozent auf Metalle und Mineralien sowie 11 Prozent auf Agrarprodukte", heißt es in einer Analyse von Christopher Street Capital.

Der Unternehmenswert wird dort auf 44 Mrd. US-Dollar geschätzt. Darunter fallen diverse Mineninvestitionen sowie ein 35prozentiger Anteil am Konkurrenten Xstrata.

Öffnung für Investoren als Meilenstein der Unternehmensgeschichte

Doch die Investitionen in Rohstoffquellen werden immer aufwändiger und kapitalintensiver. Daher hat das Unternehmen im Dezember eine Wandelanleihe in Höhe von 2,2 Mrd. Dollar platziert. "Diese Transaktion, mit der Glencore sein Eigenkapital für Investoren von außen öffnet, stellt einen wichtigen Meilenstein dar, indem wir die nächste Stufe unserer Unternehmensentwicklung in Angriff nehmen", heißt es in dem Anleiheprospekt.

Selbst ein Börsengang oder eine Fusion mit Xstrata erscheint als nicht ausgeschlossen. Dann dürften die Zeiten der Geheimniskrämerei endgültig passé sein.

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