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Erstmals kündigt Volksbank betriebsbedingte Entlassungen an

Die Volksbank Kirchheim-Nürtingen will ihre Personaldecke deutlich ausdünnen. Um zukunftsfähig zu bleiben und bessere Konditionen bieten zu können, müsse die genossenschaftliche Bank zum 1. April 2010 Stellen abbauen und 58 Mitarbeiter betriebsbedingt entlassen, sagte der neue Vorstandssprecher Axel Mohr.

Mohr stellte sein “Strategiekonzept 2014” und den damit verbundenen Personalabbau im Rahmen einer Betriebsversammlung den Mitarbeitern vor. Betroffen seien nahezu alle Bereiche der Bank. Wen die Kündigung trifft, stehe aber noch nicht fest.

Mitte des Jahres hat Mohr bei der Volksbank Kirchheim-Nürtingen das Ruder von Ulrich Weiß übernommen und das Kreditinstitut umgehend einer kritischen Überprüfung unterzogen. Mit Unterstützung von Unternehmensberatern wurden alle Prozesse analysiert. “Wir wollen unseren Mitgliedern weiterhin die gute Beratungsqualität, aber bessere Konditionen bieten”, beschreibt Mohr das Ziel der grundlegenden Umstrukturierung.

Bei den Volksbank-Beschäftigten sorgen die Vorstands-Aktivitäten bereits seit Wochen für erhebliche Unruhe. “Hier bleibt kein Stein mehr auf dem anderen”, sagt ein langjähriger Mitarbeiter und spricht von einer großen Verängstigung beim Personal. Vor allem vor dem Hintergrund der guten Betriebsergebnisse in den vergangenen Jahren fehle das Verständnis für das Sparkonzept. “Die Bank ist exzellent aufgestellt”, hatte Mohr selbst bei seinem Amtsantritt verkündet und bei der Vertreterversammlung im Oktober von “deutlichen Zuwächsen in fast allen Sparten” gesprochen.

Die brodelnde Gerüchteküche und die spürbare Verunsicherung der Mitarbeiter waren denn auch der Grund, dass Axel Mohr die ursprünglich für Januar geplante Betriebsversammlung vorverlegte und zuvor die Presse informierte.

Tatsächlich habe die Volksbank in den vergangenen Jahren überaus erfolgreich gewirtschaftet: “Wir sind ausgezeichnet aufgestellt, bieten eine sehr gute Beratungsqualität und eine zufriedenstellende Ertragslage.” Daher hat Mohr Verständnis dafür, dass die Sparpläne für Verwunderung und Unmut sorgen. “Wir müssen die Bank aber so ausrichten, dass sie auch noch in fünf Jahren eine hervorragende Marktposition hat.” Der Vorstand habe deshalb bei einer Klausurtagung sein “Strategiekonzept 2014” erarbeitet, das der Aufsichtsrat bereits verabschiedet hat.

Hauptgründe für die Umstrukturierung sind für Mohr und seinen Vorstandskollegen Harald Kuhn das deutlich veränderte Kundenverhalten, der verschärfte Wettbewerb und die vergleichsweise hohen Personalkosten.

Zu beobachten sei beispielsweise, dass mit dem Anstieg der Nachfrage bei den elektronischen Dienstleistungen immer weniger Kunden die Servicezeiten am Schalter nutzen. Die Volksbank werde deshalb, so Mohr, die Vertriebswege “nachfrageorientiert umbauen”. Dazu werden die elektronischen Dienstleistungen ausgebaut und gleichzeitig die Schalteröffnungszeiten reduziert. Das Angebot, zwischen 8 und 20 Uhr ein persönliches Beratungsgespräch vereinbaren zu können, soll aber in vollem Umfang erhalten bleiben. Keine Abstriche werde es auch beim mobilen Vertrieb geben.

Mohr rechnet mit einer weiteren Verschärfung des Wettbewerbs auf dem Bankensektor. “Die Großbanken, aber auch die Landesbanken entdecken wieder den Privatkunden und den Mittelstand”, sagte der Volksbank-Chef. Auch die Direktbanken seien weiterhin ein ernst zu nehmender Wettbewerber.

Vor diesem Hintergrund müsse die Volksbank Kirchheim-Nürtingen ihren Kunden noch attraktivere Konditionen bieten, “sonst wandern sie ab”. Funktionieren könne dies aber leider nur über eine deutliche Reduzierung der Personalkosten. Diese liegen bei der Volksbank Kirchheim-Nürtingen derzeit laut Mohr mit einem Satz von 1,58 Prozent des durchschnittlichen Geschäftsvolumens deutlich über dem Durchschnitt der Volks- und Raiffeisenbanken in Deutschland. Im Schnitt würden die Genossenschaftsbanken 1,22 Prozent für ihr Personal ausgeben. “In allen Bereichen werden wir deshalb unsere Prozesse und Abläufe optimieren, deutlich vereinfachen und die Durchlaufzeiten verkürzen.”

58 der insgesamt knapp 450 Mitarbeiter wird diese Umstrukturierung den Job kosten. Den Personalabbau über mehrere Jahre zu strecken, um auf betriebsbedingte Entlassungen verzichten zu können, hält Mohr für nicht sinnvoll. “Wenn man eine Gefahr erkennt, muss man handeln”, sagt er. Als weiterer Einschnitt soll eine der 23 Geschäftsstellen in eine gemeinsam mit der Kreissparkasse betriebene SB-Filiale umgewandelt werden.

Eine Veränderung steht auch in der Versicherungsabteilung an: Ab Januar werden den Privatkunden nur noch Versicherungen des Verbundpartners R+V angeboten. In diesem Zug wechselt das komplette Versicherungsteam mit elf Mitarbeitern zu gleichen Konditionen zu R+V.

Befürchtungen, der Personalabbau und der massive Umbau der Bank könnte auch bei den Kunden und Mitgliedern für Verunsicherung sorgen, teilt der Vorstandssprecher nicht. Zumindest für Verwunderung hat in den vergangenen Wochen ein Kündigungsschreiben gesorgt, das an die “inaktiven” Mitglieder der Volksbank ging. Allen, die nur Geschäftsanteile der Bank halten, ansonsten aber keine Geschäfte mit der Bank tätigen, wird die Mitgliedschaft zum Jahresende gekündigt. “Wir wollen keine Dividendenjäger”, begründet Axel Mohr diesen Schritt, von dem immerhin 1.800 der insgesamt gut 50.000 Mitglieder betroffen sind. Sonst bestehe die Gefahr, dass die Mitgliedschaft als attraktive Kapitalanlage missbraucht wird.

Der Betriebsrat der Volksbank kann bei allem Verständnis für die Notwendigkeit, auf das geänderte Kundenverhalten zu reagieren, angesichts der sehr guten wirtschaftlichen Lage der Bank keinerlei Verständnis für die geplanten Entlassungen aufbringen. “Die Bank ist in den vergangenen Jahren vom Genossenschaftsverband immer mit der besten Note A+ bewertet worden und ist hervorragend aufgestellt”, sagte der Betriebsratsvorsitzende Franz Weber. “Wir bedauern jeden einzelnen Arbeitsplatz, der verloren geht, und werden für jeden betroffenen Arbeitnehmer kämpfen.” Falls eine Anpassung des Personalbestands an die Marktlage zwingend notwendig sei, könne dies nach Ansicht des Betriebsrats auch sozial verträglich über die natürliche Fluktuation erfolgen.

Kommentare (2)

Comments
  1. Mit Kopfschütteln habe ich diesen Artikel gelesen. Zeigt es doch die ganze Tragweite der Inkompetenz des Herrn Mohr. Es ist Zeit, dass seiner unsäglichen Arroganz die rote Karte gezeigt wird. Herr Mohr hat es leider nicht verstanden, dass die Volksbank von der Genossenschaft getragen wird und nicht vom (Aktien-)Kapital wie bei Großbanken. Bei der Neubesetzung der Stelle des Vorstandsprechers hoffe ich zum einen auf eine Persönlichkeit mit dem Wissen um die Funktion des Genossenschaftswesens und zum anderen mit Wurzeln aus der Region ohne Kaiserslauterer Migrationshintergrund. Die angekündigte Vertreterversammlung am 13.01.2010 gibt dazu Gelegenheit…

  2. Ich bin ein “Mohr Geschädigter” der Volksbank Kaiserslautern, wo dieser arrogante Sparminator zuvor sein Unwesen getrieben hat.
    Ich habe mich schon mit Kollegen der Volksbank Kaiserslautern ausgetauscht und auch wir sind froh, dass diesem Herrn in Nürtingen mal die Meinung gesagt wurde.
    Ich kann nur hoffen, dass nun nicht eine andere Bank auf den Mann hereinfällt. Im Nachhinein Danke an die Volksbänker von Nürtingen für diese Genugtuung

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