GASTKOMMENTAR: Wieso im Banking nobler Zwirn Pflicht ist

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Möglicherweise mögen Sie die Auffassung vertreten, dass das letzte Mal, als Ihre Kleidung irgendwen in der Londoner City interessierte, in den 80ern war.

Das ist richtig, die Outfits wie in "American Psycho" waren ziemlich flott und wir haben seither einen langen Weg hinab zu legererer Kleidung zurückgelegt. Dennoch ist es immer noch sehr wichtig, dass Sie im Banking gut gekleidet sind.

Viele mögen auch denken, dass die maßgeschneiderten Anzüge und die handgefertigten Schuhe nur für höchste Führungsebenen erforderlich sind. Doch damit liegen sie falsch. Selbst wenn Sie nur ein Untergebener mit wenig Kundenkontakt sind, zahlen Sie den Preis für den mangelnden Sinne für gute Kleidung.

Verhalten Sie sich, als ob Ihrem Vater das Unternehmen gehört. Benehmen Sie sich wie ein Millionär. Lassen Sie nichts unversucht, um Glaubwürdigkeit zu erwerben. Falls Sie sich stattdessen an dem Credo des "Smart-Casual" orientieren und bei der Arbeit mit einem paar Doc Martens und einem Hemd von C&A erscheinen, dann überzeugen Sie niemanden davon, dass Sie der Herrscher des Universums sind.

Viele unserer Vorgesetzten stammen aus einer anderen Zeit, als sich jeder gut rausputzen musste.

Bevor sich das oligarchische System der wenigen Großbanken in der Londoner City entwickelte, bestand sie aus einer größeren Zahl von Partnerschaften und kleineren Unternehmen, wo der Auftritt alles war und wo sich niemand hinter riesigen Bilanzen verstecken konnte. Obgleich sich die Zeiten gewandelt haben, haben sich viele Ihrer Vorgesetzten diese Einstellung bewahrt. Wie alte Hunde können sie keine neuen Tricks mehr lernen. Oder wieso werden Sie benötigt, um für sie Excel-Tabellen aufzustellen? Falls Sie von ihnen als jemand ernst genommen werden wollen, der mehr als nur ein Zahlenakrobat ist, dann sollten Sie zumindest ein schickes Outfit vorweisen können.

Indem Sie diesen Punkt beachten, erhöhen Sie Ihre Chancen, zum nächsten wichtigen Kundengespräch mitgenommen zu werden. Falls dabei ein Platz übrig sein sollte, dann stellen Sie als der bestgekleidete Untergebene die geringste Gefahr dar, Ihren Vorgesetzten zu blamieren, so lange Sie nicht an Aufgeblasenheit oder dem Tourette-Syndrom leiden.

Auch wenn Casual-Wear an einem Tag der Woche strikt vorgeschrieben ist, sollten Sie doch herausstechen, wenn Sie besonders schick auftreten.

Von dieser Regel gibt es zwei wichtige Ausnahmen: Stehlen Sie Ihrem Vorgesetztem niemals die Schau. Eine Krawatte von Hermès zu tragen, während Ihr Vorgesetzter nur eine von C&A hat, ist ein absolutes Tabu. Und nicht zuletzt: Machen Sie sich nicht lächerlich.

Bei dem Autor handelt es sich um einen ehemaligen M&A-Associate, der jetzt im Private Equity tätig ist.

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