☰ Menu eFinancialCareers

“Bonuspool wird um ein Drittel sinken” – Interview

eFinancialCareers sprach mit Özcan Acikel (37), Geschäftsführer bei Smith & Jessen Headhunters in Frankfurt, über die aktuelle Stellensituation im Investmentbanking.

Welche Bank stellt derzeit überhaupt Mitarbeiter ein?

Nur wenige Finanzdienstleister suchen derzeit gezielt nach Spezialisten. Die meisten Banken tun sich schwer, neue “Headcounts” freizugeben, auch weil noch nicht alle Entlassungen durch sind.

Und wo wird entlassen?

Über alle Geschäftsbereiche! Bislang haben die Banken vor allem nach dem Motto “last in, first out” entlassen. Auch “Underperformer” mussten gehen. Übrig geblieben sind nur noch “Performer”, also Mitarbeiter, die für die Bank Umsatz machen.

Ist der Scheitelpunkt der Entlassungswelle erreicht?

Das glaube ich nicht. Im Vergleich zu 2001, als die Banken tausende Mitarbeiter nach dem Zusammenbruch der New Economy entlassen haben, halten sich die Banken in Erwartung eines Aufschwungs noch zurück. Aber ein Jahr nach Ausbruch der Subprime-Krise schwindet langsam die Hoffnung auf ein rasches Ende der Krise. Sollte es jetzt zu einer neuen Entlassungswelle kommen, wird es die “Performer” treffen.

Leveraged Finance ist tot, das ECM-Geschäft liegt wegen der Baisse am Boden, M&A-Berater drehen Däumchen statt das große Rad. Wo soll künftig das Wachstum herkommen.

Die Bankenbranche steckt nicht in einer Rezession, sondern durchlebt einen strukturellen Wandel. Das Investmentbanking von gestern wird es morgen nicht mehr geben. Deshalb besinnen sich die meisten Banken wieder auf das konservative Geschäft mit Firmen- und Privatkunden.

Wer jetzt noch Investmentbanker wird, wäre demnach selbst schuld?

Nein, ich bin zuversichtlich, dass sich das Geschäft auch wieder erholen wird. Allerdings werden die Produkte transparenter sein müssen als früher. Sonst werden sich institutionelle Anleger weiter zurückhalten. Auch Verbriefungen wird es künftig wieder geben, allerdings weniger komplex und mit geringerem Volumen.

Und wie sieht es mit den Boni für die Banker aus, die ihren Job behalten dürfen?

Der Bonus spielt für die meisten Investmentbanker momentan kaum eine Rolle. Viele sind besorgt, ob sie am 31. Dezember noch einen Arbeitsplatz haben. Generell lässt sich Stand heute sagen, dass der Bonus-Pool im Vergleich zu 2007 um mindestens ein Drittel niedriger ausfallen wird. Aber auch nur, wenn sich das Geschäft nicht noch weiter verschlechtert.

Kommentare (0)

Comments

Ihr Kommentar wird gerade geprüft. Nach erfolgreicher Prüfung wird es live gestellt.

Antworten

Pseudonym

E-Mail

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier