☰ Menu eFinancialCareers

Wann lohnt sich ein MBA?

Der Master of Business Administration steht in der Kritik. Die Absolventen gelten als geldgierig, die Lehrpläne als praxisfern. Was ist der Titel noch wert, wie finden Interessenten das richtige Angebot? Und lohnt sich der Aufwand überhaupt? Ist der MBA-Titel die 51.000 Euro Studiengebühren, die zum Beispiel Insead verlangt, überhaupt wert?

Diese Fragen sind nur allzu verständlich. Denn viele Bewerber haben bereits einen gut bezahlten Job, sie wollen Karriere machen und müssen daher sorgfältig abwägen, ob sich ein MBA-Programm für sie auszahlen wird. Viele Hochschulen werben vor allem mit den Gehaltszuwächsen, die ihre Absolventen erzielen.

Unbeeindruckt von dieser Debatte bewerben sich mehr Menschen denn je an den Business Schools. Zugleich bietet eine wachsende Zahl von Hochschulen in Europa und besonders in Deutschland MBA-Programme an. Damit werden künftig noch mehr Absolventen als früher auf den Arbeitsmarkt drängen.

Die Folge: “Die Bedeutung des MBA relativiert sich”, sagt Tiemo Kracht, Geschäftsführer bei der Personalberatung Kienbaum. Der Titel ist nicht länger der vermeintliche Freifahrtschein in die Chefetagen – auch deshalb, weil er in manchen Branchen wie der Unternehmensberatung fast schon zur Selbstverständlichkeit geworden ist. So hat bei McKinsey weltweit rund die Hälfte der Berater einen MBA-Abschluss.

“Bei uns bilden sich derzeit 66 Kollegen weiter”, berichtet auch Diana Eid, die das Recruiting in Deutschland und der Schweiz für die Strategieberatung Bain leitet. “Davon absolviert circa ein Drittel ein MBA-Studium, zwei Drittel promovieren”, so Eid; das entspricht etwa 60 Prozent eines Beraterjahrgangs der Firma.

Mancher Banker, der seinen Job verloren hat, investiert seine Abfindung jetzt in ein MBA-Programm, statt um eine der wenigen freien Stellen zu buhlen. Auch viele Arbeitgeber gewähren vielversprechenden Talenten derzeit bereitwillig ein Sabbatical für ein MBA-Studium, statt sie zu entlassen.

Christian Homburg, Präsident der deutschen Mannheim Business School, sieht die momentane Arbeitsmarktlage als schwierig an: “Bisher haben 30 Prozent der Studenten, die im September fertig werden, ein Jobangebot.” Vor einem Jahr waren es zu diesem Zeitpunkt schon fast 40 Prozent.

In der Vergangenheit hat vor allem die Finanzbranche sehr viele MBAs angeheuert. So haben allein die pleitegegangenen Investmentbanken Lehman Brothers und Bear Stearns insgesamt 800 Absolventen pro Jahr eingestellt – das entspricht zahlenmäßig fast einem kompletten MBA-Jahrgang der Harvard Business School, einer der größten Business Schools der Welt. Die Finanzinstitute traf die Krise als Erste, sie können – wenn überhaupt – deutlich weniger Absolventen rekrutieren.

“Wir werden weniger MBAs als in den Vorjahren einstellen”, sagt etwa James Rawlins, bei Goldman Sachs in Frankfurt für das Recruiting in den Regionen Europa, Afrika, Naher und Mittlerer Osten zuständig. Absolute Zahlen will er nicht nennen.

Viele Unternehmen werben nur an bestimmten Schulen neue Mitarbeiter an. “Die Deutsche Bank wie auch ihre Konkurrenten rekrutieren aktiv nur an rund 20 Business Schools weltweit”, sagt Martin Möhrle, ehemaliger Chief Learning Officer der Bank und heute selbständiger Berater mit Schwerpunkt Human Resources und Talentmanagement.

Die Business Schools aus dem deutschsprachigen Raum stoßen bei den Recruitern eher auf ein verhaltenes Interesse: Unter den 70 gefragtesten europäischen Hochschulen schafft es die Universität St. Gallen auf Rang 24 mit 17 Stimmen von Unternehmen, die Mannheim Business School auf Platz 34 mit 12 Stimmen und die ESMT auf Platz 37 mit 11 Stimmen.

Für Stephan Kiene, Leiter Vertrieb bei VR Netze in Frankfurt, einem IT-Dienstleister für Banken, war die räumliche Nähe ein wichtiges Kriterium bei der Wahl seines MBA-Programms. Dennoch wollte er internationale Erfahrung sammeln und sein Netzwerk vergrößern. Daher entschied er sich für einen berufsbegleitenden Executive-MBA-Kurs, den die Goethe Business School in Frankfurt und die Fuqua School of Business der Duke University gemeinsam anboten.

Ein Teil der Präsenzveranstaltungen fand in den USA statt, die Teilnehmer seines 22 Monate dauernden Programms stammten aus mehr als zehn Nationen. Er habe sehr viel über Management mit einer globalen Perspektive und über andere Branchen gelernt, zieht Kiene Bilanz, “und wir wurden immer wieder dazu angeregt, über uns und unsere Ziele nachzudenken”. Besonders wichtig: Heute gehört er sowohl dem Alumni-Netzwerk der Goethe Business School als auch dem von Duke an.

Kommentare (0)

Comments

Ihr Kommentar wird gerade geprüft. Nach erfolgreicher Prüfung wird es live gestellt.

Antworten

Pseudonym

E-Mail

Alle Informationen zu unseren Community-Richtlinien finden Sie hier