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Unternehmensberater-Mythos hat trotz Finanzkrise nicht an Anziehungskraft eingebüßt?

Wer im Krisenjahr 2009 einen Job bei einer Unternehmensberatung sucht, muss sich auf eine Menge Konkurrenz einstellen. Und bei der Besetzung der freien Stellen gilt mehr denn je: Der Bessere ist der Feind des Guten.

Die Boston Consulting Group (BCG) will in diesem Jahr trotz Finanzkrise 170 Hochschulabsolventen einstellen, darunter auch viele, die etwas anderes als Wirtschaft studiert. Im vergangenen Jahr waren es noch 200. “Natürlich sind auch wir vorsichtiger geworden”, sagt Geschäftsführer Christian Greiser. “Niemand weiß, wie die Krise sich entwickelt. Trotzdem wollen wir weiter wachsen.”

Auch McKinsey ist klar gegen einen Einstellungsstopp: Wer in drei bis vier Jahren ausreichend viele Projektleiter haben wolle, müsse eben jetzt genug junge Mitarbeiter einstellen. Allerdings rekrutiert der Marktführer weniger Nachwuchs als in den Vorjahren.

Es gibt indes auch Beratungsfirmen, die momentan gar nicht mehr einstellen. “Die Situation hat sich gedreht”, sagt Klaus Reiners, Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU). “Während die Consultingbranche in den vergangenen Jahren viele Bewerber gesucht hat und ein regelrechter Kampf um die besten Hochschulabsolventen ausbrach, ist es für die Hochschulabsolventen heute schwieriger.”

Insgesamt würden im Durchschnitt nicht mehr so viele Bewerber wie in den letzten Jahren eingestellt, denn weniger Aufträge von Klienten bedeutet weniger Bedarf an Beratern. So stürzen sich jetzt noch mehr Hochschulabsolventen auf die zu vergebenden Stellen.

Bei Deloitte Deutschland zählte man bis Juni mehr als 5.700 Bewerber auf knapp 250 offene Beraterstellen im Geschäftsjahr 2009. Unternehmensberatungen, die trotz Krise Leute suchen, schöpfen aus dem Vollen. “Früher haben wir vor allem mit den Banken konkurriert, aber Bereiche wie Investmentbanking haben durch die Krise stark an Attraktivität verloren. Das ist natürlich von Vorteil für uns”, sagt Christina de Bakker, Leiterin Recruiting und Personalmarketing bei Deloitte.

“Da wir im Moment sehr viele qualifizierte Bewerbungen erhalten, können wir daraus die Besten auswählen”, sagt Per Breuer, Personalchef von Roland Berger.

Für die Bewerber bedeutet das vor allem: Die Anforderungen, die ja vor der Krise schon hoch waren, sind noch einmal gestiegen. “Wenn der Markt eng ist, wird natürlich noch genauer hingeschaut”, weiß BDU-Sprecher Klaus Reiners. Wer schon Arbeitserfahrung mitbringe oder am besten sogar schon einmal bei einer Unternehmensrettung gewesen sei, habe mit seiner Bewerbung in Krisenzeiten bessere Chancen. Sogar eindeutig qualifizierte Anwärter werden im Moment erst einmal auf der Warteliste geparkt. “Das Nadelöhr ist enger geworden.”

Das sieht auch Iris Latzke so, Recruiting-Managerin bei A.T. Kearney: “Früher haben wir auch hin und wieder sogenannte Let’s-try-Bewerber eingeladen, die rein vom Lebenslauf noch nicht ganz zu 100 Prozent überzeugt haben, um vielleicht im Gespräch noch das besondere Potential zu entdecken. Das gibt es jetzt nicht mehr.”

Bei den Einstellungen achten die Beratungsfirmen nach wie vor auf einen ausgewogenen Ausbildungs-Mix: Bei BCG arbeiten rund 50 Prozent Wirtschaftswissenschaftler, 20 Prozent Ingenieure, 20 Prozent Natur- und 10 Prozent Geisteswissenschaftler.

Auch bei McKinsey beträgt das Verhältnis von Wirtschaftlern und Absolventen anderer Studienausrichtungen etwa 50 zu 50.

Die Beratungsfirma A.T. Kearney, die mit drei Vierteln noch einen klaren Überhang an Absolventen der Wirtschaftswissenschaften hat, will den Anteil an Nicht-Ökonomen ausbauen.

Doch egal, was der Bewerber studiert hat, die Beratungsunternehmen suchen vor allem nach brillanten Absolventen, die sich in speziellen Bereichen bewährt haben. So sei das auch bei Roland Berger, bestätigt Personalchef Breuer: “Für unsere Projekte im Gesundheitssektor sind Bewerber mit medizinischem Hintergrund und Expertise im Krankenhaus- und Klinikmanagement sehr gefragt.” Die gesuchten Profile seien eben mitunter sehr speziell.

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