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Aus dem Tagebuch eines Praktikanten: Die Panik steigt

Hierbei handelt es sich um die Erfahrungen eines Praktikanten aus dem Bereich Markets.

Die fünfte Woche

Ich wusste schon, dass diese Woche brutal werden würde. Es handelte sich um die letzte Woche meiner derzeitigen Rotationsstation, alle Projekte mussten also bis Freitag fertig werden und ich war noch weit davon entfernt, die letzten beiden zu beenden.

Nachdem seit Montag der Zeitdruck wuchs, entwickelte sich im Wochenverlauf eine gewisse Übelkeit in der Magengegend. Ich hatte schlicht keinen Schimmer, wie ich all meine Arbeit rechtzeitig fertigbekommen sollte, aber ich wollte mir vor dem Team keine Blöße geben.

Weiter stand die Halbzeitbewertung in meinem Praktikum an, wobei es u.a. um die Frage gehen würde, ob ein Absolventenjob verfügbar sein wird. Eigentlich schien es ganz gut zu laufen. Denn mein Managing Director hatte mir gesagt, dass ich zuverlässig, proaktiv, intelligent und neugierig sei, auch wenn es mir ein wenig an Selbstvertrauen mangeln würde und ich meine Kompetenzen deutlicher zeigen sollte.

Die meisten meiner Mit-Praktikanten haben mir erzählt, dass sie ähnlich positive Beurteilungen erhalten hätten, was wiederum ein wenig beunruhigend ist, da es schlicht nicht genug Stellen geben wird, um alle anzuheuern.

Ich habe den Ratschlag angenommen, doch die aufmunternden Bemerkungen haben meine Sorge noch gesteigert, die Projekte vollständig zu beenden und das Team nicht hängen zu lassen. Gerade als ich mich in meine Arbeit vertiefen wollte, erhielten wir Einladungen zu einem obligatorischen Praktikanten-Event, was den ganzen Tag und den Abend in Beschlag nehmen sollte – was nicht gerade hilfreich war.

Mit dämmerte, dass wenn ich nicht mit der Arbeit an meiner Abschlusspräsentation arbeiten würde oder zumindest einen Titel dafür hätte, ich in die Bredouille geraten würde. Denn Human Resources hat uns wiederholt gesagt, wie wichtig dieses Projekt sei. Das hat so weit geführt, dass Praktikanten, die aus ihren Abteilungen exzellente Beurteilungen erhalten hatten, aber bei der Präsentation patzten, kein Jobangebot erhielten.

Ich hielt es für eine gute Idee, in meinem Team einige Meinungen einzuholen, was sich als richtig herausstellte. Ich erhielt zehn verschiedene Vorschläge, also wählte ich den einfachsten Titel und arbeitete wieder an meinen Projekten.

Am Freitag hatte sich schließlich meine Furcht in Sentimentalität verwandelt. Vier Wochen hatte ich mit dem Team verbracht, so dass ich es schon fast als Familie betrachtete. Ich würde die Leute vermissen.

Da mich die Deadline immer noch in Panik versetzte, verpasste ich die Mittagspause und achtete wenig auf die Krisenverhandlungen in Washington zur Anhebung der Schuldengrenze, die um mich herum für Fassungslosigkeit sorgten. Als ich auf die Uhr schaute, war es bereits 18.30 Uhr und jeder war schon gegangen, ohne sich zu verabschieden. Ich versendete mein letztes Projekt und stellte mich auf zuhause ein.

Die vierte Woche

Die zurückliegende Woche war weitaus produktiver und weniger ereignisreich als die vorangegangene – zum Glück. Mein Ziel für diese Woche bestand darin, so viele Projekte wie irgend möglich abzuschließen und die Schlange der Banker zu verkürzen, die hinter mir stand und ständig fragte, ob ihre Aufgabe endlich fertig würde.

Dabei war ich teilweise erfolgreich, indem ich drei der fünf Projekte abschloss. Ich stellte schnell fest, dass der abschließende Teil eines Projektes immer der frustrierendste ist. Denn man wartet immer auf irgendeine Person, um auch noch die letzte Information zu erhalten. Nach Murphys Gesetz handelt es sich dabei immer um die schwierigste Aufgabe. Erstmals in meinem Praktikum tauschte ich die netten und irgendwie naiven Emails und Anrufe durch prägnante und leicht aggressive Mitteilungen aus.

Dies führte zu dem erwünschten Effekt. Ich erhielt eine Reihe teilweise unfreundlicher Emails, aber ich erhielt auch die Informationen.

Überdies stellte ich in dieser Woche fest, welche Aufmerksamkeit Banker attraktiven Praktikantinnen zollen.

In meinem Programm gibt es einige attraktive junge Frauen – zusammen mit einigen hässlichen Entlein. Immer wenn ich mit ihnen zusammen zu tun habe, dann ist es unmöglich, den Bankern fragen zu stellen und einen guten Eindruck zu hinterlassen, weil die Banker sich nur für die Frauen interessieren. Doch ich habe mich mit diesem Schicksal abgefunden und versuche, dass beste daraus zu machen.

Als der Freitagnachmittag kam, leerte sich das Büro ziemlich früh, weil die eine Hälfte der Beschäftigten eine wichtige Sportveranstaltung verfolgen wollte und die andere das gleiche behauptete, aber nachhause ging. Das erste Mal in meinem Praktikum entschied ich mich, länger zu bleiben und weiterzuarbeiten. Doch um 18 Uhr legte sich mein Enthusiasmus und ich ging ins Wochenende.

Die dritte Woche

Diese Woche hat mit einer schrecklichen Nachricht begonnen. Von einer WG-Mitbewohnerin habe ich erfahren, dass eine Oxforder Studentin und Praktikantin bei JPMorgan gestorben ist. Obgleich keine weiteren Informationen bekannt wurden, waren doch alle geschockt – besonders diejenigen, die eng mit ihr zusammengearbeitet hatten. Die Nachricht hat sich über den Flurfunk schnell unter den Praktikanten verbreitet und ihren Freunden und ihrer Familie gilt mein Beileid.

Während meines eigenen Praktikums habe ich mich dazu durchgerungen, eine Email mit der Frage nach Aufgaben für mich herumzusenden. Dies erwies sich als Fehler, weil ich reichlich Rückmeldungen erhielt. In nur zehn Minuten wurden mir sechs größere Projekte übertragen. Bei allen ging es um zahlende Kunden, die irgendetwas mehr oder weniger dringend benötigten.

Nachdem ich mich für meine Dummheit selbst in den Hintern getreten hatte, habe ich versucht, die Deadlines der Projekte in Erfahrung zu bringen, um sie zu priorisieren. Das war sinnlos, da mir jeder nur mitteilte, dass das Projekt schnellstmöglich fertigwerden solle. Ich entschied mich, zunächst die detaillierten Statistiken über verschiedene Variablen und Parameter zu besorgen, die ein Hauptkunde der Bank nachgefragt hatte. Daher musste ich mich mit Quants rund um die Welt in Verbindung setzten, die in diversen Zeitzonen und Niederlassungen arbeiten. Dies erwies sich als Albtraum, da einige Leute einfach nicht zu erreichen waren, so oft ich es auch versuchte. Ich machte auch einen Idioten aus mir selbst, indem ich versuchte, ihre Namen auszusprechen und ihr Englisch zu verstehen, das starke Akzente aufwies.

Als ich mich damit beschäftigte, haben die Auftraggeber der übrigen Projekte angefangen, nach dem Update ihrer Reports zu fragen. Mir war bewusst, dass es nicht gut ankommen würde, wenn ich sagen würde, dass ich damit noch nicht einmal angefangen hatte. Also machte ich für alle ein Bisschen, um allen von ihnen etwas vorweisen zu können.

Nach kurzer Zeit bin ich wie ein kopfloses Hühnchen herumgelaufen. Ich habe auf meine Mittagspause verzichtet und ständig die Updates für irgendwelche Reports herumgesandt. Einige meiner anderen Projekte erforderten es, mich mit einem neuen Gesetz auseinanderzusetzen, das in einem Schwellenland beschlossen worden war und ich sollte mir neue Tradingideen einfallen lassen, die wir Kunden anbieten könnten. Ein weiteres Projekt bestand in der Anlage einer Datenbank für die Stammdaten von Produkten.

Aus diesem Grund habe ich auch den Fluss von Emails zu einem Praktikantenevent ignoriert. Als ich schließlich eine öffnete, enthielt sie detaillierte Informationen zu einem Praktikanten-Umtrunk am Donnerstag, bei dem die Chancen für meine Teilnahme gleich null standen. Als der Donnerstag kam, war ich indes so frustriert, dass ich mich dennoch dazu aufraffte.

Da der Umtrunk mit dem Zahltag zusammenfiel, türmten sich die Gläser und nicht viel später waren alle betrunken. Einer der Praktikanten kam auf die glorreiche Idee, in einen Stripclub zu gehen. Obgleich ich ein ungutes Bauchgefühl hatte, ging ich mit. Die Mädchen gingen nachhause und rund die Hälfte der Kerle folgte. Als nächstes kann ich mich nur an eine Schlägerei erinnern, als die Praktikanten von den Türstehern reichlich gewalttätig aus dem Club geschmissen wurden.

Dies gab auch am Freitag den Ton an, der zu einem kompletten Desaster verkam. Mir tat nicht nur der ganze Körper von den Schlägen weh, die ich einstecken musste, sondern ich kämpfte auch damit, wach zu bleiben – trotz einer endlosen Zahl von Expresso-Infusionen. Also beschloss ich, mich selbst zu retten und entschuldigte mich: Ich hätte eine ernste Lebensmittelvergiftung und müsse nachhause gehen. Was für eine Ende einer turbulenten und qualvollen Woche!

Die zweite Woche

“Wow” ist alles, was ich sagen kann. Diese Woche bestand aus einer Reihe erster Male: Der erste Kaffee, der erste Pitch und der erste Anschiss von einem Managing Director sowie das erste Treffen mit einem CEO eines der hundert größten börsennotierten britischen Unternehmen.

Ich war am Montag sehr früh im Büro. Ich habe eines der Teammitglieder in der vorausgehenden Woche gefragt, wann Sie anfangen würden und war eine viertel Stunde früher um 6.15 Uhr im Büro, um auf der sicheren Seite zu sein.

Da ich bereits im vergangenen Jahr ein Sommerpraktikum absolviert hatte, wusste ich, wie wichtig ein guter Kontakt zu den Kollegen ist. In dieser Hinsicht hatte ich viel Glück: Der Kollege, der für mich zuständig war, erwies sich als herzlich und hilfreich. In der ersten Woche hatte er mich ein paar Stunden herumgeführt und mich allen Kollegen vorgestellt.

Ich dachte, der erste Tag wäre leicht und ich müsste nur die Kollegen bei der Arbeit beobachten und einige Fragen stellen. Doch damit lag ich falsch. Ich wurde sofort in ein Meeting mit den Trainees aus dem Research mitgeschliffen, die uns Notizen zu verschiedenen Verkaufs-Ideen für unsere Kunden gaben. Anschließend haben mich die Kollegen aus meinem Team ausgefragt, welches davon die beste sei und mich beauftragt, bis zum Ende des Tage einen Pitch zu entwerfen, den ich dem gesamten Team präsentieren sollte.

Dies stellte nicht nur einen ernsten Test für mein Deo dar, sondern auch für meine Schummelkünste. Es ist schwierig genug, an nur einem Tag die Grundlagen einer ganzen Assetklasse zu erlernen. Es genügt zu sagen, dass ich bei der anschließenden Fragerunde wüst beschimpft wurde. Die schlimmsten davon stammten natürlich vom Managing Director.

Im Verlauf der Woche kämpfte ich damit, wach zu bleiben und ertappte mich beim Einschlafen. Also wendete ich mich einer Sache zu, die ich in meinem bisherigen Leben gemieden hatte: Kaffee. Ich brauchte ein oder zwei Tage, um mich an den Geschmack zu gewöhnen. Doch jetzt kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, wie jemand im Investmentbanking arbeiten kann, ohne das Zeug zu trinken.

Als schließlich der Freitag kam, hatte ich ein substanzielles Schlafdefizit aufgebaut, das ich gerne abbauen wollte.

Doch dies sollte nicht eintreten. Um 17 Uhr wurde ich zu einem Treffen mit dem Chef eines der größten hundert börsennotierten britischen Unternehmen mitgeschliffen, das eine sogenannte Roadshow veranstaltete. Anschließend entschuldigte ich mich, um nicht an dem Praktikantenumtrunk teilzunehmen, ging nachhause und legte mich ins Bett. Ich hoffte, dass mich mein Körper an weniger Schlaf gewöhnen würde. Ansonsten kann ich nicht sehen, wie ich die verbleibenden acht Wochen durchstehen sollte.

Die erste Woche

Ich konnte schon einige Praktikumserfahrung sammeln, weshalb ich weiß, was mich erwartet. Dieses Jahr traf ich die weise Entscheidung, mir eine Unterkunft im Zentrum von London zu suchen, die meinem Arbeitsplatz deutlich näher lag als bei den vorherigen Praktika. Die Entscheidung stellte sich bereits am ersten Tag meines Praktikums als richtig heraus, da ich eine Stunde länger schlafen konnte.

Ich war entschlossen, die besten Gelegenheiten fürs Networking zu nutzen. Alle Praktika beginnen mit Einführungen: Von welchen Unis stammen die Praktikanten, was studieren sie, in welchen Bereich arbeiten sie etc. Ich schaute mich nach einem potenziellen Partner für die Mittagspause um und bewegte mich von Person zu Person bei der Suche nach geeignetem Material.

Abgesehen davon ging der erste Tag für Verwaltungskram drauf. Vor allen Dingen wurde die Gehaltszahlung geklärt, wobei es sich für mich wahrscheinlich um den wichtigsten Teil der ganzen Prozedur handelt. Es gab auch unzählige Einzelgespräche darüber, wie jeder zu der Bank gekommen war sowie eine Podiumsdikussion mit ehemaligen Praktikanten, die jetzt an einem Traineeprogramm teilnehmen.

Am Abend hatten wir einen Networking-Umtrunk mit den übrigen Praktikanten und am Ende des Tages verfügte ich über eine gute Gruppe von potenziellen Mittagspausen-Kandidaten.

Die restlichen vier Tage entfielen auf Training, die viele Themengebiete abdeckten, von denen ich kaum etwas gehört hatte. Denn ich hatte an der Uni keinerlei Finance-Module absolviert, weshalb es sich für mich um eine besonders steile Lernkurve handelte.

Schnell fand ich heraus, dass auch vorherige Praktika keine allzu große Hilfe darstellen: Das Material war sehr anspruchsvoll und ich befand mich auf dem gleichen Level wie die übrigen Praktikanten. Dennoch war ich so lange nicht allzu sehr genervt, bis uns am Ende des ersten Trainingstages mitgeteilt wurde, dass es ein Examen über den gesamten Lernstoff geben würde, dessen Ergebnisse in die Evaluierung einfließen würden. Dies hat meine Aufmerksamkeit dramatisch erhöht.

Die Nacht vor der Prüfung hat jeder mit Lernen verbracht und einige kamen sogar eine Stunde früher ins Büro um Mini-Lerngruppen zu bilden. Doch der Test verlief nicht allzu schlecht und am Ende zeigte sich, dass die Sorgen umsonst waren.

Durch den Examensstress war ich am Ende der Woche kaputt. Dabei hilft mir auch nicht weiter, dass es sich sicherlich um die leichteste Woche des ganzen Praktikums handelte.

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