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Karrierewege in Versicherungen

Lohnendes Ziel für Hochschulabsolventen

Versicherungsgesellschaften bieten Absolventen eine Vielzahl an abwechslungsreichen und anspruchsvollen Jobs.


Trends

Im Vergleich zu anderen Branchen haben die Versicherungen ein weniger attraktives Image. “Mal ehrlich”, so David Gittings, Leiter der Risikoabteilung von Wellington Underwriting plc. “Investmentbanking wird als sexy betrachtet, das Versicherungsgeschäft nicht.”

Dabei ist die deutsche Versicherungswirtschaft ein großer Arbeitgeber mit gegenwärtig rund 240.000 Angestellten im Innendienst und geschätzten 300.000 Assekuranz-Vertretern.
Alle Versicherungsunternehmen haben Bedarf an qualifizierten Hochschulabsolventen, vor allem an starken Vertriebsleuten.

Wer sich im Vertrieb beweist, der kann schnell in andere Sparten aufsteigen. Insgesamt ist die Versicherungsbranche für Hochschulabsolventen ein lohnendes Ziel: Hinter der Zahl von derzeit 421 Mio. Versicherungsverträgen und einem erlösten Prämienvolumen von rund 183 Mrd. Euro verbirgt sich die tägliche Bereitstellung von Risikoschutz und Vorsorge für Privathaushalte als auch für Industrie, Gewerbe und öffentliche Einrichtungen. Als Risikoträger und bedeutender Kapitalgeber (Kapitalanlagebestand 1.050 Mrd. Euro) haben die privaten Versicherungsunternehmen auch eine tragende Bedeutung für Investitionen, Wachstum und Beschäftigung in der deutschen Volkswirtschaft.

In den letzten Jahren haben sich in der deutschen Versicherungsbranche – wie bei der Mehrzahl deutscher Banken – nachhaltige strukturelle Veränderungen ergeben. Ausgelöst wurde der Strukturwandel bei den Assekuranzen nicht zuletzt durch die Entflechtung der so genannten “Deutschland AG”, deren Mittelpunkt die Allianz Gruppe war.

Nach der Veräußerung milliardenschwerer Industriebeteiligungen und Überkreuzbeteiligungen wandelten sich die Gesellschaften der Versicherungswirtschaft zunehmend in international tätige Risiko-Management-Konzerne.

Die internationale Versicherungsbranche musste in den letzten Jahren einige “Groß-Schadensereignisse” abfedern. Jüngstes Beispiel ist Hurrikan Katrina, der 2005 im Süden der USA wütete und der mit einer geschätzten Schadenssumme von 30 Mrd. US-Dollar einen Rekord aufgestellt hat. Auch der deutsche Großversicherer Münchener Rück musste im Fall Katrina für eine Bruttoschadensbelastung von 1,1 Mrd. Euro aufkommen.

Als Folge der Globalisierung setzen viele Assekuranzen auf Outsourcing. Viele standardisierte Arbeiten wie das Erfassen von Schadensmeldungen oder Versicherungsanträgen werden automatisiert oder ausgelagert.

Nach einer Umfrage der Outsourcing-Dienstleister Exigen und Capgemini in den Chefetagen deutscher Versicherungsunternehmen, planen rund 40% der Vorstände, Verwaltungs- und Serviceleistungen verstärkt im Ausland erbringen zu lassen. Der Umfrage zufolge dürften zwischen 5 und 20% der insgesamt rund 240.000 Angestellten im Innendienst betroffen sein. Beispielsweise setzt man bei der AXA Assistance Deutschland nun auf rund 200 Mitarbeiter in Mauritius.

Nichtsdestotrotz erwirtschaften die Versicherungsgesellschaften nach wie vor respektable Gewinne. Die Allianz kam 2005 auf einen Bilanzgewinn von 820 Mio., die Münchener Rück folgte dicht mit 712 Mio. Euro.

Den Trend im Versicherungsgeschäft sieht Dr. Harald Will, Personaldirektor bei Hiscox, in einer noch stärkeren Service- und Kundenorientierung: “Wirklich von den Kundenbedürfnissen her denken und handeln”, sagt er.


Die wichtigsten Unternehmen

Zu den führenden Unternehmen im deutschen Versicherungsgeschäft zählen die Allianz Gruppe, Münchener Rück, Ergo-Gruppe, die zur italienischen Generali Versicherung gehörende Aachen-Münchener sowie Auslandsgesellschaften wie die AXA oder Zürich Versicherung.


Jobs und Karrieremöglichkeiten

Neben klassischen Studiengängen wie Betriebswirtschaft und Jura sind auch Mathematik oder Geologie gefragt, denn gerade Rückversicherungen müssen zu versichernde Risiken so genau wie möglich bestimmen. Daher suchen Personaler auch nach Absolventen medizinischer Fachrichtungen, die zum Beispiel die Einschätzung von Versicherungsrisiken in der Lebens- und Invaliditätsversicherung übernehmen oder Diplom-Meteorologen, die die Risiken eines Versicherungsvertrags für eine Ölbohrinsel kalkulieren.

“Mitarbeiter werden, wenn sie es denn wollen, exponiert, nach dem Motto sink or swim'”, so Dr. Will. Der Personaldirektor fasst die gefragten Eigenschaften zusammen: “Intelligenz, Drive und Kreativität”.

Grundsätzlich gliedert sich die deutsche Versicherungswirtschaft in drei große Teilbereiche.

Erstens, die Erstversicherer: Privatpersonen und Industrieunternehmen, jeder hat mindestens einen Versicherungsvertrag. Neben klassischen Versicherungen für Auto, Haus oder Leben werden auch Kunstgemälde, Kreuzfahrtschiffe oder die Beine von Filmstars versichert.

Zweitens, die Rückversicherer: Sie tragen einen Teil der Risiken, die Erstversicherer von Kunden übernehmen. Erstversicherer müssen sich rückversichern, weil im Schadensfall ihre finanzielle Belastung zu groß wäre. Das gilt bei der Versicherung großer Objekte – beispielsweise dem VW-Werk – als auch für das Dach eines Einfamilienhauses. Ein Wirbelsturm kann den eigentlich finanzierbaren einzelnen Schaden zu einem immensen Betrag multiplizieren und den Ruin des Erstversicherers bedeuten.

Drittens, die Versicherungsmakler: Der Begriff wird oft mit der Akquisition von Neukunden an der Haustür gleichgesetzt. Neben dem klassischen Brot-und-Butter-Geschäft wie Hausrat-Versicherungen, bieten spezialisierte Versicherungsmakler wie Hiscox oder MarshMcLennan verschiedenste Dienstleistungen an, wie in den Bereichen Risikomanagement oder Risk-Consulting.


Gehälter

“Gegenwärtig kann ein qualifizierter Hochschulabsolvent mit circa 43.000 bis 47.000 Euro – je nach Vorkenntnissen – als Anfangsgehalt rechnen”, so Jörg Dersch von der Personalabteilung der Münchener Rück.

Doch die fetten Jahre sind insgesamt in der Branche vorüber. Wie bereits erwähnt, signalisierte der Branchenprimus Allianz eine grundlegende Umstrukturierung. Höhergruppierungen und freiwillige Gehaltszuschläge, besonders im Innendienst, sind vorerst tabu. Derzeit gilt für die Arbeitnehmer der privaten Versicherungswirtschaft ein bundesweit einheitlicher Mantel- und Gehaltstarifvertrag mit 30 Tagen Urlaub, 38-Stunden-Woche und 13,3 Monatsgehältern.

Das momentane Tarifwerk der deutschen Versicherungswirtschaft besteht aus acht Gehaltsgruppen. Ob der Bewerber von einer Fachhochschule oder einer Hochschule kommt, macht nach Angaben des Arbeitgeberverbands der Versicherungsunternehmen in Deutschland (AGV), keinen großen Unterschied.

Wesentlich stärker wird beim Gehalt zwischen Innen- und Außendienst unterschieden. Mitarbeiter “draußen” kassieren auf das Jahr gerechnet bis zu 6.000 Euro brutto mehr – wenn die Verkaufszahlen stimmen.


Fähigkeiten

Analytische Fähigkeiten, schnelle Auffassungsgabe und routinierter Umgang mit Zahlen sind das Handwerkszeug. Außerdem zählen vermehrt Auslandsaufenthalte.

“Unser Haus erachtet Auslandserfahrungen als sehr wichtig. Internationalität dominiert in vielen Bereichen des Versicherungsgeschäfts, die Branche ist zunehmend global aufgestellt, daher ist es nötig auch Bewerber zu haben, die schon fernab der Heimat erste Erfahrungen zum Beispiel durch Praktika gesammelt haben”, so Dersch von der Münchener Rück.

Bei Hiscox sind Auslandserfahrungen ebenfalls ausschlaggebend. “Der Corporate Spirit bei der Hiscox wird durch Engagement und Internationalität geprägt”, erklärt Dr. Will. “Außerdem gehören Leistung und Performance im Team zu unseren Key Values. Dazu wird prinzipiell jeder neue Mitarbeiter für zweieinhalb Tage zu einer Corporate Induction nach London geschickt”.

“Als Rückversicherer sind für viele Tätigkeiten in unserem Hause mathematische beziehungsweise quantitative Fähigkeiten wichtig. Deshalb achten wir bei den Noten insbesondere auf diese Fächer”, erklärt Dersch.

Im Versicherungsbereich “Leben/Renten” werden fast ausschließlich Hochschulabsolventen mit abgeschlossenem Mathematik- und/oder Wirtschaftswissenschaftsstudium gesucht. Studien-Schwerpunkte oder Praktika mit finanzwissenschaftlichem Hintergrund machen für die Personalchefs oft den letzten Unterschied aus.

Wer sich neben dem Mathe-Studium auch mit Bank- oder Versicherungsthemen beschäftigt hat, kann in seiner Bewerbung ordentlich punkten.

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