Kehren deutsche Banken der Schweiz wegen Steuergeheimnis den Rücken?

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Binnen weniger Tage hat sich die Commerzbank von ihren Tochtergesellschaften in der Schweiz getrennt. Da stellt sich die Frage: Ausnahme oder Trend?

Wenn es nach dem Verband der Auslandsbanken - einer Lobby von 154 Instituten - geht, kann von einem Trend (noch) keine Rede sein.

Und doch sind weitere Eigentümerwechsel wahrscheinlich. Sowohl die niederländische ING als auch die deutschen Landesbanken könnten sich schon bald aus der Schweiz zurückziehen.

Hauptgrund ist natürlich die Finanzkrise. ING und Landesbanken konnten nur mit Hilfe der jeweiligen Steuerzahler vor dem Zusammenbruch gerettet werden. Und gerade die deutschen Staatsbanken stehen unter Druck, denn neben den Finanzproblemen gilt es politisch nicht als opportun, in der Alpenrepublik Geschäfte zu tätigen.

Schließlich hat Bundesfinanzminister Peer Steinbrück die Schweiz öffentlich als Steueroase gebrandmarkt. Außerdem fordern viele Politiker und Wirtschaftsexperten eine weitere Konsolidierung zwischen den verbliebenen Landesbanken. Da ist es politisch besonders leicht, zunächst den Verkauf von Auslandstöchtern zu forcieren.

Während angeblich Julius Bär ein Auge auf ING Bank (Schweiz) und die 350 Mitarbeiter geworfen haben soll, ist von einem Interesse an der LB (Swiss) Privatbank noch nichts bekannt geworden. Die Tochter der Bayerischen Landesbank und Helaba (Hessisch-Thüringische Landesbank) beschäftigte zuletzt rund 80 Mitarbeiter in Zürich.

Die deutschen Banken stellen mit 23 Töchtern die größte Gruppe unter den Auslandsbanken in der Schweiz dar. Wie die UBS müssen auch die deutschen Tochtergesellschaften mit den geänderten Rahmenbedingungen - sprich: einer Aufweichung des Steuergeheimnisses - fertig werden.

Vor allem die Institute, die sich auf Vermögensbetreuung von Auslandskunden spezialisiert haben, haben nun ein Problem. Es gebe aber auch Auslandsbanken in der Schweiz, die auf andere Dienstleistungen als das Private Banking setzten, etwa das Fondsgeschäft oder die Handelsfinanzierung, sagte Roul Würgler, stellvertretender Chef des Verbands der Auslandsbanken in der Schweiz dem Handelsblatt.

Deren Zahl dürfte aber vergleichsweise gering sein. Und auf die Schnelle lässt sich ein Geschäftsmodell natürlich nicht umkrempeln. Weitere Eigentümerwechsel von Auslandsbanken sind deshalb wahrscheinlich.

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