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Gelbe Bank mit schwarzen Zahlen: Commerzbankchef verteidigt Bonuszahlungen von gut 440 Mio. Euro

Mit einem operativen Ergebnis von 1,4 Mrd. Euro in 2010 konnte die Commerzbank die Erwartungen der von Reuters befragten Analysten in Höhe von 1,25 Mrd. Euro schlagen. Damit kehrt das staatlich gestützte Institut endlich wieder in die schwarzen Zahlen zurück. Doch von dem neuerlichen Geldsegen werden weder der Steuerzahler noch die Mitarbeiter viel sehen.

Dabei entwickelten sich die vier Geschäftsfelder der Bank recht unterschiedlich. Die Mittelstandsbank erweist sich zunehmend als Goldesel des gelben Riesen. Allein in diesem Geschäftsfeld erzielte die Commerzbank ein Ergebnis von 1,6 Mrd. Euro, womit der Geschäftsbereich besser als vor der Krise abschnitt. Auch das in Corporates & Markets zusammengefasste Investmentbanking kehrte mit einem operativen Ergebnis von 786 Mio. Euro in die Gewinnzone zurück.

Dagegen brach das operative Ergebnis im Privatkundengeschäft um zwei Drittel auf höchst bescheidene 48 Mio. Euro ein, was Commerzbank-Chef Martin Blessing auf die Belastungen durch die Integration der Dresdner Bank zurückführte. Nach einem Verlust von fast 400 Mio. Euro im Vorjahr kehrte das Osteuropageschäft mit einem operativen Ergebnis von 53 Mio. Euro in die Gewinnzone zurück.

Noch 1700 Stellen müssen abgebaut werden

Beim Personalabbau kommt die Bank schneller voran als erwartet. Von dem avisierten Kahlschlag von 9000 Stellen waren per Ende Dezember bereits 7300 vertraglich fixiert. Die Zahl der Mitarbeiter auf Vollzeitbasis sank in 2010 um 6 Prozent auf 59.101 Beschäftigte. Nach Blessing würden keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen, solange der Personalabbau über Plan liege.

Die Hauptlast des Personalabbaus mussten indes die ausländischen Mitarbeiter tragen, wo die Beschäftigtenzahl um fast 15 Prozent auf 13.800 Stellen sank. Dagegen kamen die inländischen Beschäftigten fast ungeschoren davon. Denn in Deutschland verminderte sich die Stellenzahl um moderate 2,5 Prozent auf 45.301 Mitarbeiter.

Blessing bezeichnet Bonusanteil von 10 Prozent als “untere Bandbreite”

Der Personalaufwand sank indes überproportional um 6 Prozent auf 4,418 Mrd. Euro. Mithin wandte die Commerzbank für jeden ihrer Beschäftigten nur noch durchschnittlich 75.753 Euro auf, was einige hundert Euro weniger sind als im Vorjahr. Diese Entwicklung dürfte auf den starken Personalabbau in der Investmentbank zurückgehen.

Von dem Erfolg der Bank scheinen die Mitarbeiter indes wenig abzubekommen. Laut Blessing bleibt der Bonuspool mit gut 440 Mio. Euro oder 10 Prozent der Gesamtvergütung auf Vorjahresniveau, was indes nicht nur für die über 30.000 übertariflichen Mitarbeiter, sondern auch für die Tarifkräfte reichen muss, da die tariflichen Mitarbeiter einen Bonus von jeweils 650 Euro erhalten.
“Die Auszahlungen sind im März und April”, sagte Blessing. “Mit 10 Prozent sind wir an einer unteren Bandbreite.” Laut Blessing richten sich die Bonuszahlungen zu 70 Prozent nach der individuellen Leistung der Mitarbeiter und zu 30 Prozent nach der Bankperformance.

Variable Vergütungen im Interesse der Steuerzahler

Gegenüber der Presse und der Politik verteidigte Blessing die Bonuszahlungen. Denn nur auf diese Weise ließe sich Leistung angemessen honorieren, zumal es bei der Commerzbank lediglich zwölf Monatsgehälter gebe. “Wir sollten nicht hingehen und sagen, jede Variabilität ist schlecht”, sagte Blessing und ergänzte: “Variable Vergütungsbestandteile sind im Interesse unserer Kapitalgeber und damit auch des Steuerzahlers.”

Dabei werden auch für 2010 einige Mitarbeiter ein höheres Gehalt als 500.000 Euro erhalten. Die gesetzliche Kappung der Bezüge bei einer halben Mio. Euro auch bei Mitarbeitern unterhalb der Vorstandsebene greift erst für 2011. Da die Commerzbank in 2011 die Zinszahlung an den Bund aufnehmen möchte, wird die Kappung voraussichtlich auch in Zukunft nicht angewandt werden.

Unter den Neueinstellungen befänden sich Frauen mit einem Anteil von 52 Prozent in der Mehrheit, wobei der Frauenanteil mit der steigenden Hierarchie abnehme. Die Bank habe indes ein Interesse an einer höheren Zahl von Frauen in Führungspositionen. “Ansonsten haben wir in Zukunft nicht die Führungskräfte, die wir brauchen”, sagte Blessing.

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