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Sarbanes-Oxley-Löhne: Jetzt reich und später arm

Anbieter von Lösungen zum Sarbanes-Oxley-Act (SOX) machen derzeit das große Geld in Großbritannien. Der Job ist monoton und die Aussichten sind auf lange Zeit eher schwach – sollten SOX-Spezialisten also beneidet werden?

Für britische Controller, die aufs schnelle Geld aus sind, sind Sarbanes-Oxley-bezogene Jobs genau das Richtige. Die neuen Rechnungslegungsvorschriften traten 2004 für die meisten US-amerikanischen Unternehmen in Kraft. Ursprünglich war der Zeitplan für europäische Unternehmen, die an einer US-Börse notiert sind, ab Juli 2005 nach den neuen Vorschriften bilanzieren zu müssen. Am 3. März jedoch verlängerte die SEC diese Frist auf den 15. Juli 2006. Somit haben nicht-amerikanische Unternehmen ein weiteres Jahr Zeit sich auf die neue Regulierung einzustellen.

Der Sarbanes-Oxles-Act ist bekannt für seine “Section 404”, die es Unternehmen vorschreibt, detaillierte Beschreibungen ihrer internen Kontrollen vorzulegen sowie ein Rentabilitätsbericht eines externen Wirtschaftsprüfers.

Britische Firmen mit einer Notierung an einer US-Börse bemühen sich derzeit nach Kräften, ihre Häuser in Ordnung zu bringen, und sie sind nicht die einzigen. “Die meisten Unternehmen des FTSE 100 werden wohl die neuen Vorschriften erfüllen”, berichtet Adrian Parks, Manager bei der Londoner Personalvermittlung Goodman Masson. “Sie wissen, dass sie es letztendlich sowieso tun müssen.”

Zeit für Zeitverträge?

Gut 90 Prozent der Jobs im Umfeld der Sarbanes-Oxley-Vorschriften sind Zeitverträge, sagt Parks. “Die Leute werden nach Tagessätzen in Monatsverträgen, die sich automatisch verlängern, bezahlt. Sie machen so ein kleines Vermögen.”

Wie viel ist ein kleines Vermögen? Parks berichtet, dass Fachkräfte mit einer großen Erfahrung im Finanzprüfungsbereich leicht Tagessätze von mindestens 500 britische Pfund (722 Euro) pro Tag herausschlagen können. Er fügt hinzu, dass es selbst für Bilanzbuchhalter mit einem Jahr Berufserfahrung nach ihrem Abschluss nichts Ungewöhnliches sei, ein Gehalt von 72.000 britischen Pfund (96.266 Euro) für einen sechsmonatigen SOX-Vertrag zu erhalten. Normalerweise würde er im gleichen Zeitraum maximal 45.000 britische Pfund (60.100 Euro) verdienen.

Kirsten MacLeod, Direktorin beim Recruiter Martin Ward Anderson und für den Bereich “Operations” bei Banken zuständig ist, berichtet von Investmentbanken, die bereit sind, Tagessätze von 800 britischen Pfund (1070 Euro) für Fachkräfte im Bereich SOX-Compliance zu zahlen.

Selbst außerhalb des Bankensektors können erfahrene Fachkräfte Tagessätze von bis zu 1500 britischen Pfund (2000 Euro) erzielen. “Der Aufschlag für Sarbanes-Oxley beträgt normalerweise rund 30 bis 50 Prozent.”

Neidvolles Betrachten

Bilanzbuchhalter anderswo in Europa könnten leicht neidisch auf ihre britischen Gegenstücke sein. In Frankreich, wo Konzerne mit einer US-Börsennotiz ebenfalls ab Juli 2006 SOX-konforme Rechnungslegungen vorweisen müssen, sind hochbezahlte Zeitverträge quasi unbekannt.

“Der Markt für zeitlich befristete Arbeitsverträge wird als letzte Zufluchtsmöglichkeit angesehen”, sagt Martin Dickson, Direktor bei Hays Accountancy and Finance in Frankreich. “Es hat ein richtiges Stigma – einen unbefristeten Job zugunsten eines zeitlich befristeten Sarbanes-Oxley-Vertrags aufzugeben, wäre ein karrieretechnischer Selbstmord.”

Der Großteil der Arbeit im Zusammenhang mit Sarbanes-Oxley wird laut Dickson in Frankreich von fester Belegschaft mit Standardbezahlung gemacht.

Die Kehrseite

Bevor nun Französische Wirtschaftsprüfer nach Großbritannien emigrieren und britische Wirtschaftsprüfer Zeitverträge eingehen, sollten sie sich allerdings vor Augen führen, dass Sarbanes-Oxley-Arbeit auch ihre Fallstricke hat. Zum einen ist sie eintönig, zum anderen kann sie allzu kurzlebig sein.

“Was Bewerber oft nicht realisieren, ist, dass die Arbeit lächerlich langweilig ist, bemerkt Parks von Goodman Masson. “Leute, die das eine Zeit lang gemacht haben, kommen zurück und sagen, sie wollen einen neuen Job, der nichts mit Sarbanes-Oxley zu tun hat.”

Matthew Leedham von Michael Page bestätigt, dass SOX-bezogene Arbeit nicht die aufregendste der Welt ist. “Es gibt eine Menge Grundlagenprüfungen: Sie könnten durchaus fehlenden Bestellformularen in Geschäftsprozessen nachjagen.”

Es ist diese Banalität, die Leedham dazu veranlasst zu sagen, dass SOX-Arbeit am besten von Nachwuchskräften getan werden sollte. Das Problem ist, dass es gar nicht genug Nachwuchskräfte gibt.” Die Nachfrage ist so groß, dass Leute mit jeglicher Art interessantem beruflichem Background genommen werden.

Doch nicht jeder ist bereit, mit dem Strom zu schwimmen. Leedham berichtet von einem Senior Manager, der erst kürzlich von einem der Großen Vier Wirtschaftsprüfern für die Corporate-Finance Abteilung des New Yorker Büro’s angeheuert worden war, und kündigte, als er gedrängt wurde, sich um Sarbanes-Oxley-bezogene Themen zu kümmern.

Pass auf: Wo passiert es als nächstes?

Selbst unter der Annahme, Sie könnten diese Eintönigkeit tolerieren, bleibt der Fluch von Sarbanes-Oxley, dass es zwar Wunder auf Ihrem Bankkonto vollbringt, aber leider nicht ähnlich wohltuend für Ihren Lebenslauf ist.

Parks sagt, dass diejenigen, die auf finanzielle Gratifikationen aus sind, sehr kurzfristig planen. “Wenn Sie rein auf dem Gebiet von Sabarnes-Oxley-Compliance tätig waren, werden diese Fähigkeiten auf Sicht von sechs bis zwölf Monaten nicht mehr benötigt werden,” sagt er. “Wenn die Arbeit getan ist, werden alle auf einmal auf den Arbeitsmarkt strömen.”

Die negativen Einflüsse auf die Lebensläufe sind besonders hoch bei denjenigen, die erst vor kurzem ihre Qualifikationen abgeschlossen haben und wenig andere Erfahrungen gemacht haben als Sarbanes-Oxley-bezogene Arbeit. Nachwuchskräfte könnten sich so bald in einer Situation wiederfinden, wie sie vor einigen Jahren bei Geldwäsche-Spezialisten auftrat. 2002 stellten Investmentbanken ganze Schwaden von Nachwuchskräften ein, die Anti-Geldwäsche-Informationen von bestehenden Kunden überprüft haben. Auch sie wurden in Zeitverträgen gut bezahlt.

Als die Arbeit getan war (was sie zwangsläufig irgendwann war), wurden sie irgendwo anders fehlbesetzt. Anstatt fehlende Bestellformularen zu jagen, sollten Parks zufolge Nachwuchskräfte ihre Zeit besser damit verbringen, sich eine Karriere in einem Unternehmen aufzubauen und so einen besseren Überblick im kaufmännischen Bereich zu bekommen.

Dieser Ratschlag scheint nicht übereilt im aktuellen Ansturm auf SOX-Jobs in Großbritannien.

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