Islamic Finance in Deutschland: Megatrend oder Megaflop?

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Über ein Vermögen von 20 Mrd. Euro verfügen die etwa 4 Mio. Muslime in Deutschland, die überdies noch alljährlich eine Summe von 1,6 Mrd. Euro auf die hohe Kante legen. Damit besteht in Deutschland ein beträchtliches Nachfragepotenzial für islamkonforme Finanzdienstleistungen.

Zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine Studie des Wirtschaftsberatungs-Unternehmens Ernst & Young, die vom Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) in Auftrag gegeben werden wurde.

Ernst & Young sieht Riesen-Nachfrage

"Schätzungsweise drei von vier dieser Muslime fühlen sich ihren Heimatländern und den islamischen Traditionen noch eng verbunden. Und 30 bis 50 Prozent davon wiederum hätten Interesse, ihre finanziellen Transaktionen islamisch abzuwickeln", sagt Michael Saleh Gassner vom ZMD.

Das islamische Gesetz, die Scharia, enthält beispielsweise ein Zinsverbot, das viele westliche Finanzdienstleistungen nach westlichen Vorbild - wie Anleihen oder Kredite - unmöglich macht. Dennoch sind auch in Deutschland verschiedene Scharia-konforme Anlagevehikel erhältlich, wie beispielsweise drei ETFs von der Deutschen Bank.

Schariakonforme Finanzdienstleistungen als Ladenhüter

Demnach müsste es auch eine dringliche Nachfrage nach Experten für Islamic Banking geben. Doch dies scheint nicht der Fall zu sein. So hat Patrick Riske von Fricke Finance & Legal noch nie nach einem Kandidaten mit entsprechenden Fähigkeiten gefahndet. Das Gleiche gilt für Tim Zühlke von Indigo Headhunters.

Dafür gibt es laut Informationen aus Bankenkreisen einen einfachen Grund: Die in Deutschland lebenden Muslime fragen derartige Dienstleistungen kaum nach. Denn anders als etwa in Großbritannien oder Frankreich stammt die Mehrzahl der in Deutschland lebenden Muslime aus der Türkei - einem vergleichsweise weltlich geprägten Land.

"Die Mitbürger mit Migrationshintergrund fragen diese Produkte in der Regel nicht nach, sondern wollen mit den üblichen Produkten versorgt werden", bestätigt eine Sprecherin des Bundesverbandes der deutschen Volks- und Raiffeisenbanken diese Entwicklung.

Kostenlose Abwehr des Bösen Blicks erhältlich

Doch während sich das Islamic Banking vorerst als Flop erweist, scheint das Geschäft im sogenannten "Ethnic Banking" besser zu laufen. So hat die Deutsche Bank beispielsweise vor einigen Jahren die "Bankamiz" gegründet, um die türkischsprachige Klientel mit muttersprachlichen Personal ansprechen zu können.

Auf der Bankamiz-Homepage wird zwar mit fünf kostenlosen Überweisen in die Türkei geworben, nicht jedoch mit Islamic Banking. Überdies können Kunden auf ihre Kontokarte auch ein Bild der türkischen Fußball-Nationalmannschaft, der Hagia Sophia oder ein Nazar Boncuk-Motiv erhalten, womit der Eigentümer bestens gegen den Bösen Blick geschützt ist.

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