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INTERVIEW mit DVFA-Geschäftsführer Dr. Peter König: Wieso ist der CIIA besser als der CFA?

DVFA-Geschäftsführer Dr. Peter König

eFC.de: Die Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) feiert jetzt ihr 50jähriges Jubiläum und eine der Hauptaufgaben des Verbandes besteht in der Fortbildung, wobei das Paradepferd der Certified International Investment Analyst (CIIA) ist. Worin bestehen die Vorzüge dieses Programms gegenüber dem Chartered Financial Analyst (CFA)?

König: Es ist immer schwierig, Abschlüsse miteinander zu vergleichen. Dennoch haben wir hier ein Benchmarkkriterium, wonach der CIIA und der CFA gleichwertig sind: Das ist die Anerkennung als Berufsdiplom von der britischen Regulierungsbehörde FSA in London. Dort laufen viele Fäden in der Finanzbranche zusammen. In London ist es Pflicht, eine entsprechende Berufsausbildung zu machen und beide Abschlüsse sind dort als gleichwertig anerkannt.

Insofern unterscheiden sich die beiden Abschlüsse nicht durch Inhalte, das kann man auch am Syllabus beider Programme feststellen. Sie unterscheiden sich auch nicht nach der Qualität, sondern nur durch den Weg, auf dem man zu diesem Ziel gelangt.

eFC.de: Sie sagen in London ist das Pflicht. Für welche Berufsgruppe ist denn das Pflicht in London und wieso gibt es etwas vergleichbares nicht in Deutschland.

König: Jeder, der in London am Finanz- und Kapitalmarkt tätig ist, muss seine Qualifikation durch eine Fachprüfung nachweisen. Es ist allerdings ein offenes System, also nicht eine staatliche Prüfung durchgeführt von der FSA, sondern die Regulierungsbehörde schaut sich verschiedene Abschlüsse an und akkreditiert diese. Die Anforderung gilt für alle möglichen Berufsgruppen, ob Sie Derivate handeln, Anlageberatung machen, Fonds an Institutionelle oder im Retail vertreiben, ob Sie Fondsmanager sind. Jeder, der dort beruflich tätig ist, muss einen entsprechenden Abschluss vorweisen.

In Deutschland gibt es am Finanzmarkt nur eine vergleichbare Vorgabe, das ist die Börsenhändler-Prüfung. In anderen europäischen Ländern war es bisher ähnlich wie in Deutschland, aber vor dem Hintergrund der Finanzkrise und auch der Einführung MiFID ändert sich das Bild im Moment. Die Franzosen haben seit dem Juli diesen Jahres ein System, welches dem englischen System vergleichbar ist, und wir wissen, dass in Portugal und in Spanien derzeit ähnliches diskutiert wird.

In Deutschland ist es noch anders. Die Kapitalmarktregulierung war nie am Verbraucher- oder Anlegerschutz orientiert, sondern immer am Systemschutz. Insofern hat der Regulierer und auch der Gesetzgeber sich immer der Prüfung und Beaufsichtigung der Institute gewidmet, und dementsprechend gibt es keine Prüfung der Qualifikationen von Individualpersonen. Nur bei Vorstands- oder Geschäftsführungstätigkeit wird eine Qualifikation erwartet. Es existiert somit in Deutschland keine formale Anforderung an Fachqualifikationen in der Finanzbranche.

eFC.de: Obgleich entsprechende Fortbildungen in Deutschland noch nicht vorgeschrieben sind, haben sich doch der CIIA und der CFA in der Branche durchgesetzt. Wer also beispielsweise als Aktienanalyst oder Fondsmanager arbeiten und Karriere machen möchte, der kommt um einen solchen Abschluss eigentlich nicht herum.

König: Die Änderung ergibt sich nicht nur als Reaktion auf die Finanzkrise. Vor 20 Jahren war die Branche in Deutschland und in Europa noch sehr stark am klassischen Bankgeschäft orientiert – mit Ausnahme Großbritannien. Das heißt, die Banken waren so organisiert, wie das im Kreditgeschäft üblich war. Man hat also einen Abschluss gemacht wie etwa einen Bankkaufmann oder -kauffrau auf Arbeitsebene oder ansonsten akademische Abschlüsse wie Volkswirt, Betriebswirt oder in Jura. Und dann ist man im Job angelernt worden und hat im Zeitablauf Erfahrungen gewonnen und mehr Verantwortung bekommen. Weitere formelle Fachqualifikation wurde nicht als notwendig erachtet.

Seit den 90er Jahren, seit sich das Kapitalmarktgeschäft weitaus dynamischer entwickelt und seitdem in der Karriere der Spezialist als erfolgreich angesehen wurde, seitdem ist es natürlich auch notwendig, entsprechende Ausbildungen und Fachkenntnisse nachzuweisen. Und deshalb ist es heute in der Tat so, dass junge Leute von der Uni kommen und daran interessiert sind, diese Zusatzausbildungen als Standardqualifikation im Markt dann noch zu erwerben. Das ist dann in der Tat entweder der CFA in angelsächsisch geprägten Häusern oder bei uns der CIIA.

eFC.de: Sie sagten bereits, dass erhebliche Teile des Lehrstoffes bei CFA und CIIA gleich sind. Fragen wir mal andersherum: Wo liegen die Unterschiede im Lehrstoff?

König: Im Lehrstoff ist an sich nur eine Sache anders und das ist der Regulierungsteil. Die lokale Regulierung wird im CFA gar nicht behandelt, während wir in allen ACIIA-Ländern und Regionen eine Vorgabe über eine Prüfung in nationaler Regulierung von mindestens 180 Minuten haben. Im Einzelnen ist der Inhalt von Land zu Land unterschiedlich. Auch in Schweden ist es beispielsweise so, dass der nationale Regulierer ein solches Examen vorschreibt, das haben wir dann anerkannt. In Deutschland gibt es, wie schon gesagt, eine solche Vorschrift nicht. Wir unterrichten Kapitalmarktrecht, das Investmentgesetz, Haftungsregelungen für Anlageberater und Vermögensverwalter, und wir unterrichten Ethik.

Diese unterschiedlichen Prüfungsinhalte werden von Land zu Land von Region zu Region, Europa und Asien, passend zum Markt festgelegt. Das unterscheidet den CIIA vom CFA.

eFC.de: Spielen auch Steuerfragen eine Rolle?

König: In Deutschland haben wir es in dem Programm nicht drin. Das Steuerthema spielt hier vor allem eine Rolle bei der Beratung von Privatanlegern, und das ist kein zentrales Ausbildungsziel beim CIIA.

eFC.de: Der CFA wird komplett auf Englisch angeboten. Wie sieht das beim CIIA aus?

König: In jedem Mitgliedsland, und das sind inzwischen 32, ist es immer möglich das CIIA-Examen in Englisch zu schreiben und darüber hinaus gibt es elf anerkannte Sprachen, wozu auch Deutsch zählt.

eFC.de: Daraus könnte man den Vorwurf stricken: Wer den CIIA anstrebt, kommt auch mit schwächeren Englischkenntnissen durch.

König: Wenn ich jemand auf seine Fachkenntnisse überprüfe, möchte ich ihn in seiner Muttersprache überprüfen, wo seine Fachkenntnisse klar zum Ausdruck kommen oder möchte ich mit der Fachprüfung einen Englischtest verbinden? Wer am Kapitalmarkt tätig ist, sollte Englisch sprechen können, aber muss es deshalb Teil einer Fachprüfung sein?

eFC.de: Ein wesentlicher Unterschied zwischen CIIA und CFA besteht darin, wie man zu dem Abschluss gelangt. Ein zentraler Kritikpunkt am CFA ist die hohe Durchfallquote von durchschnittliche 58 Prozent je Prüfung, womit letztlich nur 20 Prozent der Kandidaten aus Level I schließlich das gesamte Programm besteht. Wie sieht das beim CIIA aus?

König: Beim CIIA liegt im internationalen Vergleich die Durchfallquote bei ca. 50 Prozent. In Deutschland bestehen rund 70 Prozent das Programm.

eFC.de: Wieso bestehen so viel mehr Teilnehmer den CIIA als den CFA?

König: Der entscheidende Unterschied liegt darin, auf welchem Weg die Kandidaten zum Ziel geführt werden. Beim CFA handelt es sich zunächst um ein Selbststudienprogramm. Bei uns handelt es sich um einen kompakten Unterricht, bei dem die Kandidaten berufsbegleitend aber sehr komprimiert über ein halbes Jahr im Unterricht durch das Programm, durch den Stoff geführt werden – mit Fallstudien, mit spezieller Prüfungsvorbereitung, mit Prüfungshinweisen in pädagogischer Art und natürlich auch durch das Verschicken von Unterrichtsmaterial. Das ist also ein wesentlich umfangreicheres Angebot. Das ist für viele Menschen leichter, wenn ein Referent einen Stoff erklärt, wenn man auch Fragen stellen kann und Antworten bekommt. Übrigens auch nicht nur von den Referenten, sondern von den übrigen Teilnehmern im Lernnetzwerk. Das ist einfacher, als wenn man zuhause sitzt und den Stoff lesen muss. Das ist der Punkt, der die höheren Erfolgsquoten erklärt.

Man sieht das auch daran, dass Deutschland mit 70 Prozent noch einmal 20 Prozentpunkte besser liegt als der Rest der Welt. Das ist eben in Deutschland ein überdurchschnittlich kompakter Kurs, dieser findet nur in Frankfurt statt. In anderen Ländern sind größere Distance-Learning Elemente eingebaut und das erklärt vermutlich dann auch, wieso dort die Quoten auch noch einmal anders sind als bei uns.

eFC.de: Wie hoch ist der gesamte Lernumfang und wie viel entfällt davon auf den Präsenzunterricht? Es ist klar, dass das individuell recht unterschiedlich ist, aber es muss doch Erfahrungswerte geben.

König: Idealtypischerweise dürfte der Anteil des Unterrichts am Gesamtaufwand bei einem Drittel liegen. Das heißt, wie haben in Deutschland ungefähr 220 Zeitstunden Unterricht und wir würden den Gesamtaufwand auf 600 bis 750 Stunden schätzen, was individuell verschieden ist. Doch man darf nicht den Irrtum begehen und beim Zusammenzählen der Stunden die unterschiedliche Lehrstruktur negieren. Denn ich kann nicht die Stunde, die jemand im Unterricht sitzt und von einem Experten etwas erklärt bekommt, gleichsetzen mit der Stunde, die jemand zuhause vor dem Buch sitzt. Die Stunde im Unterricht ist für den Lernerfolg deutlich mehr wert.

Ich weiß, wie ich selbst im Studium gelernt habe: Sie setzen sich dann Samstagmorgens um 10 Uhr hin und sind um 15 Uhr fertig. Dabei haben sie aber keine fünf Stunden gelernt, sondern sie haben zwischendurch Kaffee gekocht, das Radio angemacht, mal Luft geholt, sind in den Garten gegangen oder was auch immer. Das Nettolernen belief sich dann vielleicht auf zwei oder drei Stunden. Das ist schon in der Lerngruppe anders, und es ist noch einmal anders, wenn die Teilnehmer im Unterricht sitzen. Da tickt jede Minute, acht Stunden am Tag. Vielleicht schaltet da mal jemand ab, das kann ich nicht ausschließen, aber von den Anreizen ist es sehr viel stärker, als wenn man alleine zuhause sitzt. Deswegen ist diese Stunde für den Lernerfolg viel mehr wert. Daher kann man auch nicht sagen, dass der CIIA weniger wert wäre, nur weil die Stunden auf 750 und nicht auf 1000 Stunden veranschlagt werden wie beim CFA. Durch den Unterricht sind unsere Stunden intensiver.

Die Kehrseite der Medaille ist, unser Kurs kostet ein wenig mehr Geld, denn die Referenten wollen bezahlt und der Raum gemietet werden. Außerdem gibt’s noch Verpflegung dazu.

eFC.de: Wo stammen Ihre Referenten her?

König: Ein knappes Drittel sind Universitätsprofessoren, gut die Hälfte sind Praktiker aus Banken und Fondsgesellschaften, der Rest sind professionelle Trainer und Berater.

eFC.de: Wie lange dauert ein CIIA?

König: Wir beginnen mit dem Programm immer Anfang März und Anfang September. Wer Anfang März begonnen hat, schreibt Mitte September das globale Final Exam und bekommt Ende Oktober / Anfang November mitgeteilt, ob er bestanden hat oder nicht. Also beläuft sich das Programm auf etwa sieben Monate.

eFC.de: Es geht nicht nur um die Frage, was ist besser, sondern auch was ist anerkannter. Es ist einfach so, dass der CIIA im angelsächsischen Raum seltener anzutreffen ist.

König: Es ist in der Tat so, dass wir in den USA keinerlei Präsenz und auch Akzeptanz haben. Das ist das Heimatland des CFA und die Amerikaner akzeptieren wie auch in anderen Bereichen keinen anderen Standard. Das strahlt auch sehr stark auf London aus. Aber in Europa, Asien und Südamerika ist das gleichwertig, wenn nicht sogar der CIIA und die lokalen Organisationen stärker sind.

eFC.de: Eine Frage zum Abschluss: Welches ist der Unterschied, bei dem sich der CIIA am deutlichsten vom CFA abhebt?

König: Ich gehe in den Präsenzunterricht, bilde ein Netzwerk, meine Erfolgschance verdoppelt sich und ich bin in einem Drittel der Zeit fertig.

Nur das alles kostet eben ca. 12.000 Euro. In rund 80 Prozent der Fälle werden die Kosten von den Arbeitgebern übernommen. Dabei ist die Selbstzahlerquote im Zuge der Finanzkrise und den Einsparungen bei Unternehmen von 10 auf 20 Prozent gestiegen.

eFC.de: Ist es nicht möglich, die Kosten von der Steuer abzusetzen?

König: Ja, das ist möglich.

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