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Operational Risk Manager: Die Boomjahre sind vorbei

Was treibt ein “Operational Risk Manager”? Das kommt ganz darauf an, wo er sich befindet, lautet die Expertenantwort. “Bei Banken trifft man das Berufsbild am häufigsten an”, erklärt Thomas Gerwert, Geschäftsführer des Mönchengladbacher Unternehmens- und Personalberaters GeCon. Durch die Einführung der Basel-II-Richtlinien wurden die Banken vor einigen Jahren gezwungen, nicht nur extern den Kunden auf seine Kreditwürdigkeit überprüfen zu lassen, sondern auch intern die Kreditrisiken frühzeitig zu eruieren und abzuwenden.

Solche Risikoanalysen beruhen auf der statistischen Auswertung der Kundendaten und werden anschließend zu den bisherigen Erfahrungen mit Kreditausfällen in Beziehung gesetzt. Ein Risikomanager sollte daher zwingend ein gutes Verhältnis zu Zahlen besitzen: “Häufig werden Mathematiker oder Wirtschaftswissenschaftler gesucht”, sagt Jürgen van Zwoll, Partner im Frankfurter Büro der internationalen Personalberatung Ray & Berndtson. “Gute EDV-Kenntnisse und ein analytischer Verstand werden überall vorausgesetzt”, fügt er hinzu.

Ohne eine Bankausbildung haben es die Kandidaten schwerer, glaubt van Zwoll, obwohl nach seiner Ansicht auch ein betriebswirtschaftlicher Hintergrund ausreicht. Wenngleich es sich beim Operational Risk Management um eine Back-Office-Tätigkeit mit wenig Kundenkontakt handelt, werden Teamfähigkeit und gute Englischkenntnisse trotzdem als selbstverständlich erachtet: Teams entwickeln die Ratingsysteme gemeinsam weiter. Wer die Zusammenarbeit mit dem Nachbarn scheut, hat schlechte Karten.

Die Teams sind etabliert

Bei Versicherungen oder im Portfoliomanagement von Fondsgesellschaften sind die Risikomanager ebenfalls anzutreffen. Überall dort, wo Ausfallrisiken antizipiert werden müssen, findet der Operational Risk Manager einen Platz. Dennoch sind die Boomjahre für die Berufsgruppe vorbei: “Die Unternehmen haben ihre Ratingsysteme etabliert. Die Teams sind eingerichtet und werden lediglich bei Abgängen wieder aufgefüllt”, berichtet Gerwert.

Entsprechend gestalten sich auch die Einstiegsgehälter: “Ein Berufseinsteiger kann mit einem Jahresgehalt von 35.000 bis 40.000 Euro rechnen”, schätzt van Zwoll. Bonuszahlungen gibt es nur selten: Bei angelsächsischen Unternehmen könne man in den Anfangszeiten schon mal 1.000 oder 2.000 Euro am Jahresende zusätzlich erhalten. Bei deutschen Finanzinstituten wären dagegen Prämien in der Anfangszeit unüblich, sagt van Zwoll.

Vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten

Bei der weiteren Gestaltung seiner Karriere hat der Risk Manager vielfältige Möglichkeiten: Ein Übergang ins Consulting ist genauso denkbar wie der bankinterne Aufstieg oder der Wechsel in die Industrie. Ein häufiger Werdegang ist der Einstieg bei einer Bank, ein mehrjähriger Zwischenschritt in einer Unternehmensberatung und der anschließende Wechsel auf die Unternehmensseite. Nach Ansicht von Gerwert haben Unternehmen ebenfalls großen Bedarf an Ratingexperten, da auch sie im Zuge von Basel II ihre internen Ratingssysteme ausbauen mussten. Wer auf beiden Seiten, d.h. auf Banken- und auf Beraterseite, Erfahrungen sammeln konnte, ist bei den Unternehmen ein begehrter Kandidat, um die optimale Gestaltung des firmeninternen Ratingverfahrens zu verantworten.

In der Beratung verdienen Kandidaten mit mehr als drei Jahren Berufserfahrung nach Ansicht von Gerwert um die 70.000 Euro. Hinzu kommt ein Bonus zwischen 10 und 15 Prozent. Die Unternehmen lassen sich die ehemaligen Berater beim Übertritt noch einmal ein Vielfaches kosten. Grundgehälter im niedrigen sechsstelligen Bereich mit einem variablen Anteil von mehr als 50 Prozent des Fixums sind laut Jürgen van Zwoll nicht unüblich.

Magere Aussichten für Aufsteigertypen

Innerhalb einer Bank sieht Ray & Berndtson-Partner van Zwoll für die Karrieregestaltung drei Möglichkeiten: den Übertritt ins Kreditscoring, in die Kreditanalyse oder ins Product Development. Die Gehälter lägen in allen drei Bereichen zwischen 50.000 und 100.000 Euro plus 10 bis 30 Prozent Bonus, abhängig von der jeweiligen Berufserfahrung.

Ganz oben wird die Luft für die Risikomanager allerdings dünn: Die Banken haben ihre Portfolien bereinigt und die Strukturen deutlich verschlankt. Dementsprechend sind immer weniger Führungspositionen zu besetzen. Wer langfristig Personal- und Führungsverantwortung anstrebt, landet daher im Risikomanagement womöglich in einer Sackgasse.

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