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Strategic Hires gehen weiter

Die Entlassungswellen in britischen und US-amerikanischen Banken rollen – die Finanzkrise leistet ganze Arbeit. Deutschland kann sich dem nicht entziehen, und doch stellen deutsche Banken weiter ein.

In der Londoner City sind Schätzungen von JP Morgan 40.000 Arbeitsplätze akut gefährdet, für die USA schätzt das Finanzforschungsunternehmen Celent LLC die Zahl der in den kommenden 12 bis 18 Monaten abzubauenden Stellen auf 200.000.

Auch in deutschen Banken stehen Arbeitsplätze zur Disposition: “Natürlich sehen wir auch in Deutschland Job-Cuts, sogar in ähnlichen Relationen wie in London oder New York”, erklärt Tim Zühlke, Gründungspartner der Personalberatung Indigo Headhunters. “Betroffen sind insbesondere Bereiche wie Structured Credits oder Leveraged Finance. Hier gibt der Markt derzeit einfach nicht viel her.”

Mengengerüste in BRD geringer

Ein großer Unterschied zu den USA oder London sind jedoch die Größenverhältnisse. Aufgrund der höheren Anzahl an Bankern im angelsächsischen Raum sind die Mengengerüste absolut gesehen in Deutschland deutlich geringer.

Matthias Junges, geschäftsführender Gesellschafter der Bad Homburger MJ Consult Junges & Schüller Personalberatung, sieht zudem in der Struktur des Bankpersonals einen gravierenden Unterschied insbesondere zwischen den USA und Deutschland: “Viele amerikanische Bankangestellte sind wesentlich geringer qualifiziert als in Europa. So ist es in den USA das Fußvolk der Banker, das von solchen Entlassungswellen schnell betroffen ist.”

Die amerikanischen Häuser können so ihre Personalpolitik noch stärker als in Deutschland auf die Geschäftslage ausrichten – mit schlechter ausgebildeten Bankern als Manövriermasse.

Antizyklisches Handeln

In Deutschland begründet Klaus-Peter Müller, Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken, die Personalfreisetzungen dagegen mit antizyklischem Handeln: “Um ein Unternehmen für die Zukunft zu rüsten, ist unter Umständen auch dann ein Personalabbau erforderlich, wenn die Ertragslage noch gut ist.”

Dennoch gingen die deutschen Banken verantwortlich mit der Situation um: “In der Summe jedenfalls wurden in Deutschland zuletzt mehr Beschäftigte eingestellt als entlassen”, so Müller.

Fest steht jedenfalls: Die deutschen Banken stellen trotz Entlassungen auch weiterhin Personal ein. “Natürlich wird auch weiterhin angestellt, der Markt liegt nicht am Boden – auch wenn nahezu alle Banken einen Hiring Freeze haben”, bestätigt Zühlke.

Denn das bedeute nicht, dass gar nicht mehr rekrutiert werde. Eventuelle Einstellungen müssten aber mehr als je zuvor Strategic Hires sein. “Ein Teamleiter muss also sehr genau begründen, warum er diesen und jenen Mann unbedingt braucht”, erklärt der Personalberater. So genannte Potential Hires, also auf die Zukunft ausgerichtete Einstellungen, seien in der derzeitigen Situation nicht durchsetzbar.

Kommentare (2)

Comments
  1. “Manövriermasse” ist gut – so kommt man sich in der Tat manchmal vor…

  2. Heißt im Klartext: Nur die Besten der Besten kriegen derzeit nen Job – und die wollen gar keinen, weil sie haben schon einen. Für Einsteiger ist der Markt dicht!

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