GASTKOMMENTAR: Nie wieder CFA

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Können Sie sich an die Szene aus dem Film "I-Robot" erinnern, in der Will Smith "Sonny, den Killer-Roboter" jagt und dieser in einem Lagerhaus mit 1000 vollkommen gleich aussehenden Robotern untertaucht?

Dann verstehen Sie auch, wie es an einem Examenstag bei den CFA-Prüfungen zugeht.

Um bei der Metapher zu bleiben: Vielleicht erinnern Sie sich, dass es sich bei den 1000 ordinären Robotern um hirnlose Maschinen handelte, die nur über ein einfaches Betriebssystem verfügten und nur einfache Fragen beantworten konnten?

Dann haben Sie schon verstanden, wie es sich anfühlt, ein einfacher CFA-Kandidat zu sein.

Auch wenn ich dabei den Vergleich ein wenig überdehnen sollte: Sie können die Kommandos von Will Smith an die Roboter mit der Aggression der CFA-Aufsicht vergleichen, die Ihnen mit Verbannung droht, falls Sie etwas wagen sollten, was nicht angeordnet war.

Jetzt verfügen Sie über das gesamte Bild. Sicherlich bin ich mir bewusst, dass es sich um eine Prüfung handelt und dass es Regeln gibt, die befolgt werden müssen - aber ich bin weder ein Trottel noch ein Kind.

Meiner Meinung nach stellt das ganze CFA-Prozedere eine Tragödie "geistiger Leere" dar, die die langjährigen Mitarbeitern den Einsteigern zufügen, seitdem sie keine Telefone mehr nach Uniabsolventen werfen dürfen...

Lassen Sie mich erklären, was ich unter "geistiger Leere" verstehe, bevor die Pedanten in den Kommentaren laut widersprechen.

Der CFA ist schwierig. Ich habe mich daran beteiligt und ich habe den Level 1 mit einem komfortablen Sicherheitsabstand bestanden, soweit ich das aus dem recht lapidaren Punkte-Feedback ablesen konnte. Allerdings habe ich dadurch keinerlei intellektuelle Stimulierung erfahren. Vielmehr handelte es sich für mich um ein sechsmonatiges stures Pauken von scheinheiligsten Banalitäten, die ich in meinem ganzen Leben zu lernen versucht habe.

Die Konzentration auf die Ober-Regularien der ethischen Standards und die korrekte Verwendung von Bezeichnungen und Markenzeichen ist unfassbar. Für weite Teile des Lehrstoffs gibt es so gut wie keinen Bezug zur realen Welt. Dies müssen Sie jedoch lächerlich genau lernen, um den Abschluss zu erwerben.

Wenn ich ein junger Uniabsolvent in einer Research-Abteilung wäre, dann würde ich lieber während eines ganzen Jahres Kaffee holen, um das Geschäft zu lernen als einem CFA Level 1 unterworfen zu sein. Falls es soweit kommen sollte, würde ich lieber Handys verkaufen.

Mein Nachbar bei der zurückliegenden Prüfung im Juni verhielt sich wie eine verängstigte Laborratte und zitterte tatsächlich. Denn sein Vorgesetzter hatte ihm mit der Kündigung gedroht, falls er den Level 1 nicht beim ersten Durchlauf bestehen sollte (dabei sollten Sie bedenken, dass die meisten nicht bestehen)

Beim CFA-Programm handelt es sich für die meisten Leute um eine Zeitverschwendung. Falls Sie einen Analyst bitten, Unternehmen für Sie unter die Lupe zu nehmen, dann sollten Sie ihn zu einem Kurs schicken, der ihm das beibringt. Falls Sie von einem Neueingestellten im Private Banking verlangen, über ein breites Produktwissen zu verfügen, dann sollte Sie ihn ebenfalls in ein Seminar schicken, in dem er dies lernt.

In die Mühlen des CFA zu geraten, scheint mittlerweile eine Voraussetzung für jeden Einsteiger in den Finanzdienstleistungen zu sein. Tatsächlich handelt es sich aber um sado-intellektuellen Unsinn, den sich Leute aus den Finanzdienstleistungen ausheckt haben, um ihre Neueinsteiger zu quälen.

Die Chancen stehen gut, dass wenn ein Uniabsolvent gut genug ist, einen Job zu erlangen, er dann wahrscheinlich auch hell genug ist, das CFA-Examen zu bestehen. Doch wieso sollten diese drei Jahre damit vergeuden, um Ihr Urteil zu bestätigen, dass sie für den Job geeignet sind? Sicher könnten sie die Zeit sinnvoller nutzen.

Doch wieso habe ich mich daran beteiligt? Alles was ich dazu sagen kann ist: Wetten Sie nie mit einem CFA-Charterholder, wenn Sie betrunken sind und der leiseste Verdacht besteht, dass dieser sich am kommenden Morgen an Ihre Prahlereien erinnern kann...

Der Autor arbeitet in der Londoner City und prahlt nie wieder über seine intellektuellen Kompetenzen, wenn er in den Pub geht.

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