Das Letzte vor dem Wochenende: Küssen verboten für Banker - zumindest im Büro

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Vergessen Sie das Shortselling-Verbot: Wenn es nach der Deutschen Knigge-Gesellschaft geht, dann stellen nicht Staatsschuldenkrise und Börsencrash die größten Herausforderungen unserer Zeit dar, sondern die "Minimal-Erotik" am Arbeitsplatz. Die selbsternannten Benimm-Experten haben es dabei auf die mediterrane Kusskultur - auf Französisch auch als "embrasser" bekannt - abgesehen.

Dabei sei die Knigge-Gesellschaft in der jüngsten Vergangenheit von diesbezüglichen Beschwerden überflutet worden. So habe etwa eine Dame geklagt: "Wir haben in Deutschland doch definierte soziale Distanzzonen. Die werden beim Bussi-Bussi eindeutig verletzt. Ich möchte nicht von jedem Mann geküsst werden. Es gibt Schwerenöter, die auf diese Weise Minimalerotik betreiben."

Daraufhin hat der Vorsitzende der Knigge-Gesellschaft Hans-Michael Klein, der ganz nebenbei mit der Knigge-Akademie ein schwunghaftes Geschäft mit Benimmkursen betreibt, eine "Arbeistgruppe Bussi-Bussi" ins Leben gerufen.

"Wir mussten uns des Problems aufgrund zahlreicher Hilferufe von Kussgeplagten annehmen und tatsächlich gibt es einige Widersprüche beim Busserln. Warum z.B. küssen fast ausschließlich Männer und Frauen? Warum nicht auch die Herren untereinander? Ist da vielleicht doch eine erotische Komponente im Spiel", sagt der geschäftstüchtige Benimmexperte.

Auch die "Kussbeauftragte" der Knigge-Gesellschaft Uta Kilian weiß hierzu Erhellendes beizusteuern: "Im Business gilt als Begrüßungsritual der Handschlag. Die zulässige Distanz dabei beträgt in Deutschland etwa 60cm oder eine Armlänge. Das ist eindeutig. Von Bussi-Bussi keine Spur."

Mithin erteilte die Knigge-Gesellschaft dem "Sex des kleinen Mannes" im Office eine klare Absage. Doch im Privatleben sieht das anders aus. "Der private Begrüßungskuss beginnt links und endet rechts. Wir haben sowieso einen Rechtsdrall. Das kommt von unserer Schreibkultur. Die geht auch von links nach rechts. Sogar unsere Blickrichtung wird davon beeinflusst", ergänzt Klein.

Allerdings bleibt die Frage, ob das berufliche Kussverbot auch mit dem Gebot der Diversifizierung am Arbeitsplatz im Einklang steht. Wenn beispielsweise ein kusserprobter Franzose in Deutschland arbeitet, muss er sich dann der herrschenden Leitkultuer anpassen oder darf er hemmungslos seine Triebe ausleben?

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