Werde ich gerecht bezahlt? Frauen geben sich mit weniger zufrieden

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Die Zufriedenheit mit der Bezahlung nimmt bei den Beschäftigten wieder zu. Nach einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) sahen sich in 2009 31 Prozent der Befragten als ungerecht bezahlt an. Dagegen hatten sich in 2007 noch 38 Prozent der Beschäftigten in der alle zwei Jahre erhobenen Studie als unzufrieden gezeigt, nach nur 29 Prozent in 2005.

"In Krisenzeiten sind Beschäftigte offensichtlich bereit, ihre Einkommensansprüche zu reduzieren, während sie in Aufschwungphasen - wie im Jahr 2007 - ihren gerechten Anteil am wirtschaftlichen Erfolg erwarten", heißt es in der Studie.

Mittelschicht sieht sich als besonders ungerecht bezahlt

Empfindliche Unterschiede bei der Einkommensgerechtigkeit stellen die Wissenschaftler indes in den unterschiedlichen Einkommensklassen fest. Als besonders ungerecht behandelt empfanden sich die unteren bis mittleren Einkommen und darunter besonders die Facharbeiter. Dagegen waren die oberen Einkommensklassen eher zufrieden.

Auch 20 Jahre nach der deutschen Einheit beobachteten die Wissenschaftlicher einen großen Unterschied zwischen Ost und West. Während sich in 2009 in Westdeutschland nur 28 Prozent der Beschäftigten als ungerecht bezahlt ansahen, waren es im Osten immerhin noch 46 Prozent.

Beträchtlicher Einfluss der Steuern

Das Ungerechtigkeitsempfinden legt in den oberen Einkommen auch nach den Steuerzahlungen nicht zu. Zu einem ganz anderen Ergebnis kommt die Studie bei den mittleren Gehaltsklassen: "Das Einkommen nach Steuern und Transferleistungen wird im mittleren Einkommensbereich als ungerechter wahrgenommen als das am Arbeitsmarkt erzielte Einkommen vor Steuern."

"Nur am unteren Ende der Einkommenshierarchie ist die Gerechtigkeitswahrnehmung beim Nettoeinkommen größer als beim Bruttoeinkommen," heißt es in der Studie. Dies führte das DIW auf die Transferleistungen für niedrige Einkommen zurück.

Frauen erwarten ein spürbar geringeres Gehalt

Nach der überwiegenden Mehrheit der Befragten sollte das Geschlecht keine Rolle bei der Höhe der Gehälter spielen. Doch hierbei stellt die Studie einen gravierenden Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit fest. So verdienen Frauen in Deutschland durchschnittlich rund 20 Prozent weniger als Männer.

Wenn gefragt wird, welche Bezahlung im Einzelfall als gerecht empfunden wird, dann fallen die Angaben in der Regel bei Frauen deutlich geringer als bei Männern aus.

"In einer gerechten Welt, in der jeder das Einkommen erhalten würde, was er für sich als gerecht ansieht, gäbe es demnach ebenfalls Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen, sie wären nur etwas geringer als sie aktuell existieren", resümiert Prof. Stefan Liebig von der Uni Bielefeld.

Weiter heißt es: "Es sind nicht nur die Männer, die der Meinung sind, Frauen müssten am Arbeitsplatz weniger verdienen, auch die Frauen selbst haben deutlich niedrigere Erwartungen an ihr Einkommen und formulieren deshalb - etwa bei Gehaltsverhandlungen - geringere Ansprüche."

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