GASTBEITRAG: Wer bei einem Hedgefonds anfängt, muss schon exhibitionistisch veranlagt sein

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Wie die meisten Leute bevorzuge ich bei so manchen Tätigkeiten meine Privatsphäre. Doch einige Leute sind nach gutem Zureden - und etwas Alkohol – bereit, andere dabei zuschauen zu lassen. Dann gibt es da auch noch die Exhibitionisten, die jede Minute und jedes Detail aufgezeichnet bekommen wollen. Diese Leute bringen die beste Leistung, wenn ihnen die ganze Welt dabei zusieht. Wenn Sie bei einem Hedgefonds arbeiten wollen, dann sollten Sie sich schon einmal darauf einstellen, zum Exhibitionisten zu mutieren.

Wenn ich von Performance spreche, meine ich natürlich Erträge – nicht dass jemand etwas anderes denkt. Einer der großen Vorteile der Arbeit bei einem Hedgefonds besteht in der umfassenden Transparenz. Wie alle anderen aus dem Investmentteam kann auch ich die Erträge des Unternehmens in Realtime verfolgen und die Gewinn-und-Verlustrechnung wird täglich aktualisiert. Der einzige Job eines Beschäftigten auf der Buy-Side besteht darin, Geld für seine Investoren zu verdienen. Also sollten Sie ganz vorne dabei sein.

Wenn Sie bei einem Hedgefonds beschäftigt sind, hilft kein verstecken. Die Investoren sehen Ihre monatlichen Erträge und gelegentlich hört man sogar in den Nachrichten von der Performance Ihres Fonds – meist wenn Sie den Markt deutlich schlagen oder aber ebenso deutlich unterbieten. Es ist großartig, wenn jeder über Ihre Erträge Bescheid weiß, denn damit wird das Geschäft ein wenig meritokratischer. Jeder weiß, wer mit der Idee ankam, mit der eine Performance von 50 Prozent erreicht wurde. Jeder weiß jedoch auch, welches Team miserabel abgeschnitten hat.

Doch es gibt eine Schattenseite: Wer für einen Hedgefonds arbeitet, kann sich nicht verstecken. Denn überall herrscht Transparenz. Wer besonders schlecht abschneidet, kann der Schande kaum entgehen. Auch wenn niemand es anspricht: Solange Sie nicht für einen Hedgefonds wie Millennium arbeiten, wo die Verluste nur dem eigenen Team angerechnet werden, verheert Ihr Misserfolg die Boni von allen. Doch die Leute arbeiten in der Branche nicht aus Nächstenliebe. Vielmehr wollen sie Geld verdienen. Und wegen Ihnen, verlieren sie es stattdessen.

Das muss nicht immer schlecht sein. Manchmal schlägt einem sogar Sympathie entgegen; schließlich hat jeder schon einmal schlecht abgeschnitten. Allerdings werden Sie nicht viel abbekommen. Zwar sind die Leute aus der Branche wahre Meister darin, ihre eigenen Misserfolge zu vergessen, aber sie werden niemals vergessen, wann sie richtig lagen.

Dies stellt einen Grund dar, wieso die Arbeit für einen Hedgefonds so stressig ist. Noch schlimmer ist es, wenn es bei Ihnen verschiedene Teams mit der gleichen Strategie gibt. Wenn Ihr Hedgefonds diverse Teams beschäftigt, die den gleichen Sektor abdecken, dann werden Sie automatisch miteinander verglichen – ganz gleich, was die Leute Ihnen erzählen. Wer bei der Performance ganz unten abschneidet, kann nicht anders als seine Investmententscheidungen zu hinterfragen. Dann beginnen Sie die Trader der besseren Teams zu kopieren. Auf diese Weise haben auch Hedge Funds Hotels begonnen. Das ist großartig, solange es funktioniert. Wenn nicht, dann verlieren alle.

Wer in der Hedgefondsbranche arbeitet, sollte also gründlich darauf achten, dass jeder mitbekommt, sobald er gut performt.

Margin of Saving ist ein Blog, der von einem Hedgefondsanalysten gegründet wurde.

Falls Sie eine vertrauliche Nachricht, einen Aufreger oder einen Kommentar loswerden wollen, zögern Sie nicht! Schreiben Sie einfach an Florian Hamann. fhamann@efinancialcareers.com.

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