Einblicke in einen der größten Hedgefonds der Welt

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working for Millennium Capital Management

Während moderne Arbeitgeber mit schicken Büros und kostenloser Verköstigung um die besten Talente werben, gibt sich ausgerechnet einer der größten Hedgefonds der Welt bescheiden. Portfoliomanager scheinen wenig Wert auf Ästhetik zu legen.

Und davon gibt es bei Millennium Management viele und es werden ständig mehr. Der 1989 von Israel Englander gegründete Hedgefonds bringt mittlerweile 35 Mrd. US-Dollar auf die Waage und besteht aus 200 Teams, in denen jeweils Portfoliomanager, Analysten und Support-Mitarbeiter beschäftigt sind. Allein in den vergangenen beiden Jahren sind 650 neue Leute hinzugekommen, darunter 20 neue Portfoliomanager. Im vergangenen Jahr waren es 300, wovon 180 etwas vage als „Investmentmitarbeiter“ bezeichnet wurden.

Dies heißt jedoch nicht, dass es leicht wäre, einen Job bei Millennium zu erhalten. Der Hedgefonds verfügt weder über ein Absolventenprogramm, noch stellt er Leute ohne einschlägigen Track Record ein. Wer als Portfoliomanager bei Millennium anfangen will, muss über eine Strategie verfügen, die zur Gesellschaft passt. Außerdem muss er in der Lage sein, schnell Geld zu verdienen.

Dabei ist der Aufbau von Millennium eher ungewöhnlich. Laut einem über zehn Jahre alten Gerichtsdokument des damaligen New Yorker Staatsanwalts Eliot Spitzer besitzt der Fonds eine „Master Feeder-Struktur“: Das Geld wird zunächst in Unterfonds angelegt und anschließend in einem größeren Fonds gebündelt. Millennium konnte den damaligen Rechtsstreit für sich entscheiden – die Struktur blieb unterdessen gleich. Seine 200 Teams – 2014 waren es noch etwa 150 – operieren unabhängig. Aus ihnen wird aber letztlich derselbe Multi-Strategy-Fonds gespeist.

Im vergangenen Jahr hat der Fonds knapp 5 Prozent zugelegt. Damit gehörte Millennium zu der kleinen Gruppe von Hedgefonds im schlechtesten Jahr der Branche seit 2011. Die Fonds verfolgen sehr unterschiedliche Strategien wie Relative Value Fundamental Equity, Statistical Arbitrage, Merger Arbitrage, einfache Rentenfonds und Rohstoff-Investments. Dennoch haben alle etwas gemein: Sie investieren nur in hoch liquide Produkte.

Wer im Portfoliomanagement von Millennium einen Job finden möchte, muss entweder einen Platz in den bestehenden Teams finden oder mit einer ganz neuen Strategie ankommen. Wer mit einer neuen Idee erscheint, kann sich auf eine eingehende Befragung und Untersuchung seiner Strategie gefasst machen. Die Teilnehmer an derartigen Vorstellungsgesprächen berichten von einem „sehr robusten“ Prozess. Wer Millennium überzeugt, wird mit einem Büro samt Daten, Analysen und einer erstklassigen Ausführungsplattform versorgt. Näher kann man seinem eigenen Hedgefonds wohl kaum kommen, es sei denn, man setzt ihn tatsächlich selbst auf.

Dies stellt wohl einen Grund dar, wieso der ehemalige Goldman Sachs-Managing Director Ankit Raj, der Gründer von Hutchin Hill Neil Chriss oder der ehemalige Goldman Sachs-Trader und Citadel-Portfoliomanager Uberto Palomba zu Millennium gegangen sind. Insgesamt hat der Hedgefonds laut dem Register der Regulierungsbehörde FCA allein in London im vergangenen Jahr 35 Leute eingestellt – darunter Diego Megia von Citadel oder Julien Raffelsbauer, einem Experten für festverzinsliche Unternehmensanleihen der HSBC.

Doch Millennium bietet rastlosen Tradern nicht allein Unabhängigkeit, sondern auch Geld. Während andere Fonds die Gewinne und Verluste einzelner Strategien gegeneinander verrechnen, bezahlt Millennium seine Portfoliomanager nach ihrer individuellen Performance. Wenn ein Team also Geld verdient, wird es entsprechend bezahlt, auch wenn ein anderes Team Geld verliert. 2017 – dem letzten Jahr für das Daten verfügbar sind – gab es in Großbritannien zwölf Partner, von denen jeder durchschnittlich 1,1 Mio. Pfund verdiente – einer kam sogar auf über 7 Mio. Pfund.

Doch die Arbeit bei Millennium ist nichts für jedermann. So haben etwa 35 Leute Millennium 2018 verlassen, wovon 25 laut dem FCA-Register anderswo in Großbritannien wiederaufgetaucht sind. Der Fonds steht im Ruf, sich ggf. auch schnell wieder von Leuten zu trennen. Vor fünf Jahren wurde z.B. Chris Dale, der eines der größten Handelsbücher in Europa führte, vor die Tür gesetzt, als er in kurzer Zeit eine negative Performance von 5 Prozent erzielte. Da half ihm auch nicht, dass er in den acht vorhergehenden Jahren angeblich 450 Mio. Dollar generiert hatte. Englanders Verlusttoleranz ist offensichtlich sehr überschaubar.

Doch nicht alle verlassen Millennium unfreiwillig. Der bekannteste Abgang der zurückliegenden Jahre ist wohl Michael Gelband. Der 57jährige war ein Star unter den Anleihetradern. Nach einem angeblichen Streit mit Englander ging er 2017. Nachdem Gelband 7 Mrd. Dollar an Trading-Erträgen bei Millennium generierte, wollte er einen Anteil an dem Unternehmen haben, was Englander ablehnte, heißt es.

Auch wenn die Struktur von Millennium so manchen Portfoliomanager passt, gilt dies nicht für sämtliche Beschäftigten. Auf der Website Glassdoor finden sich diverse Kommentare von Analysten und Juniors, denen zufolge sie ins kalte Wasser geworfen wurden. „Wenn ich sage, Ihr seid auf Euch gestellt, dann meine ich komplett – es gibt überhaupt keine Unterstützung“, lautet ein typischer Kommentar. Doch laut Insidern hat Millennium auch keinerlei Interesse am Scheitern der Portfoliomanager und ihrer Teams, besonders wenn er viel Geld in ihren Aufbau investiert hat. Darüber hinaus tendieren erfolgreiche Portfoliomanager lange bei dem Hedgefonds zu bleiben.

Dies bringt uns zurück zu den Räumlichkeiten, die Millennium belegt. Erst im vergangenen Jahr hat der Hedgefonds neue Büros in New York bezogen. Die mögen schöner sein als die alten, besonders grandios scheinen sie aber nicht auszufallen. Auf Glassdoor beschwerten sich jedenfalls Mitarbeiter über die „spartanischen“ oder sogar „widerlichen“ Büros. Tischtennisplatten und Tischfußball stehen offenbar nicht hoch in der Prioritätenliste. Wer das sucht, ist wahrscheinlich bei einem IT-Startup besser aufgehoben.

Falls Sie eine vertrauliche Nachricht, einen Aufreger oder einen Kommentar loswerden wollen, zögern Sie nicht! Schreiben Sie einfach an Florian Hamann. fhamann@efinancialcareers.com.

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