„Niemand verfällt wegen des harten Brexits in Panik oder hortet Lebensmittel“

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Food hoarding

Noch reicht das Brexit-Chaos nicht aus, um die Finanzprofis in London in ernste Unruhe zu versetzen. Nach der krachenden Ablehnung des Brexit-Deals durch das britische Parlament sowie Nachrichten, dass schon hunderte „Notfallboxen“ mit Lebensmitteln und Ähnlichem für 300 Pfund an besorgte Briten verhökert wurden, haben wir Finanzprofis gefragt, wie sie mit der Situation umgehen. Beginnen auch Londoner Banker der unterschiedlichsten Nationalitäten und Altersgruppen, ihre Schränke mit Dosenfutter und Trockenkeksen vollzustopfen? Die Antwort fällt selten einmütig aus.

„Banker sind viel zu sehr daran gewöhnt, außerhaus zu essen oder bei Deliveroo zu bestellen, um Lebensmittel für einen harten Brexit zu horten“, erzählt ein Londoner Vice President. „Ich kenne keinen Banker, der sich um die Lebensmittelversorgung sorgt“, erzählt ein Director einer US-Investmentbank in London. „Was den Brexit angeht, bin ich völlig entspannt“, sagt ein Managing Director von Goldman Sachs. „Falls die Lebensmittelversorgung tatsächlich ins Stocken gerät, dann stellt dies eine Gelegenheit für eine Diät dar.“

Offenbar halten Finanzprofis die Berichte über mögliche Versorgungsengpässe nach einem harten Brexit für bloße Panikmache. Viele hoffen wohl auch insgeheim, dass es noch zu einer Einigung kommt. „Die Leute in den Finanzdienstleistungen glauben weithin, dass der Brexit ausfällt“, sagt ein Managing Director von Goldman Sachs.

Anstatt Lebensmittel zur horten, sollten die Leute lieber „einen Haufen Bargeld“ zurücklegen, meint ein Trader. „Wenn Volatilität und Unsicherheit herrschen, dann macht es mehr Sinn, kurzfristig auf einem Haufen Bargeld zu sitzen mit einigen Dollar und etwas Gold auf lange Sicht“, ergänzt er. Darüber hinaus würden auch einzelne britische Aktien Sinn machen, wenn das Pfund einbricht.

Doch zumindest für europäische Finanzprofis gibt es eine Alternative. „Mein ,Austrittstermin‘ wird gerade geplant. Ich werde UK verlassen. Warum tue ich das? Ich bin europaweit mit meiner Firma unterwegs und es wird mir meine Arbeit sehr erschweren, wenn UK kein EU-Mitglied mehr ist. Außerdem möchte ich nicht Mensch zweiter Klasse werden, denn nichts anderes wird passieren bei einem No-Deal-Brexit“, erzählt eine deutsche Regulierungsexpertin aus London. Der britischen Politik wirft sie Verantwortungslosigkeit vor. „Das Land ist zerstritten wie nie. Die Lügner in diesem Land haben Oberwasser und auf der ganzen Linie gewonnen“, klagt sie. „Aber all das macht den Abschied nicht leichter. Ich habe sehr gerne in UK gelebt und gearbeitet und nicht weil ich musste, sondern weil ich es wollte.“

Falls Sie eine vertrauliche Nachricht, einen Aufreger oder einen Kommentar loswerden wollen, zögern Sie nicht! Schreiben Sie einfach an Florian Hamann. fhamann@efinancialcareers.com.

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